Die Natur regt seit jeher die Fantasie des Menschen an. Kinder können in Wolken so ziemlich alles erkennen, ob einen weißen Hund oder einen dicken Mann. Wer schon mal als Nachtwache in einem Zeltlager über Stunden auf einen Wald starren musste, der weiß, wie sich Büsche und Bäume in vermeintliche Angreifer verwandeln können. Auch in vielen Sagen spielt die Natur regelmäßig eine tragende Rolle. Dabei fällt auf, dass in den Geschichten öfter moralische Fingerzeige gegeben werden und landschaftliche Merkmale einer Region zu Tage treten. So spielt in Sagen aus dem Bodenseeumland das Schwäbische Meer häufiger eine Rolle; auf der Schwäbische Alb kommen in ihnen Höhlen vermehrt vor. Vier Beispiele wollen wir an dieser Stelle kurz erzählen:

Das Steinerne Weib

Mehrere Geschichten ranken sich um einen großen Felsen im Landkreis Göppingen: Das Steinerne Weib wird er genannt. Zu der Zeit als in Wiesensteig Hexen verbrannt wurden, sollen der Hexerei beschuldigte Frauen zu Gott gebetet haben, er möge ein Zeichen ihrer Unschuld senden. Und da geschah es, dass eine spazierende Frau zum Steinernen Weib erstarrte. Diese Frau aber war es gewesen, die die anderen der Hexerei beschuldigt hatte. Der Prozess und die Hexenverfolgung wurden in Wiesensteig sofort eingestellt. Eine andere Sage erzählt, Gott hätte eine Frau in den Felsen verwandelt, weil sie ihre Kinder aus Geiz umgebracht hatte.

Der Federsee

Etliche Sagen spielen auch an Flüssen, wie die „Rheinnixen“ am Kaiserstuhl, oder an Seen. Im Federsee soll mal eine Stadt versunken sein, weil die Bewohner gottlos lebten und dem Laster frönten. „Bei hellem Wetter und niederem Wasserstand“, schreibt Anton Birlinger in seiner Sammlung „Sagen, Märchen, Volksaberglauben“ von 1861, „sieht man die Turmspitze der Kirche aus dem Wasser ragen.“ Ähnliches wird vom Titisee erzählt.

Das Sibyllenloch

Sagenumwoben ist ebenso das Sibyllenloch im Kreis Esslingen. Diese Höhle des Teckbergs soll einst der Eingang zu einer prächtigen unterirdischen Wohnung gewesen sein. Dort lebte eine großherzige wie reiche Frau namens Sibylle, die auch weissagen konnte. Oft fuhr sie mit einem goldenen Wagen, den starke Rösser zogen, in der Umgebung herum und half all jenen, die in Not waren. Die Menschen liebten sie dafür. Sibylles drei Söhne allerdings waren gänzlich anders. Sie gönnten einander nichts. Stritten ständig. Daher bauten sie jeweils für sich in der Gegend eine Burg. Die Bauern aber litten, egal welcher der Brüder ihr Herrscher war. Für das Verhalten ihrer Kinder schämte sich Sibylle so sehr, dass sie die Rösser an den Wagen spannte und auf Nimmerwiedersehen verschwand.  Ihr Gold und ihre Edelsteine ließ sie zurück. Viele Schatzsucher versuchten ihr Glück, doch bis heute soll der Schatz noch im Teckberg schlummern und von einem schwarzen Pudel bewacht werden.

Der Mond

Mond und Sonne sind bekanntlich überall zu sehen, entsprechend viele Geschichten gibt es im Südwesten über sie – etwa diese: Ein Besenbinder und Korbflechter aus Binzwangen (Kreis Biberach) fiel mal bei Gott in Ungnade, weil er am heiligen Sonntag gearbeitet und im kalten Winterwald Besenreis gesammelt hatte. Gott fragte ihn, ob er lieber auf die Sonne oder den Mond wollte. Der Schwabe wählte den kühleren Mond. Dort oben soll er bei Vollmond sogar zu sehen sein, heißt es. Er trage einen Besenreisbüschel auf dem Rücken und seine Hände steckten in großen Handschuhen.

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