Gericht Urteil im Hexenkessel-Prozess verschoben

Der Angeklagte soll bei einem Fastnachtsumzug eine damals 18-jährige über einen Kessel mit kochend heißem Wasser gehalten haben. Dabei soll ihm die junge Frau entglitten und mit den Beinen in das Wasser geraten sein. Die Anklage lautet fahrlässige Körperverletzung.
Der Angeklagte soll bei einem Fastnachtsumzug eine damals 18-jährige über einen Kessel mit kochend heißem Wasser gehalten haben. Dabei soll ihm die junge Frau entglitten und mit den Beinen in das Wasser geraten sein. Die Anklage lautet fahrlässige Körperverletzung. © Foto: Christoph Schmidt/dpa
Heilbronn / Hans Georg Frank 05.12.2018
Noch kein Urteil im Hexenkessel-Prozess. Das Amtsgericht Heilbronn setzt den dritten Verhandlungstag kurz vor Weihnachten an.

Im Prozess um den Hexenkessel beim Nachtumzug in Eppingen hat das Amtsgericht Heilbronn am Mittwoch noch kein Urteil fällen können. Obwohl Richter Oliver Raschke das ungewöhnlich umfangreiche Zeugenprogramm erheblich verschlanken konnte, zieht sich die Anhörung von rund 30 Personen so in die Länge, dass ein dritter Verhandlungstag notwendig ist. Dieser wurde auf den 21. Dezember terminiert. Ob dann auch eine Entscheidung getroffen werden kann, vermochte Raschke nicht zu sagen.

Angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung

Vor dem Amtsgericht geht es um die Verbrühungen einer 18-jährigen Zuschauerin, die mit beiden Beinen in das kochende Wasser eines Kessels der freien Gruppe „Bohbrigga Hexebroda“ geraten ist. Eine dieser Freizeithexen, ein 33-jähriger Versicherungskaufmann, ist wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Er soll das Opfer gepackt und über den Bottich gehalten haben, dabei sei ihm die 70 Kilo wiegende Frau „entglitten“. Er bestreitet den Vorwurf und geht eher davon aus, dass Freunde des Opfers die junge Frau in den Kessel gehoben haben.

Eine zweifelsfreie Identifizierung des Täters hat es nicht gegeben. Zu einem Geständnis konnte sich auch keiner der andern fünf männlichen „Hexen“ aus Bahnbrücken durchringen. Alle Beteiligten waren maskiert, ein Großteil will „nichts mitgekommen“ haben, hieß es auffallend wortgleich im Gerichtssaal.

Manfred Zipper, der Anwalt des Angeklagten, macht die Veranstalter des Nachtumzugs für die Verletzungen der Minijobberin verantwortlich. Die Stadtverwaltung Eppingen und die örtliche Hexenzunft hätten überhaupt nicht zulassen dürfen, dass eine Gruppe mit offenem Feuer und heißem Wasser in dem Gedränge unterwegs sei, sagte er auf Anfrage.

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