Auf eine Universität hat die Stadt Heilbronn 52 Jahre warten müssen. Jetzt gelang der Aufstieg in die erste Bildungsliga dank einer freundlichen Invasion aus Bayern. Die Technische Universität München (TUM) hat eine Außenstelle eröffnet, die einmalig ist. Die Bereicherung wird sowohl personell als auch infrastrukturell mit mehreren 100 Millionen Euro finanziert – und zwar von der Stiftung des Ehrenbürgers Dieter­ Schwarz (Kaufland, Lidl). Es handele sich dabei „um den größten Kraftakt einer Privatstiftung in der Geschichte der deutschen Universitäten“, erklärte TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann am Donnerstag.

Beim Festakt vergaß kaum einer der Redner den Hinweis, dass wegen dieses Finanzierungsmodells die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung nicht angetastet werde. „Wir dürfen frei arbeiten, man vertraut uns“, sagte Herrmann, „ohne jede Auflage.“ Bei dieser Kooperation würden erstmals in Deutschland Ländergrenzen überschritten, freute sich der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) in einer Videobotschaft. Seine Kollegin in Stuttgart, Theresia Bauer (Grüne) war einer Einladung nach Heilbronn nicht gefolgt. Angeblich wegen anderer Termine, sagte eine Sprecherin der Stiftung. Nicht einmal ein Grußwort schickte sie nach Heilbronn.

Dabei sei die TUM am Neckar „ein Gewinn für ganz Baden-Württemberg“, sagte Peter Frankenberg der SÜDWEST PRESSE. Der Ex-Wissenschaftsminister steht jetzt der Stiftung vor. Er hatte Kontakt mit Bauer aufgenommen. „Es wurden uns keine Steine in den Weg gelegt.“ Zuvor liebäugelte die Stiftung mit der Mannheim Business School, entschied sich dann aber für die als elitär geltende TUM. „Wir wollten nicht erst ein Renommee schaffen, sondern jemand haben, der Renommee mitbringt.“

Mit Stiftungsgeldern werden mindestens 30 Jahre 20 Professuren bezahlt. 13 davon arbeiten in Heilbronn, sieben in Freising. Der Deal sei „innerhalb weniger Tage über die Bühne gegangen“, berichtete Dekan Gunther Friedl. Der erste Besuch in Heilbronn sei „eine Offenbarung“ gewesen, erinnerte Herrmann: „Eine der stärksten High-Tech-Regionen in ganz Europa.“

Bis zu 1000 Studierende konzentrieren sich auf Betriebswirtschaft, die Technologie und Management verbindet. Schwerpunkte sind Familienunternehmen, digitale Transformation und Wirtschaftsrecht. Neben Bachelor und Master ist auch die Promotion möglich – ein Novum in Heilbronn.

Über Geld wird bei der Stiftung nicht gesprochen. „Er sei zufrieden, sehr sogar“, sagte Dieter Schwarz auf Anfrage. Weitere Projekte auf dem 2011 begonnenen Campus sind in Arbeit.

König Ludwig II.                      legte den Grundstein


Die Technische Universität München entstand 1868 auf Initiative von König Ludwig II. Sie ist mit 550 Professoren, mehr als 42 000 Studierenden und 10 000 Angestellten eine der forschungsstärksten Einrichtungen dieser Art in Europa. Schwerpunkte sind Ingenieur-, Natur- und Lebenswissenschaften sowie Medizin. Den „Campus TUM Asia“ gibt es seit 2002. „Wer Singapur kann, der kann auch Heilbronn“, scherzte Präsident Herrmann. hgf