Land am Rand S 21: Soll auch der Humor oben bleiben?

Besucher einer Besichtigung der Großbaustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21 gehen durch einen Tunnel der Rettungszufahrt Hauptbahnhof Süd.
Besucher einer Besichtigung der Großbaustelle des Bahnprojekts Stuttgart 21 gehen durch einen Tunnel der Rettungszufahrt Hauptbahnhof Süd. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Fabian Ziehe 09.01.2019

Sex sells! Die Faustformel, dass Anzügliches umsatzfördernd ist, ist so wahr wie falsch: zu prüde und plump wird belächelt, zu prollig und pervers geächtet. Der Mittelweg aber kann durchaus zum Erfolg (ver)führen.

Die Dachdecker-Innung Oberschwaben etwa hatte 2011 per TV-Spot gezeigt, wie viele schlüpfrige Doppeldeutigkeiten möglich sind, wenn man muskulöse Dachpfannen-Schubser zum Flicken einer „feuchten Stelle“ im Schlafzimmer einer adretten Hausfrau schickt. Ob das den Umsatz steigerte? Keine Ahnung. Aufmerksamkeit brachte es jedenfalls. Und Empörung – zumindest vorne herum. Wer wann in den Keller hinabstieg, um doch noch herzhaft zu lachen, ist unbekannt.

Apropos Keller: Auch die Marketing-Truppe von Stuttgart 21 zieht es aktuell ins untere Niveau. Seit den „Tagen der offenen Baustelle“ am Wochenende, so die „Stuttgarter Zeitung“, kursiert Werbematerial mit dem Slogan: „Untenrum ist immer geil“. Eine schlüpfrige Neuinterpretation des Bergmann-Spruchs: „Vor der Hacke ist es dunkel.“

Erwartbar erregt das die S-21-Gegner, die Parallelen ziehen zum Jahr 2010, als Projekt-Fans durch den Schlossgarten mit dem Trikot-Slogen „Mach ihn unten rein“ joggten. Es wird gewarnt vor Sexismus, den Rückfall ins Vokabular „der heißen Phase um Stuttgart 21 vor circa acht Jahren“. Vielleicht wäre der Gegnerschaft ja etwas mehr Schlagfertigkeit anzuraten. Denn (schlüpfrige) Slogans gehen auch gerne mal nach hinten los. So darf man ja durchaus noch gespannt sein, ob es 2025 „untenrum“ in Stuttgart tatsächlich heißen wird: „Die Bahn kommt!“

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