Prozess Psychologin wegen Sex im Knast vor Gericht

Eine Psychologin soll im Gefängnis Adelsheim Schutzbefohlene sexuell missbraucht haben.
Eine Psychologin soll im Gefängnis Adelsheim Schutzbefohlene sexuell missbraucht haben. © Foto: dpa
Adelsheim/Mosbach / Hans Georg Frank 07.03.2018
Eine Psychologin der Justizvollzugsanstalt Adelsheim ist wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Ihr Opfer soll ein 17-jähriger Häftling gewesen sein.

Das Landgericht in Mosbach eröffnet am Donnerstag einen ungewöhnlichen Prozess. Angeklagt ist eine 33 Jahre alte Psychologierätin. Die Anklage wirft ihr sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen vor. Nach Mitteilung des Gerichts soll sie mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem 17-Jährigen gehabt haben, für dessen Sozialtherapie sie zuständig gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es zwischen 1. Mai und 7. Juni 2016 „aufgrund jeweils neu gefassten Willensentschlusses zumindest vier Mal einvernehmlich vaginalen Geschlechtsverkehr“ mit dem Jugendlichen gegeben habe. In dieser Zeit habe sie auch „mindestens zweimal einvernehmlichen Oralverkehr an dem inhaftierten Jugendlichen durchgeführt“.

Das Verhältnis flog nach einem Streit auf. Weil die Psychologin nicht, wie verlangt, acht Mobiltelefone in die Anstalt schmuggeln wollte, habe der Häftling die Beziehung in einer „vollzugsinternen Anhörung“ verraten. Aus Angst vor Konsequenzen habe die JVA-Mitarbeiterin den 17-Jährigen wegen Vergewaltigung angezeigt, damit gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde. Deshalb muss sich die Frau auch wegen falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten.

Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Mosbach hat für den Prozess acht Verhandlungstage terminiert. Mit einem Urteil wäre demnach am 26. April zu rechnen.

In der Vollzugsanstalt in Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) sitzen Straftäter zwischen 14 und 24 Jahren ein. Sie wurde 1974 eröffnet und ist mit mehr als 400 Plätzen die zweitgrößte Einrichtung ihrer Art in Deutschland.

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