Zu Auftrag und Finanzbedarf der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) gibt es auch im Landtag Streit. Die oppositionelle SPD wirft der Landesregierung vor, nicht genug für Qualität in Forschung und Lehre zu tun; Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) müsse sich als Hochschulratsvorsitzende zurückziehen.

Die Sozialdemokraten stören sich an Antworten auf eine Anfrage zur Perspektive des Akademien-Verbunds. Baden-Württembergs größte Hochschule hatte vor drei Jahren durch massive Finanzprobleme Schlagzeilen gemacht; Reibungen zwischen den ehemals selbstständigen Außenstellen und der Zentrale in Stuttgart gibt es bis heute. „Die umfangreiche Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums zu unserer Großen Anfrage zeigt zum einen, dass die DHBW wirklich wieder auf einem guten Weg ist“, erklärt die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Gabi Rolland. „Sie verhehlt aber auch nicht, dass es immer noch allerhand offene Baustellen gibt und für einen Großteil von ihnen auch noch keine wirklichen Lösungsansätze.“

Deutlich mehr Studenten

Die Angaben der Landesregierung belegen das deutliche Wachstum, das die DHBW in den zehn Jahren ihres Bestehens durchlaufen hat; von den Studierendenzahlen (plus 34 Prozent) über die finanzierten Kurse bis zum Haushaltsvolumen.

Kritik äußern die Sozialdemokraten an der ihrer Meinung nach unzureichenden Reaktion auf das Wachstum. Um dem Lehrkräftemangel zu begegnen, sieht das Ministerium zwar eine „moderate Erhöhung“ der seit mehreren Jahren unveränderten Vergütung von Lehraufträgen vor. Dies allerdings nur, „sofern die hierfür erforderlichen Mittel aus den vorhandenen Ressourcen finanziert werden können“. Die SPD fordert zusätzliches Geld vom Land: „Aus unserer Sicht ist es den Studienakademien nicht zumutbar, die Erhöhung der Vergütung aus ihren eigenen Ressourcen zu realisieren“, erklärt Rolland. Zudem müsse der Anteil der hauptamtlichen Professoren mittelfristig von derzeit 37 Prozent auf mindestens die Hälfte steigen.

Grundsätzlich erkennt das Wissenschaftsministerium einen höheren Finanzierungsbedarf an, nicht zuletzt bei der Modernisierung von Gebäuden und Technik. Ressortchefin Bauer verweist auf die Verhandlungen zum nächsten Hochschulfinanzierungvertrag. Da sie im DHBW-Hochschulrat abwechselnd mit einem Wirtschaftsvertreter den Vorsitz innehat, werfen ihr Kritiker  Interessenkonflikte vor. Rolland erneuert die Forderung ihrer Fraktion, die Ministerin möge ihren DHBW-Sitz räumen. Vor allem aber moniert sie, „dass die Stärkung der Forschungsleistung an der DHBW für Ministerin Theresia Bauer nicht wirklich ein Thema ist“.