Gärtnern im Advent Seit Juli Arbeit mit den Weihnachtssternen

Neckartenzlingen / Barbara Wollny 08.12.2018
In der Gärtnerei Manz werden Weihnachtssterne in allen Größen gezogen. Schon im Sommer beginnt dieses Arbeit.

Weihnachtszeit ist für die Gärtnerei Manz in Neckartenzlingen schon seit Anfang Juli. Dann treffen die ersten Weihnachtsstern-Jungpflanzen ein. „Zwei Drittel unserer Weihnachtssterne verkaufen wir gleich zum ersten Advent. Jeder will es jetzt zu Hause schön und gemütlich haben“, sagt Peter Manz, 59, Chef der gleichnamigen Gärtnerei im Neckartal bei Nürtingen. „Weihnachten zu Hause – da kommt bei uns die ganze Familie zusammen. Ich spiele mit meinen Söhnen Posaune unter dem Weihnachtsbaum auf dem Rathausplatz. Meine Frau dekoriert wunderschön unser Haus, natürlich auch mit Weihnachtssternen“, gerät Manz ins Schwärmen, wenn er ans bevorstehende Fest denkt. Und das, obwohl er im Betrieb schon wochenlang Weihnachtslieder gehört hat und unzählige Male an den Weihnachtsdekorationen vorbeigelaufen ist.

Seit Mitte November ist ein großer Verkaufsraum komplett den Weihnachtsternen gewidmet, auch als Advents- oder Christstern bekannt. Rund 7500 jährlich zieht Manz auf. Im Raum nebenan sind festliche Dekorationen für Tisch und Haus aufgebaut. „Vom Verkauf der Pflanzen allein könnten wir nicht existieren“, erklärt Manz. Kunden ließen sich gern von den Dekorationen inspirieren und packten dann neben den Pflanzen gleich Kerzen, Kugeln oder Schmuckfiguren mit ein.

Manz ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation. Manz’ Vater hatte ein Blumengeschäft im Ortskern. 1965 baute er außerhalb Neckartenzlingens eine kleine Gärtnerei auf. Vor 18 Jahren übernahm Peter Manz den Betrieb und erweiterte ihn zur modernen Firma mit 20 Mitarbeitern und 12 Gewächshäusern. Selbst an einem trüben Wintertag laden die Außenanlagen und Beete mit winterharten Pflanzen zum Besuch des Betriebs ein.

„Wir sind für eine Gärtnerei ein großer, im Vergleich zu den riesigen Gartenbaucentern aber ein kleiner Betrieb. Im Unterschied zu diesen verkaufen wir nicht nur, sondern wir ziehen fast alle Pflanzen selbst in unseren eigenen Gewächshäusern“, sagt Manz. Das gilt auch für die Weihnachtssterne.

Der Ursprung des Weihnachtssterns

In Afrika, auf den Kanaren oder in Nord- und Südamerika wachsen sie als Busch bis zu vier Meter hoch. Anfang des 20. Jahrhunderts kam die deutsche Auswandererfamilie Ecke in Kalifornien auf die Idee, die Pflanze mit den sternförmigen  Blättern zu Weihnachten zu vermarkten. In den 60er Jahren wurde die Pflanze in Deutschland langsam beliebt. Heute kann man sich keinen Garten-, Bau- oder Supermarkt vor Weihnachten ohne Sterne mehr vorstellen. Jährlich werden für 110 Millionen Euro in Deutschland Weihnachtssterne verkauft, so die Gesellschaft für Konsumforschung. Damit sind sie nach Lilien die meistverkauften blühenden Zierpflanzen.

Die meisten Weihnachtsstern-Jungpflanzen kommen nicht aus Holland, sondern aus Stuttgart-Untertürkheim: Die Selecta Klemm GmbH liefert rund 50 Millionen aus, die Hälfte der europaweiten Produktion. Auch Manz bezieht den Großteil seiner Pflanzen aus Stuttgart. Anfang Juli geht es los. Dann ist Topftermin für die Pflänzchen, die einmal große Weihnachtssternbüsche werden sollen. Im Wochenrhythmus bis September werden immer kleinere Pflanzen angeliefert und eingetopft, zuletzt die Minis, die bis November zu sechs Zentimeter kleinen Sternchen heranwachsen.

Groß oder klein, sie halten die Manz-Gärtner auf Trab. Ein ausgeklügeltes System regelt Licht und Temperatur in den Glashäusern, Befeuchtung und Beschattung. Die zarten Jungpflanzen verlangen eine Temperatur von 14 bis 18 Grad. Und nur wenn sie nicht mehr als 12 Stunden Licht bekommen, bilden sich die farbigen Brakteen aus, die rot oder weiß gefärbten Schmuckblätter, die die Pflanze zur Anlockung von Insekten bildet. Die eigentliche Blüte dagegen ist relativ klein, grünlich und unscheinbar.

Erzwespen auf Schädlingsjagd

Gärtner Manz ist biologischer Pflanzenschutz wichtig. Er stellt für jede Kultur einen Einsatzplan für Nützlinge auf. Hauptschädlinge der Weihnachtssterne sind die weiße- und tabakweiße Fliege. Zu ihrer Bekämpfung werden Hänger mit je 100 Erzwespen pro 100 Quadratmeter Pflanzen aufgehängt, ein Konzept, das Chemie fast immer überflüssig macht. Die Pflanzen danken die sorgfältige Pflege mit kräftigem Wachstum.

Damit die Pracht zu Hause bleibt, empfiehlt Manz handwarmes Wasser zum Gießen, einen hellen Standort und Temperaturen zwischen 16 und 23 Grad. Der letzte Verkaufstag für die Sterne ist der Heiligabend. Danach interessiert sich schlagartig niemand mehr für die Weihnachtspflanze. Peter Manz freut sich dann auf die Feiertage. „Früher hatten wir Stress bis kurz vor der Bescherung. Heute haben wir organisatorisch alles besser im Griff. Jetzt können wir das Fest auch privat richtig genießen.“

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