Besigheim / Roland Willeke

In einem Jahr, das von der Presse als Mega-Gedenkjahr der Kultur gefeiert wird – 100 Jahre Bauhaus, 200. Geburtstag Theodor Fontanes, 250. Geburtstag Alexander von Humboldts, 500. Todestag Leonardo da Vincis und Kaiser Maximilians – wollte auch der Besigheimer Geschichtsverein nicht zurückstehen, sondern daran erinnern, dass er seit 40 Jahren erfolgreiche Kulturarbeit in der Stadt zwischen Enz und Neckar leistet.

Exakt vor 40 Jahren, am 11. Mai 1979, um 21.50 Uhr, so berichtete es der Geschichtsvereins-Vor­sitzende Hans Jürgen Groß am Samstag vor einer stattlichen Zahl an Festgästen, hoben 81 Interessierte den Geschichtsverein Besigheim aus der Taufe. Inzwischen hat der Verein 220 Mitglieder und ist aus dem Kulturleben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Schon ein Jahr nach der Gründung brachte man die erste Ausgabe der Besigheimer Geschichtsblätter heraus. Bis heute konnten 34 Hefte publiziert werden. Die vereinseigene Mediathek umfasst heute über 2200 Schriften und andere Medien.

Kulturleben der Stadt bereichert

Mit zahlreichen Vorträgen haben die Besigheimer Geschichtler das Vereins- und Kulturleben ihrer Stadt bereichert. Bemerkenswert ist, dass der Verein mit den „Jungen Geschichtlern“ über eine Jugendabteilung verfügt. Exkursionen, auch ins Ausland, stärkten nicht nur die Geschichtskenntnisse, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl. Stolz ist man auf die vom Verein initiierten historischen Stadtführungen.

Ein Ziel blieb dem Geschichtsverein bisher allerdings versagt, „die Entscheidungsträger unserer Stadt für ein Haus der Stadtgeschichte zu begeistern“, bedauerte Groß. „Aber, wir haben dieses Ziel nicht aufgegeben.“ Als „Anleihe“ für ein künftiges Haus der Stadtgeschichte übergab er dem stellvertretenden Bürgermeister Achim Schober, der den verhinderten Amtsinhaber Steffen Bühler vertrat, als Repräsentanten der Malerstadt Besigheim ein Bild des in Besigheim geborenen Malers Alfred Kollmar, die „Frau mit Maske“. Es ist eines der wenigen Werke des expressionistischen Malers, der 1937 in seiner künstlerischen Heimat Worpswede – von den Nazis verfemt und seinen Künstlerfreunden gemieden – Selbstmord beging, das die Zeit überdauert hat. Schober bedankte sich artig für das Geschenk. Den damit verbundenen „kleinen Hinweis“ werde er mitnehmen. Mit gespielter Empörung wies Groß seinen jungen Duzfreund – „er ist bereits ganz Politiker“ – zurecht. Dr. Nicole Bickhoff, stellvertretende Präsidentin des Landesarchivs Baden-Württemberg und Vorsitzende des Verbandes der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine, bemühte Cicero, um Sinn und Aufgabe von Geschichtsvereinen, die zu einer „fundierten Volksbildung“ beitrügen, zu verdeutlichen: „Geben wir Acht, dass wir nicht in unserer Heimat als Fremde und Gäste angesehen werden“. Sie fügte sogleich auch die Umkehrung als Mahnung hinzu: „Geben wir Acht, dass Fremde und Gäste bei uns Heimat finden können.“ Den Festvortrag bestritt der Historiker Dr. Peter Rückert, Archivdirektor am Hauptstaatsarchiv Stuttgart und Honorarprofessor an der Universität Tübingen. Mit seinem kurzweiligen Vortrag über Herzog Ulrich und Besigheim leistete er im buchstäblichen Sinn einen Jubiläumsbeitrag, ist es doch genau 500 Jahre her, dass der aus dem Land vertriebene Ulrich Besigheim einnehmen wollte, was ihm aber nicht gelang.

500 Reiter, 20 000 Fußsoldaten

Im Gegensatz zu seinem erfolgreichen Feldzug 15 Jahre früher, als er in kaiserlichem Auftrag 500 Reiter und 20 000 Fußsoldaten gegen Besigheim ins Feld geführt und die Stadt zehn Tage lang mit 1800 Kanonenkugeln beschossen hatte. Ein paar Kugeln von damals sollen noch heute in der Fassade des Rathauses stecken.

Württembergisch wurde Besigheim dann schließlich 1595. Zuvor war es Ulrich doch noch gelungen, sein Herzogtum wieder zu übernehmen, mit einem neuen Glauben im Gepäck – die Reformation hatte begonnen. „Aber das ist eine andere Geschichte, die ich Ihnen bei Gelegenheit gerne mal erzählen würde“, versprach Rückert. „Wenn wir gefragt werden, helfen wir gerne“. Im Unterhaltungsteil des Abends begeisterten die Saxophonisten der Musikschule unter Leitung von Andreas Musch und die Theatergruppe „Dein Theater“ mit Wilhelm Busch.