Die Zustände bei der zurückliegenden Sanierung der Ortsdurchfahrt in der Göppinger Nachbarkommune Heiningen war den Mitgliedern im Technischen Ausschuss ein Schreckgespenst. Über Monate habe dort „Chaos“ geherrscht, urteilte Achim Fehrenbacher (CDU), als es in dem Gremium am Donnerstagabend um anstehende Fahrbahnerneuerungen in Göppingen ging. Denn laut dem Plan sind in diesem Sommer die Stadtbezirke Holzheim, Bezgenriet und Maitis dran. Dort stehen jeweils Teile der Ortsdurchfahrten auf der Reparaturliste. 800 000 Euro können ausgegeben werden. In Bezgenriet betrifft es die Passage vom zentralen Kreisverkehr Richtung Hattenhofen: Dafür sind etwa 180 000 Euro fällig. In Maitis wird für eine Viertelmillion die Ortsdurchfahrt fast auf der gesamten Länge erneuert. Und in Holzheim steht für 300 000 Euro zunächst der nördliche Teil von der Ortsmitte ab dem Feuerwehrhaus auf der Liste. Hier soll laut Plan „ein Gesamtkonzept für die Straße und die Seitenräume erstellt und in den  Sommerferien der Fahrbahnbelag flächig saniert werden“.

In allen drei Fällen werde man es aber schaffen, eine innerörtliche Umleitung zu organisieren, sagt Werner Hauser, Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau, Umwelt und Verkehr. Erst wenn in einem weiteren Bauabschnitt der südliche Teil der Holzheimer Ortsdurchfahrt Richtung Ursenwang erneuert wird, „bleibt nur das Modell Heiningen“, wie Hauser es nannte.

Die Ausweichstrecken sollten so schnell wie möglich mit den Bezirksbeiräten vor Ort besprochen werden, forderten die Ausschussmitglieder, damit in den Stadtbezirken bekannt ist, was auf sie zukommt

Im Stadtbezirk Holzheim hat sich im Herbst eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen den Verkehrslärm mobil macht. Deren Sprecherin Christina Ott sagte gestern der NWZ, man kämpfe weiterhin für die durchgängige Einführung von Tempo 30 auf der Durchgangsstrecke, um die Lärmbelastung erträglich zu machen. Weil dieses Ziel aber kurzfristig nicht zu erreichen sei, sei als erster Schritt der Einbau von Flüsterasphalt gut. Das Versuchsfeld mit diesem Asphalt  zeige, dass damit eine Verbesserung erreichbar ist.

Allerdings warnte Fachbereichsleiter Hauser vor übertriebenen Erwartungen. Bei recht geringen Geschwindigkeiten, wie sie auf Ortsdurchfahrten gefahren werden, bringe der Flüsterasphalt wenig Verbesserung. Außerdem sei er technisch schwieriger einzubauen und längst nicht so haltbar wie herkömmlicher Straßenbelag. „Es gibt keinen guten und bösen Asphalt“, sagte Hauser. Andere Punkte wie das richtige Niveau von Schacht-Einfassungen seien bei der Lärmreduktion seiner Meinung nach wichtiger. Vor allem wenn, wie in Holzheim, viele Lastwagen mit Anhänger über die Schächte scheppern.

Weitere Belagsarbeiten, die in diesem Jahr erledigt werden sollen, sind die im vergangenen Jahr nicht mehr vollendete Schelmenstraße in Bartenbach und die Zeppelinstraße im Reusch. Beides sind ebenfalls viel befahrene Zubringerstraßen.

Rudi Bauer (FWG-Fraktion) forderte, die Stadtverwaltung möge doch koordinieren, dass nicht innerhalb weniger Monate  mehrmals die Straßen aufgerissen werden. „Da weiß manchmal die Linke nicht, was die Rechte tut.“ Baubürgermeister Helmut Renftle erwiderte, dieser Eindruck entstehe manchmal in der Bevölkerung. Belagsarbeiten würden aber sehr wohl so gut es geht mit Leitungsinhabern wie Energieversorgung Filstal abgesprochen. Werner Hauser betonte, dass jedes Frühjahr die jeweiligen Unternehmen zu Koordinierungstreffen eingeladen würden. Wenn dennoch Straßen mehrmals kurz hinter einander aufgerissen werden, sei das „der Komplexität geschuldet“.

Wie marode sind Göppingens Straßen?


Ausgangslage Im Jahr 2014 hat eine Zustandserhebung ergeben, dass 30 Prozent der Göppinger Straßen in einem schlechten Zustand sind. Das rief Fachbereichsleiter Werner Hauser jetzt noch einmal in Erinnerung.

Entwicklung Seither hat die Stadt jedes Jahr etwa 10 000 Quadratmeter Straßenfläche saniert. In diesem Jahr sind 800 000 Euro eingeplant Ob das allerdings reicht, ist unklar, räumte Werner Hauser auf eine Anfrage ein.

Ausblick Eine Masterstudentin des Bauingenieurwesens erarbeite derzeit aber  im Auftrag eine Fortschreibung des Straßenkatasters. Wir wollen wissen: „Laufen wir nur hinterher oder holen wir auf“, so der Fachbereichsleiter.