Opfer aus Ulm und Tübingen Nach Lawinenunglück: Angehörige nehmen Abschied am Lake Tekapo

Die auf Facebook verschickte Einladung zur „Feier des Lebens“ für die verunglückten Bergsteiger.
Die auf Facebook verschickte Einladung zur „Feier des Lebens“ für die verunglückten Bergsteiger. © Foto: Screenshot
Ulm / Christchurch / Sissi Stein-Abel 12.11.2018
Nach dem tödlichen Bergunglück zweier Männer aus Ulm und Tübingen in Neuseeland, wurde jetzt mit einer „Feier des Lebens“ den beiden Alpinisten gedacht.

Die Trauerfeier fand bereits am vergangenen Dienstag in Christchurch statt. Jetzt wurde das Leben der beiden bei einem Lawinenunglück in Neuseeland tödlich verunglückten deutschen Bergsteiger Wolfgang M. (58) und Martin H. (50) aus Ulm und Tübingen gefeiert.

Es ist ein Brauch, der am anderen Ende der Welt völlig normal ist: Reden, Erinnerungen zum Besten geben, Video- und Fotoschau, das herausheben, was das Leben mit dem/den Verstorbenen so lebenswert gemacht hat. Lachen erlaubt. Nach dem offiziellen Teil in der Gemeindehalle von Lake Tekapo, einem Touristenort im Hochland von Canterbury am gleichnamigen See, gab’s schwäbische Brezeln, deutsche Wurst und Würstchen. Ein Stück Heimat zu Ehren der beiden Bergführer, die am 31. Oktober am Mt. Hicks starben, während die Frau, die sie auf den 3.216 Meter hohen Gipfel im Mount-Cook-Nationalpark geführt hatten, wie durch ein Wunder überlebte.

Auch Jo Morgan, diese Frau, trat ans Rednerpult und erzählte, dass Wolfgang M. „unglaublich fit“ war und Martin H. „so ein fürsorglicher Mann“, und: „Sie wurden viel zu früh genommen und hatten noch so viel zu geben.“

Wolfgang M., der 2007 nach Neuseeland gezogen war, hatte Morgan auf 22 der 24 Dreitausender in den Südalpen Neuseelands geführt. Außerdem hatte der 58-Jährige 78 der 82 europäischen 4000er bestiegen. Die australische Lebensgefährtin des gelernten Versicherungskaufmanns, sagte: „Er verkörperte den klassischen Bergführer. Er war nicht einfach nur ein Bergführer, er war DER Bergführer. Er hatte nie Angst, etwas Neues auszuprobieren.“

Der Ulmer, Vater zweier erwachsener Söhne, war zwischen Neuseeland und Europa gependelt, um die jeweiligen Sommer zum Geldverdienen zu nutzen. Seit Frühjahr dieses Jahres lebten er und seine Lebensgefährtin während der verbleibenden Monate in Perth in Westaustralien. Kennengelernt hatten sie sich in Lake Tekapo, wo sie zusammen eine Bed & Breakfast-Unterkunft betrieben. „Ich habe ihn und Martin in Lake Tekapo getroffen und jetzt nehme ich in Lake Tekapo Abschied von ihnen“, sagte sie am Ende des gemeinsamen Weges der beiden Männer, die nicht nur Kollegen, sondern auch beste Freunde waren.

„Er wollte nicht in den Bergen sterben“

Martin Hs. Familie – die Eltern, ein in Sydney lebender Bruder und zwei Schwestern aus Deutschland und Hawaii – waren bei der Feier versammelt. Weniger als zwei Wochen vor dem Lawinenunglück hatte der Tübinger zusammen mit den Eltern in seiner Wahlheimat, in Moa Creek in der Region Central Otago, südlich vom Mt.-Cook-Nationalpark gelegen, seinen 50. Geburtstag gefeiert. Der gelernte Bäcker und Konditor hatte fast 20 Jahre in seinem Traumland gelebt.

Während der Tod in den Bergen in der Bergsteiger-Gemeinschaft als Berufsrisiko akzeptiert wird, erzählte seine Lebensgefährtin, Wolfgang M. hatte immer wieder gesagt, er wolle „nicht in den Bergen sterben, sondern alt werden“. Martin Hs. Bruder Jochen meinte jedoch, für die vielen Freunde des Schwaben-Duos sei es „tröstlich, dass sie zusammen gehen konnten“.

Letzte Verbeugung

Zum Abschluss der „Celebration of Life“, der Feier des Lebens der Toten, bildeten Bergsteiger-Freunde in legerer Kleidung ein Spalier mit in die Höhe gereckten Eisäxten. Wolfgang Ms. Lebensgefährtin und sein Bruder schritten unter diesem Bogen hindurch, als sie das Gemeindezentrum verließen - die letzte Verbeugung vor einem außergewöhnlichen Duo, das auf der ganzen Welt zu Hause war, sich aber nirgendwo so sehr zu Hause fühlte wie am Ufer des Lake Tekapo, diesem surreal türkisblauen Hochlandsee, die schneebedeckten zackigen Südalpen-Riesen, die ihr Schicksal wurden, am Horizont.

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