Rottenacker / Maria Bloching  Uhr

Rottenacker ist jetzt am Zug“, verkündete Bürgermeister Karl Hauler am Pfingstsonntag stolz. Rund 160 Reisende feierten mit Blasmusik der Musikkapelle auf dem Rottenacker Bahnhof die Einfahrt des nagelneuen Zuges mit Namen „Rottenacker“.

Von Rottenacker ging die Reise bis nach Schelklingen und von dort aus weiter mit der Schwäbischen Alb-Bahn nach Münsingen und Marbach. Ein großer Tag für Rottenacker – die Gemeinde nimmt erst seit fünf Jahren wieder aktiv am Bahnverkehr teil, nachdem sie 26 Jahre vom Zug abgehängt war, wie Hauler berichtete. Jetzt gibt es sogar einen Fahrplan, der laut Hauler „sehr gut, vollwertig und rund getaktet ist – auch am Wochenende“.

Im Regio S-Standard angekommen sei die Gemeinde – das Angebot müsse nun aber auch angenommen werden, sagte Hauler. Insgesamt halten künftig wöchentlich 231 Züge in Rottenacker (siehe Info). Doch nicht nur der neue Fahrplan wurde am Sonntag mit vielen Gästen gefeiert, auch des 150-jährigen Bestehens der Donaubahn und der Reaktivierung des Bahnhalts in Rottenacker vor fünf Jahren wurde gedacht. Diesem Ereignis ging ein langer Kampf voraus. Mit Wehmut musste bis dahin den durchfahrenden Zügen hinterher gesehen und beobachtet werden, wie der Bahnhof und der Bahnsteig immer mehr verfallen. „Beim Umbau auf Neigetechnik mussten wir gar mitfinanzieren, ohne jeglichen Nutzen“, sagte Hauler.

Zum ersten Mal waren 1998 eine Sanierung des Bahnhofes und eine Reaktivierung des Halts im Gespräch, doch das Vorhaben der Deutschen Bahn wurde wieder verworfen. Es sollte noch bis 2013 dauern, bis Rottenacker zum Zug kam. Für 380 000 Euro sanierte die Deutsche Bahn den Umbau des 120 Meter langen Bahnsteigs. Doch zu den Hauptzeiten fehlte es an Zügen. Jetzt übernimmt die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG den Nahverkehrsbetrieb mit neuen LINT-5- Zügen. Darunter ist auch der gelb-weiß glänzende „Rottenacker“ – erst der zweite Zug nach dem Zug „Heidenheim“, der einen Gemeindenamen trägt.

In die richtige Richtung

Das hätte sich Karl Hauler selbst nicht träumen lassen. Doch laut CDU-Landtagsabgeordnetem Manuel Hagel ist es gerade dessen Hartnäckigkeit  und Durchhaltevermögen zu verdanken, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Der Personennahverkehr sei enorm wichtig für den ländlichen Raum. „Hier können wir nicht nur ein einziges Verkehrsmittel absolut setzen, wir brauchen alles.“ So sah es auch Markus Möller, Erster Landesbeamter des Alb-Donau-Kreises. Man wolle den Personennahverkehr zu einem richtigen S-Bahn-System ausbauen, das verbesserte Haltangebot in Rottenacker sei der erste Schritt in diese Richtung. „Mehr haltende Züge bedeuten eine bessere Mobilität. Wir brauchen einen klugen Mix zwischen ÖPNV und Individualverkehr. Und wir brauchen erlebbare Fortschritte und Antreiber, so wie Ihren klugen, tatkräftigen Bürgermeister“, sagte Möller. Gerhard Schnaitmann war Landesbeauftragter für den Nahverkehr in Baden-Württemberg und warb für die Zugfahrt. Er schlug eine Automatenschulung vor, um Feinheiten der Tarife den Nutzern nahe zu bringen.

Bürgermeister Hauler selbst klebte das Namensschild an den Zug – und zwar „sehr gut und ganz ohne Blasen“, wie Tobias Harms, Vorstand der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG betonte. Der Zug bietet mit WLAN, 150 Sitzplätzen mit Steckdosen, Fahrgastinfo und einem freundlichen Design in den Landesfarben einen hohen Standard für den Nahverkehr. Und damit der Bahnhof bald noch besser zu erreichen ist, wird es laut Bürgermeister Hauler bald noch einen Fußgängerüberweg geben.

Stündlich fahren Züge in Rottenacker ab

In Richtung Ulm fährt ab 8.34 Uhr jeweils zur Minute 34 stündlich ein Zug von Rottenacker ab, und zwar bis 19.34 Uhr. Außerdem bleiben die drei morgendlichen RE-Züge um 6.01 Uhr/7.08 Uhr/8.07 Uhr, sowie eine Regionalbahn um 6.23 Uhr und abends ein RE um 21.09 Uhr bestehen.

In Richtung Munderkingen kann stündlich ab 8.20 Uhr jeweils
zur Minute 20 eine Regionalbahn genommen werden, und zwar bis 21.23 Uhr. Außerdem fahren noch Züge um 22.52 Uhr und um 23.57 Uhr. blo