Reutlingen „Alles wird busser“

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 05.12.2018

Alles wird busser“. Mit diesem Werbeslogan starten Stadt und RSV im kommenden Jahr in die schöne neue Welt des Nahverkehrs. Dabei stand die Umsetzung des Umwelttickets bis zuletzt auf Messers Schneide, weil der Bewilligungsbescheid des Bundes nach wie vor fehlt. Immerhin hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Montag um 11.26 Uhr beim dritten Diesel-Gipfel in Berlin der Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sein Wort gegeben, dass der unterschriebene Finanzierungsbescheid spätestens am morgigen Donnerstag im Rathaus vorliegen werde. Das ist übrigens auch der letzte mögliche Zeitpunkt, damit das Umweltticket am 1. Januar 2019 in Kraft treten kann. Damit übernimmt der Bund bis zu 95 Prozent der Kosten von 3,8 Millionen Euro für das 365-Euro-Jahresticket.

Das Jahresticket sei, führte Bosch aus, ein „wunderbares Angebot, das schnell wirke und die Attraktivität des ÖPNV“ erhöhen werde. RSV-Geschäftsführer Mark Hogenmüller bewertet es als „sehr großen Schritt, dass wir das Umweltticket nicht nur für das Stadtgebiet, sondern auch für die Wabe 220 realisieren können“. Zu dieser Wabe gehören neben Reutlingen auch Pfullingen, Eningen, Pliezhausen, Walddorfhäslach und Wannweil sowie die beiden interkommunale Industriegebiete Mahden und Mark West.

Die Tatsache, für 365 Euro im Jahr (bislang 524,40 Euro) oder 33 Euro (bislang 46,20 Euro) pro Monat den ÖPNV nutzen zu könne, bezeichnete Hogenmüller als „enormen Anreiz“ umzusteigen. Günstiger wird auch das Busfahren für Schüler. Ab 1. Januar bezahlen sie 30 (bislang 44,10)  Euro für eine Monatskarte in der Wabe 220. „Damit werden auch Familien entlastet“, betont RSV-Marketingleiter Bernd Kugel. Den entstehenden Abmangel übernimmt die Stadt Reutlingen – hierfür sind 1,8 Millionen  Euro im Doppelhaushalt 2019/20 eingestellt.

Nach der Jahres- und Monatskarte wird auch das Tagesticket günstiger. Erwachsene (ab 15 Jahre) zahlen im neuen Jahr 3,50 (bislang 4,40) Euro. Für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren werden 2,50 Euro fällig, das sind 1,10 Euro weniger als bisher. Die RSV rechnet bei den Zeitfahrkarten aufgrund der günstigeren Preise mit einer Nachfragesteigerung von 20 Prozent. Jetzt gehe es darum, das Angebot an den erwarteten Fahrgastzuwachs anzupassen, neue Fahrzeuge zu beschaffen und Fahrer einzustellen, sagte Hogenmüller. Für Dieter Pfeffer ist das 365-Euro-Ticket ein „Traum“, der wahr wird. Mit rund 165 000 Einwohnern ist Reutlingen die mit Abstand größte Wabe im Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau. „Wir wollen mit diesem Ticket Erfahrungen sammeln, schauen, wie viele Fahrgäste man dazu gewinnen kann“, betonte der Naldo-Geschäftsführer.

Die Bundesförderung ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Niemand könne derzeit sagen, wie es dann Ende 2020 weitergeht, betonte Bosch.

„Der Diesel-Gipfel hat nicht den Durchbruch gebracht“, bilanzierte die Rathaus-Chefin die Ergebnisse des dritten Treffens der Bundesregierung mit den unter der Schadstoffproblematik leidenden Kommunen. Der Gipfel sei nützlich gewesen, um Irritationen über angeblich veraltete Luftreinhaltepläne oder falsch platzierte Messstationen auszuräumen. Hilfreich sei auch gewesen, die technische Abwicklung der Förderprogramme durchzusprechen.

Den Städten laufe, sagte Bosch, die Zeit davon. Sie befürchtet, dass diese nicht mehr reichen wird, um Fahrverbote zu vermeiden. Gut ein Jahr dauert es, bis ein E-Bus geliefert wird. Hier sieht die Oberbürgermeisterin die Bundesregierung in der  Pflicht. Dazu komme, dass es allein mit den geförderten Maßnahmen nicht gelingen werde, den Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm/Kubikmeter Luft einzuhalten. „Dafür brauchen wir die Hardware-Nachrüstung der Diesel-PKW“, sagte Bosch. Kanzlerin Angela Merkel habe sich am Montag erneut enttäuscht gezeigt, dass sich die Automobilindustrie nicht bewege und die Nachrüstkosten übernehmen wolle. Allerdings könne, so die Rechtsauffassung der Bundesregierung, mit Ausnahme von VW kein Automobilhersteller dazu gezwungen werden, da sie die geltenden rechtlichen Vorgaben eingehalten hätten – nicht nur aus Barbara Boschs Sicht ein echtes „Dilemma“.

Informationen zu den Neuregelungen

Weitere Informationen zum Umweltticket gibt es im Internet unter www.der-neue-nahverkehr.de. Allerdings kann das Abo dort erst ab 11. Dezember online unter www.naldo.de/tickets-und-preise/online-abo/ geordert werden.

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