Tübingen Nächtliche Ruhestörung: Tübingen will hart durchgreifen

Jungendliche sitzen auf dem Augustinerplatz in der Freiburger Innenstadt. Lärm und Schmutz sorgen in vielen Städten immer mehr für Ärger.
Jungendliche sitzen auf dem Augustinerplatz in der Freiburger Innenstadt. Lärm und Schmutz sorgen in vielen Städten immer mehr für Ärger. © Foto: Patrick Seeger
Tübingen / lsw 01.09.2018
Tübingen will nächtlichen Radau künftig schon beim ersten Verstoß bestrafen. Auch Heidelberg zeigt „keine Toleranz gegen Lärm“. Ganz anders schätzt man das Problem etwa in Freiburg ein.

Laute Musik, betrunkenes Gegröle: Vor allem laue Sommernächte führen immer wieder zu nächtlichen Ruhestörungen. Dagegen will Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) künftig härter vorgehen. „Bislang haben wir zunächst ermahnt“, kündigte Palmer an. Das will der Grünen-Politiker nun ändern. Schon wer zum ersten Mal beim Grölen oder mit einem laut aufgedrehten Lautsprecher erwischt wird, muss nach Angaben der Stadt zahlen.

Zwar habe sich die Situation etwas verbessert, seitdem die Stadt 2008 kommunale Nachtstreifen einführte. In letzter Zeit habe sich das Problem aber wegen veränderter Freizeitgewohnheiten der Bewohner und einer Zunahme von Vergnügungsstätten verschärft. „Wir appellieren an die Einsicht der Feiernden, scheuen uns aber nicht, die kommunale Polizeiverordnung noch konsequenter als bisher umzusetzen“, kündigte Palmer an. Dazu verdoppelt die Stadt nun die Zahl der Mitarbeiter der Nachtstreife auf acht.

Problem nicht überall gleich

Doch nicht alle Städte beobachten eine Zunahme der nächtlichen Ruhestörungen, wie eine Umfrage unter den zehn größten Städten Baden-Württembergs ergab. Demnach konstatieren neben Tübingen nur Karlsruhe und Stuttgart einen Anstieg des nächtlichen Lärmens. In der Landeshauptstadt führen die Behörden den Anstieg auf eine höhere Dichte an Veranstaltungen und Außengastronomie zurück, beobachten jedoch auch ein höheres Ruhebedürfnis der Anwohner.

Karlsruhe führt die Zunahme des Nachtlärms auch auf das gute Wetter in diesem Sommer zurück, wie das Ordnungsamt mitteilte. Insgesamt nehmen die Menschen demnach aber auch weniger Rücksicht auf das Ruhebedürfnis anderer - während dieses Bedürfnis bei anderen gleichzeitig steige.

Auch für Heidelberg ist nächtlicher Lärm ein großes Problem. Verantwortlich seien die gestiegenen Tourismuszahlen und die Kneipenkultur. „Die Stadt Heidelberg begrüßt das Vorgehen von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer“, teilte die Stadt mit. Wie Tübingen habe Heidelberg zusätzliche Mitarbeiter im kommunalen Ordnungsdienst eingestellt und zeige „keine Toleranz gegen Lärm“.

Kein Handlungsbedarf in Ulm

Ulm, Ludwigsburg, Heilbronn und Pforzheim bestätigen zwar, immer wieder mit nächtlichem Lärm zutun zu haben. Die Stadtverwaltungen sehen aber keinen Anlass, ihr Vorgehen dagegen zu verschärfen. Ähnlich sieht es in Mannheim aus, wo unter anderem für dieses Problem jüngst ein Nachtbürgermeister sein Amt antrat. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh. In Freiburg gibt sich die Stadtverwaltung entspannt im Umgang mit nächtlichen Feiernden und Schreihälsen. „Die meisten Freiburgerinnen und Freiburger sind tolerant, auch bei nächtlichem Lärm“, heißt es aus dem Rathaus.

Die einzige befragte Stadt, die in den vergangenen Jahren einen Rückgang nächtlicher Lärmbelästigung festgestellt hat, ist Reutlingen. Die Beschwerden seien seit einem Höchststand im Jahr 2013 deutlich zurückgegangen, teilte das Rathaus mit. Zu dem Erfolg hätten unter anderem nächtliche Patrouillen des Ordnungsdienstes beigetragen, außerdem hätte die Stadt in den Gaststättenerlaubnissen präzisere Regelungen zur Lärmemission festgeschrieben.

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