Viel applaudieren ist nix falsch“, riet Sarah Bauer – sie spielt im neuesten Stück der Theatergruppe der Stadtkapelle eine feurige Italienerin – dem zum Traditionstermin am Sonntag zahlreich erschienenen Publikum. Das ließ sich nicht lumpen, sondern reagierte höchst amüsiert.

Jedes Jahr zu Dreikönig bringt die Theatergruppe des Musikvereins unter ihrem Leiter Fritz Richter ein neues Stück heraus. Und so gab es wieder Bauerntheater mit robustem schwäbischem Humor und die Akteure bekannten sich dazu, schafften sie doch selbst die entsprechende Atmosphäre mit ihren Blasmusikeinlagen vor dem Stück und während der Pause.

Im diesjährigen Stück „Am Lido gibt’s heut Büchsafleisch“, das Fritz Richter seiner Truppe nach der Vorlage eines unbekannten Autors auf den Leib geschrieben hat, reiste die biedere Schwabenfamilie Hämmerle ins Ferienhaus nach „bella Italia“ an den Lido Ramazotti. Mit von der Partie waren Vater Alfons und sein resolutes „Ehegespons Thekla“, sowie der erwachsene Sohn und dessen Kumpel. Im Schlepptau Alfons’ Schwiegermutter, Alma Mitesser – „nein, wir haben nichts gegen Schwiegermütter!“ – die ihrer Tochter tatkräftig half, den armen Alfons unter dem Pantoffel zu halten. Der fühlte sich denn auch nicht nur unter einem Pantoffel, sondern unter einem ganzen Schuhladen – eine Paraderolle für Fritz Richter, in der er sich mit Wonne suhlte.

Verwirrung entstand, als plötzlich der Hausbesitzer Konrad Schultheiß, ein Nachbar der Hämmerles, mit einer hübschen jungen Dame auftauchte. Thekla Hämmerle vermutete sofort einen versuchten Ehebruch und hatte nichts Besseres zu tun als ihre Freundin, die zur Kur gefahrene Ludmilla Schultheiß, zu alarmieren, die sofort dampfwalzengleich anrauschte. Die junge Italienerin Graciella Ravioli aus der Nachbarschaft stiftete unabsichtlich noch mehr Chaos, zumindest im Seelenleben von Alfons und Konrad, die beide ganz angetan waren von ihrem italienischen Charme und sich immer mehr dem Dolce Vita hingaben. Nach einigen Gläsern Cognac wagte Alfons sogar den Aufstand gegen seine Matronen.

Nur Thekla und ihre streitbare Mutter verteidigten noch Anstand und Moral. Die Lage verknotete sich im etwas zu lange geratenen zweiten Akt bis zur Unlösbarkeit. Nach der Pause und einem Blasmusikgewitter aus Fritz Richters Tuba klärten sich die Verhältnisse und die Paare fanden doch noch zueinander. Hämmerle junior bekam die nette Begleiterin des Hausbesitzers, die nämlich gar nicht dessen neue Freundin war, sondern sich als aus dem Ausland heimgekehrte Tochter entpuppte. Sein Kumpel stößt auf Gegenliebe bei der hübschen Italienerin. Und Alfons Hämmerle fand – vom Cognac genesen – das Leben unter dem Pantoffel plötzlich wieder recht kuschelig. Einzig die böse Schwiegermutter ging leer aus.

Finstere Drohung

Und was war jetzt mit dem Büchsenfleisch? Das gab es zum Glück nicht. Allenfalls als finstere Drohung, die Graciellas Brüder ausgestoßen haben sollen. Sie wollten jeden zu carne in scatola verwursten, der es wagen sollte, ihrer holden Schwester zu nahe zu kommen.

Die Aufführung am Wochenende war das vorläufig letzte öffentliche Auftreten der Theatergruppe. Nach 35 Jahren zieht sich Fritz Richter zurück, wie er am Ende der Vorstellung bekanntgab. Auch Ulrike Grannass-Alber, die „Schwiegermutter“, geht privat und als Schauspielerin in den Ruhestand. Der Rest der Truppe will weitermachen, braucht aber erst mal eine kreative Pause, um sich unter den geänderten Bedingungen zurechtzufinden.

Die Zuschauer bedauerten und nahmen im Hinausgehen von jedem der Akteure, die sich in einer Reihe aufgestellt hatten, persönlich Abschied. Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen auf der Theaterbühne.