Schwerpunkt Pflege „Bezahlung ist nicht überall schlecht“

Elke Eckert (rechts), Hausdirektorin des Robert-Breuning-Stifts, hat nicht nur als Leiterin Erfahrung im Pflegebereich. Hier feiert sie Fasching mit Stift-Bewohnern und Angehörigen.
Elke Eckert (rechts), Hausdirektorin des Robert-Breuning-Stifts, hat nicht nur als Leiterin Erfahrung im Pflegebereich. Hier feiert sie Fasching mit Stift-Bewohnern und Angehörigen. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / Susanne Yvette Walter 10.02.2018

Wie sieht es in der Praxis wirklich aus mit Ausbildungschancen, Möglichkeiten zur Weiterbildung, mit der Bezahlung und mit Karrierechancen in Pflegeberufen? Die BZ sprach mit Elke Eckert, seit Oktober 2017 Hausdirektorin im Robert-Breuning-Stift in Besigheim.

Elke Eckert kann mitreden, wenn es darum geht, soziale Berufe und vor allem jene im Pflegebereich von ihrem üblichen Image zu befreien. Demnach kommt zu den unbeliebten Arbeitszeiten (nachts und am Wochenende) auch noch das Vorurteil der durchweg schlechten Bezahlung ins Spiel.

Die gebürtige Stuttgarterin hat selbst mit einer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester ihre Karriere gestartet. Seit Oktober 2017 ist sie nun Hausleiterin im Robert-Breuning-Stift in Besigheim, das von der Evangelischen Heimstiftung geleitet wird. „Allein mit meiner Ausbildung kann ich mit Kindern und in der Altenpflege arbeiten“, nennt sie den ersten Vorteil. Die 50-Jährige hat nach der Lehrzeit drei Jahre lang im „Olgäle“, dem Olgahospital in Stuttgart gearbeitet, wechselte dann in den Kleinkinder- und Krippenbereich einer Kindertagesstätte.

Die Heimleitung anvisiert

„Weil sich Babys und Kleinkinder oft schlecht äußern können, lernen wir auf andere Zeichen einzugehen. Das wiederum kommt Pflegekräften auch im Umgang mit alten Menschen zugute, die sich bekanntlich oft ebenfalls nicht mehr gut artikulieren können“, macht sie deutlich.

Zu Hause pflegte Elke Eckert ihre Schwiegermutter und machte abends und am Wochenende parallel den Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen. Dazu kam der Ausbildereignungsschein, „weil ich schon immer gern angeleitet und ausgebildet habe“, sagt sie. Durch diesen Ausbildereignungsschein wurde Elke Eckert Mentorin für Altenpflegeschüler und hat eine Ausbildungskonzeption für ihre damalige Wirkungsstätte, die Karlshöhe Ludwigsburg erstellt.

Schon länger habe Eckert eine Heimleitung anvisiert und so wurde sie im Oktober 2017 Hausdirektorin bei der Evangelischen Heimstiftung in Besigheim. „Wichtig ist es, dass sich jedes Haus seinen Nachwuchs selbst ausbildet. Der Markt ist abgeschöpft. Je mehr spezialisierte Mitarbeiter ich ausbilde, desto höher ist der Fachkräfteanteil vor Ort“, sagt sie.

In der Evangelischen Heimstiftung werden zum Beispiel Altenpflegerhelfer, -fachkräfte und Service- und Küchenhelfer ausgebildet. Auch Zusatzqualifikationen wie Kurse zum Wundexperten oder zur „Painnurse“, die für die Schmerzermittlung zuständig ist, sind möglich.

„Es gibt viele Querverbindungen zu anderen Institutionen, sodass die Chancen sehr gut sind, nach der Ausbildung auch eine entsprechende Stelle zu finden“, betont sie. Auch Fachkräfte, die für das Qualitätsmanagement zuständig sind, seien sehr gefragt auf dem Arbeitsmarkt.

Die Bezahlung sei „nicht überall so schlecht, wie das in der Öffentlichkeit dargestellt wird“, sagt Eckert. Eine ausgebildete Fachkraft steigt bei der Evangelischen Heimstiftung, die übertariflich bezahlt, in der Regel mit 2800 Euro brutto ein. Dazu kommen Zeitzuschläge und Schichtzulagen. Und: „Ein Azubi im ersten Lehrjahr verdient bei uns schon 994 Euro“, macht sie deutlich. „Man muss sich nur vorher über die Arbeitszeiten im Klaren sein, die sind halt auch am Wochenende und in der Nacht.“