Feucht / Katrin Stahl/dpa  Uhr
Polizist gegen Gaffer: Ein Beamter aus Feucht in Bayern stellt schaulustige Autofahrer, die einen Unfall filmen, zur Rede – und lässt sich dabei filmen. Das Video geht viral.

Ein Verkehrspolizist aus Bayern wird zum Star in den sozialen Medien – und erhält Lob aus der Politik.

Was ist passiert? Ein schwerer Unfall auf der Autobahn A6, bei dem am Dienstag ein LKW-Fahrer ums Leben kommt. Vorbeifahrende beobachten die Szene, filmen die Unfallstelle mit ihrem Handy. Auf der Gegenfahrbahn entsteht laut Polizei ein acht Kilometer langer Stau.

In diesem Moment platzt Stefan Pfeiffer der Kragen: Der Leiter der Verkehrspolizei Feucht in Bayern stellt die Gaffer zur Rede, bietet ihnen an, näher zu kommen und den Toten anzuschauen. „Sie wollen einen toten Menschen sehen?“, fragt der Verkehrspolizist die Schaulustigen im barschen Ton, „ich führe Sie zu einem toten Menschen.“ Bei alldem lässt er sich vom Bayerischen Rundfunk filmen. Das Video wird innerhalb kürzester Zeit mehrere tausend Male angesehen und auf Facebook und Twitter geteilt – Stefan Pfeiffer wird zum Star in den sozialen Netzwerken.

So reagierten die angesprochenen Gaffer

„Es ist erschreckend, wie wenig Empfinden die Leute haben“, sagte Pfeiffer dem Bayerischen Rundfunk. Einige Fahrer, so der Polizist, hätten beim Filmen der Unfallszene keine Hand mehr am Steuer gehabt. Die angesprochenen Sensationslustigen reagieren im Video teils abweisend, teils eingeschüchtert. „Sorry, sorry“, sagt ein Mann. „Schämen Sie sich“, erwidert der Polizist.

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Die Gaffer erwarten nun 128,50 Euro Bußgeld und ein Punkt im Verkehrszentralregister. Doch die größere Strafe ist sehr wahrscheinlich der Schock, den die Fahrer davon tragen werden. Davon ist auch Pfeiffer überzeugt. Warum er sich die dreisten Gaffer vorgeknöpft hat? „Erst das schockiert sie und macht ihnen klar, dass das kein Spiel ist, sondern bittere Realität. Sie müssen merken, was sie tun.“

Innenminister Herrmann lobt auf Facebook Polizisten für seinen Einsatz

Der Jubel im Netz ist groß. Nutzer fordern, dass der Beamte aus Feucht den Bayerischen Verdienstorden oder sogar das Bundesverdienstkreuz erhält. Anerkennung gibt es auch von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Dieser lobte den Verkehrspolizisten Pfeiffer für sein couragiertes Eingreifen. „Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich. Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat“, schrieb Herrmann am Mittwoch auf seinem Facebook-Account.

Sichtschutzwände sollen stärker zum Einsatz kommen

Wie es jetzt weitergeht? Die Staatsregierung hat angekündigt, in Zukunft verstärkt auf Sichtschutzwände bei schweren Verkehrsunfällen zu setzen. Hierzu soll ein Pilotversuch verlängert werden. „Die Sichtschutzwände haben Gaffern die Sicht auf den Unfallort verwehrt, wodurch der Verkehr die Unfallstelle flüssiger und sicherer passieren konnte. In einem zweiten Schritt werden wir das Projekt auf weitere Autobahnmeistereien ausdehnen und weitere Sichtschutzsysteme testen“, kündigte Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) an.

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