Jahresgespräch „Konkrete Projekte umsetzen“

Tatjana Scheerle ist seit dem 1. September Bürgermeisterin in Walheim. Zukünftig möchte sie „innovativ für Walheim tätig sein und konkrete Projekte umsetzen“.
Tatjana Scheerle ist seit dem 1. September Bürgermeisterin in Walheim. Zukünftig möchte sie „innovativ für Walheim tätig sein und konkrete Projekte umsetzen“. © Foto: Martin Kalb
Walheim / Roland Willeke 09.01.2019

Erst seit dem 1. September übt Tatjana Scheerle ihr Amt als neue Walheimer Bürgermeisterin aus. Mitte Juli war sie im zweiten Durchgang der Bürgermeisterwahl mit einer Mehrheit von 55 Prozent zum Nachfolger des nach Bönnigheim gewechselten Albrecht Dautel gewählt worden.

Da fällt die Gesamtbilanz für das Jahr 2018 natürlich etwas verkürzt aus und beschränkt sich zunächst auf die gewonnenen Eindrücke bei der Bürgermeisterwahl – „das Größte und Wichtigste“, so Tatjana Scheerle. Beeindruckend sei das große Interesse der Bürger gewesen und wie viele Reaktionen es gegeben habe: „Das hat die Bürger bewegt.“ Dass auch noch ein anderer Urnengang die Walheimer bewegt, ja fast gespalten hat – der Bürgerentscheid über eine Lärmschutzwand entlang der Bahnlinie – bleibt da zunächst außen vor und rückt erst im Laufe des Gesprächs wieder ins Bewusstsein. Auf dem Zettel der Bürgermeisterin stehen andere Themen, über die sie sich bei ihren Mitarbeitern informiert hat, wie der Bau der neuen Wasserleitung von der Walheimer Burg hinab ins Dorf oder dass der Gemeinderat im letzten Jahr die Weichen für ein dreizügiges Krippenhaus beim Kindergarten Lerchenweg gestellt hat. Persönlich mit dabei war sie, als die Feuerwehr ihr neues Löschfahrzeug beim Hersteller abholte. Eigentlich ist die Übergabe eines Feuerwehrautos – außer für die Feuerwehr natürlich – nichts Besonderes, für Tatjana Scheerle aber schon. Schließlich hat sie ihre Bachelor-Arbeit an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg über Kommunales Krisenmanagement – und dazu gehört auch die Feuerwehr – geschrieben.

Flüchtlinge kein Thema

Kein Thema war 2018 die Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde. Ende des Jahres lebten in Walheim 22 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung und neun Flüchtlinge in der vorläufigen Unterbringung. Das alles geschah ziemlich geräuschlos, auch dank der ehrenamtlichen Helfer.

Die wichtigsten Investitionen 2018 waren neben der Wasserleitung von der Burg herab vor allem die Sanierung der Weinstraße und das Feuerwehrauto – „und dann war das Geld weg“, scherzt Tatjana Scheerle.

Ganz so ist es natürlich nicht, denn die Haushaltslage Ende 2018 ist nicht so schlecht. Man kam ohne neue Schulden durchs Jahr, die Verschuldung sank auf rund eine halbe Million Euro; pro Kopf sind das etwa 166 Euro.

Inzwischen gibt es einen Haushaltsentwurf für 2019. Es heißt, die neue Kämmerin Lea Redweik habe ihn in der Rekordzeit von fünf Tagen aufgestellt. Er sieht neue Kredite in Höhe von 2,5 Millionen Euro vor, weil man für 2019 damit rechnet, endlich das seit Jahren geplante Krippenhaus wirklich bauen zu können. Die Pro-Kopf-Verschuldung der mehr als 3100 Walheimer steigt dadurch auf rund 800 Euro. Zum Vergleich: der neue Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden liegt bei 633 Euro. Tatjana Scheerle bekennt sich ausdrücklich dazu, für das neue Krippenhaus Darlehen aufzunehmen. Abgesehen von dieser Kreditaufnahme bleibe der Haushalt der Gemeinde aber stabil, versichert Scheerle.

Die Aussichten auf 2019 sind geprägt von den Kommunalwahlen im Mai. Vier von den zwölf Walheimer Gemeinderäten haben der Bürgermeisterin zu verstehen gegeben, dass sie nicht mehr kandidieren. Der Gemeinderat wird sich nach den Kommunalwahlen mit der Einführung eines Rats-Informationssystems mit elektronischen Sitzungsvorlagen zu beschäftigen haben. Möglicherweise werden in Walheim zwei Ladestationen für Elektroautos installiert. Im Haushaltsplan sind sie schon mal vorgesehen.

Zu den wichtigsten Projekten 2019 zählt das neue Baugebiet Mozartweg/Hölderlinweg. Auf dem Areal, wo eigentlich der gescheiterte Einkaufsmarkt geplant war, soll ein Baugebiet mit 20 bis 30 Bauplätzen entstehen. Der Bebauungsplan könnte bereits im Februar oder März rechtskräftig beschlossen werden. „Wir wollen das wirklich ein bisschen schneller, im zeitlich vorgeschriebenen Rahmen, durchziehen“, erklärt Scheerle.

Im Rahmen der laufenden Ortskernsanierung kündigt die Bürgermeisterin Gespräche mit dem Sanierungsträger, der Wüstenrot Städtebau, sowie Vereinen und Nutzern an, in denen die Zukunft des Areals zwischen Kelter, dem ehemaligem Feuerwehrhaus und dem Gelände des Pfarrgartens am Dammweg geklärt werden soll.

Baugenehmigung im Januar

Beim Krippenhaus erwartet Tatjana Scheerle für Ende Januar die Baugenehmigung. Im Landratsamt warte man nur noch auf den geänderten Bebauungsplan. Baubeginn könnte dann im Frühjahr sein. Darüber hinaus ist ihr keine Terminaussage zu entlocken.

Scheerles persönliche Erwartungen zielen darauf ab, „dass wir endlich damit anfangen können, innovativ für Walheim tätig zu sein und konkrete Projekte umzusetzen“. Bisher habe sie nur Bestehendes abarbeiten können, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass zeitgleich zu ihrem Amtsantritt Schlüsselpositionen im Rathaus, wie Hauptamt und Kämmerei, neu besetzt werden mussten.

Als Sorgenkinder der Gemeinde sieht Tatjana Scheerle zu wenig Wohnraum und zu wenig Parkplätze. Überdies bereite der Verwaltung der Fachkräftemangel im Kindergartenbereich Sorge. Auf die fehlende Nahversorgung angesprochen, sieht sie das zwar auch als besorgniserregend, aber sie habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Im Moment führe sie Gespräche, wie man eine Mindestnahversorgung sicherstellen könne. Außerdem möchte sie ihre Idee eines Einkaufsbusses vorantreiben und lässt bereits Angebote über geeignete Fahrzeuge – möglichst Elektro-Autos – einholen.

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