Das war schon ein gehöriger Schreck, als der Mundelsheimer Kämmerer Martin Braunbeck vor etwas mehr als einem Jahr im Gemeinderat verkünden musste, das Großbottwarer Tor, gern fotografiertes Wahrzeichen der Gemeinde, drohe einzustürzen.

Das Tor stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als Mundelsheim anlässlich seiner Erhebung zur Stadt im Jahr 1422 eine Stadtbefestigung mit drei Toren anlegte. Nur das Großbottwarer Tor ist davon übrig geblieben.

Im Turmstübchen über dem Torbogen, das von der Gemeinde als Notquartier genutzt wurde, war dem damaligen Mieter - ihm konnte inzwischen eine ordentliche Wohnung vermittelt werden - Schimmel aufgefallen. Für weitere Untersuchungen wurde der Putz von den Wänden geschlagen und erst da offenbarte sich das eigentliche Unheil. Die Bausubstanz stellte sich als äußerst schlecht heraus. Eine Expertenrunde aus Bausachverständigen, Architekten und Denkmalschützern befand, die Standfestigkeit des unter Denkmalschutz stehenden Tores sei extrem gefährdet. Innerhalb weniger Tage wurde ein Gerüst aufgestellt und das Gebäude bekam quasi ein Stützkorsett. Im Innern werden die Wände seither durch Gurte zusammengehalten.

Architekt Jochen Feyerabend aus Besigheim schätzt die Kosten der Sanierung auf 190 000 Euro. "Für Mundelsheim ist das schon ein gewaltiger Brocken", weiß Helmut Jahn, Mundelsheimer Bürger und ehemaliger Landrat des Hohenlohekreises. Jetzt ist er Kuratoriumsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

Zusammen mit Christoph Grüber, Geschäftsführer der Lotto-Bezirksdirektion Franken GmbH, übergab er dem Mundelsheimer Bürgermeister Holger Haist die symbolische Zusage, die Sanierung des Tors mit 20.000 Euro zu unterstützen.

Seit die Denkmalstiftung 1985 vom damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth ins Leben gerufen wurde, hat sie mehr als 1300 Maßnahmen zur Rettung von Denkmalen gefördert. Im letzten Jahr unterstützte die Stiftung 38 Projekte. Seit 2013 kann die Stiftung mit finanzieller Hilfe von der Lotterie "Glücksspirale" rechnen, worüber Helmut Lang sehr froh ist: "In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen reichen die Erträge aus unserem Stiftungskapital bei weitem nicht aus."

Die Glücksspirale hat 2014 den Denkmalschutz mit rund 2,5 Millionen Euro unterstützt. Insgesamt fließen in Baden-Württemberg jährlich ungefähr 25 Millionen Euro aus Lotterie- und Wetterlösen in den Denkmalschutz. Für Mundelsheim ist die Denkmalstiftung nicht der einzige Sponsor.

Aus dem Denkmalförderprogramm des Landes Baden-Württemberg - übrigens mit Lotto-Mitteln finanziert - erwartet man weitere 20.000 Euro. Die Mundelsheimer "Johannes, Sophie und Dr. Walter Harsch Stiftung" hat 50.000 Euro zugesagt.

Im November, so Holger Haist, wird der Gemeinderat voraussichtlich die Bauaufträge für die Sanierung vergeben. Haist hofft, dass die Instandsetzung des Tores an Pfingsten 2016 abgeschlossen sein wird.