Besigheim 20. August 1965: Schrankenloses Besigheim

Die Gleise trennen die Häuser im Froschberg (links) von der Besigheimer Innenstadt. Erst seit 1964 führt eine Brücke hinüber. Bis dahin gab es Bahnübergänge. Am 20. August 1965 senkten sich die Schranken zum letzten Mal.
Die Gleise trennen die Häuser im Froschberg (links) von der Besigheimer Innenstadt. Erst seit 1964 führt eine Brücke hinüber. Bis dahin gab es Bahnübergänge. Am 20. August 1965 senkten sich die Schranken zum letzten Mal. © Foto: Michael Soltys
MARTIN HEIN 20.08.2015
Bahnschranken gibt es in Besigheim aktuell keine. Genau heute vor 50 Jahren, am 20. August 1965, hat sich die Schranke an der Löchgauer Straße zum Sindelberg zum letzten Mal gesenkt.

Rund 1,5 Millionen Euro hat es in den 1960er-Jahren gekostet, damit die Bahnübergänge zur Schwalbenhälde und Froschberg geschlossen und ein schrankenloser Übergang in diese Teile der Stadt möglich wurde, sodass der Straßenverkehr und die Fußgänger die Bahnlinie gefahrlos überqueren können.

Es gab mehrere Anläufe in Besigheim, die Bahnschranken zu beseitigen. Das zeigen die Berichte, die im "Enz- und Metter-Boten", dem Vorläufer der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung, erschienen sind. Bereits vor mehr als hundert Jahren kritisierte der Gewerbeverein in mehreren Eingaben an die Kreis-Generaldirektion die schlechte Verkehrssituation in der Stadt. Die Besigheimer baten um Beseitigung der Missstände an den beiden Bahnschranken. Sie empfanden damals schon das lange Warten vor den Schranken als untragbar, und schlugen vor, die Bahn neben dem Steinbach zu unterfahren.

Der zweite Weltkrieg und die Nachkriegsverhältnisse verhinderten jedoch einen früheren Baubeginn. Dass die Bahnübergänge eine erhebliche Gefahrenquelle darstellten, wurde einmal mehr im Juni 1959 deutlich. Ein vollbesetzter Omnibus wurde am Bahnübergang in Lauffen von einem Eilzug erfasst. Dabei wurden 45 Personen getötet. Vermutlich sah man sich dadurch bestärkt, das Projekt in Besigheim wieder aufzugreifen, und endlich umzusetzen.

Im Frühsommer 1963 war der Spatenstich für das Großprojekt einer Brücke über die Bahnlinie. Sie war bereits ein Jahr später fertig. Dieser Bauabschnitt kostete rund eine Million D-Mark (etwa 500.000 Euro). Der Bau der Bahnüberführung war damals eine der größten Baustellen im Kreis Ludwigsburg. Rund 30.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden. Gegen Ende der Baumaßnahmen wurden insgesamt mehr als 2000 Kubikmeter Beton verarbeitet.

Im Sommer 1965 hat sich die Bahnschranke zum Stadtteil Schwalbenhälde/Spindelberg zum letzten Mal gesenkt. Vor 50 Jahren, am 20. August 1965, war es dann auch in der früheren Löchgauer Straße so weit. Die Bauleitung ließ die Straße zum Wohngebiet Froschberg aufreißen und verständigte den Bahnhofsvorsteher, dass die Schrankenbedienung gehen könne. Die fünf Bediensteten wurden bei der Bahn an anderen Stellen eingesetzt. Für den Anschluss der Froschbergstraße und Löchgauer Steige wurde eine Behelfsverbindung hergestellt. Wenige Wochen später konnte auch das Straßenstück von der Brücke zur Froschbergstraße, Löchgauer Steige und Freudentaler Straße dem Verkehr übergeben werden.

Damit waren nach Abschluss dieser Baumaßnahme an der Bahnstrecke Stuttgart-Heilbronn zwei stark frequentierte Bahnschranken weggefallen. Minutenlanges Warten vor geschlossenen Schranken gehörte nun zumindest an diesen Stellen für die Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger der Vergangenheit an. Die Bahnüberführung mit den neuen Straßen kostete mehr als drei Millionen Mark (circa 1,5 Millionen Euro). Die Kosten übernahmen je zur Hälfte die Straßenverwaltung und die Bundesbahn.

Allerdings war Besigheim nach Abschluss dieser Baumaßnahme noch nicht komplett "schrankenfrei". Es gab noch den "Bahnposten 38" zum Brachberg und zur Schwalbenhälde. Dieser Bahnübergang wurde erst Jahre später beseitigt.