Schalkstetten Mit 200 Sachen in den Wald: drei Jahre Haft

Die Strecke zwischen Amstetten und Schalkstetten ist als gefährlich bekannt, es gilt ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Der Wagen des 28-Jährigen wurde zerstört.
Die Strecke zwischen Amstetten und Schalkstetten ist als gefährlich bekannt, es gilt ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Der Wagen des 28-Jährigen wurde zerstört. © Foto: Rainer Lauschke
Schalkstetten / rei 28.06.2018
Das Amtsgericht Ulm hat den 28-jährigen Fahrer verurteilt, in dessen Auto im Herbst zwei Menschen starben und einer schwer verletzt wurde.

Wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs hat das Amtsgericht Ulm gestern einen 28-Jährigen zu drei Jahren Haft verurteilt. Außerdem wird dem Mann für vier Jahre und vier Monate der Führerschein entzogen.

An jenem 8. Oktober 2017 war der Angeklagte nicht alleine unterwegs: In Schwäbisch Gmünd hatte er sich mit mehreren AMG-Fans getroffen. Mit insgesamt drei Wagen, je hochmotorisiert, sollte es nach Neu-Ulm gehen. Der 28-Jährige hatte die Fahrt geplant und kannte die Strecke.

Mit seinem 510 PS starken Wagen fuhr der Ulmer voran, zwischen Schalkstetten und Amstetten raste er dann mit hoher Geschwindigkeit in ein Waldstück.

Videos zeigen Unfall - Tortur für Angehörige

Zu sehen ist das auch auf zwei Videos, die aus seinem Wagen sowie aus dem nachfolgenden Auto aufgenommen wurden. Kurz bevor der Angeklagte in den Wald fährt, hört man ihn darauf sagen: „Da vorne kommt das geile Stück, da kann man nämlich abheben. Also nicht vom Boden, aber gefühlt.“ Die Angehörigen, die zum Teil als Nebenkläger in den Gerichtssaal gekommen waren, konnten dies nur schwer ertragen. Immer wieder brachen sie in Tränen aus.

Die Straße zwischen Schalkstetten und Amstetten gilt wegen ihrer unübersichtlichen Kuppen als gefährlich, das Tempo ist auf 80 Stundenkilometer beschränkt. „Er ist zu schnell gefahren“, sagten mehrere der Zeugen aus, die in den beiden hinteren Autos saßen. Der Kfz-Sachverständige Klaus-Dieter Ziegengeist kam nach seinen Untersuchungen zu dem Schluss: Auf der Kuppe hatte das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern. „Der Unfall wäre sicher nicht passiert, wenn das Fahrzeug 80 oder selbst noch 120 Stundenkilometer schnell gewesen wäre“, sagte er.

Auf der Kuppe verlor der Wagen die Bodenhaftung. Er kam von der Straße ab, prallte gegen einen liegenden Baumstamm, danach gegen einen Baumstumpf, wurde in die Luft und in rund vier Metern Höhe gegen eine Birke geschleudert.

Bei dem Unfall starben die 24-jährige Beifahrerin und ein 15-jähriger Mitfahrer, ein weiterer 16-Jähriger erlitt schwere Kopfverletzungen. Nach Aussage seines Nebenklage-Anwalts Roland Spiegel befindet er sich noch in Reha. Der angeklagte Fahrer verletzte sich nur leicht.

„Es kam ihm auf den Nervenkitzel an.“

„Mir kam die Geschwindigkeit nicht so schnell vor“, sagte der Angeklagte in der Verhandlung. Er habe nie die Absicht gehabt, irgendjemanden zu verletzen.

Das sah Staatsanwältin Christine Zuleger anders. „Es kam ihm auf die Gefahr an, auf den Nervenkitzel“, sagte sie in ihrem Plädoyer. Er habe die Gefahr bewusst in Kauf genommen. Dass er die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als das Doppelte überschritten habe, sei nicht nachvollziehbar. Positiv rechnete sie dem Angeklagten an, dass er ein Geständnis abgelegt habe. Außerdem müsse er nun mit den Folgen des Unfalls leben.

Das Gericht folgte in seinem Urteil dem Antrag von Staatsanwältin Zuleger, die drei Jahre Haft sowie Führerscheinentzug für fünf Jahre gefordert hatte. Von diesen sind bereits acht Monate verstrichen, denn der Angeklagte musste den Führerschein schon im Oktober abgeben.

Verteidiger fordert Bewährung

In Bezug auf die Geschwindigkeit ging Richter Michael Klausner in seiner Urteilsbegründung von Vorsatz aus, in Bezug auf die Tötung und Körperverletzung aber von Fahrlässigkeit, wenn auch in einem hohen Grad. „Sie kannten das Auto, die Strecke und wussten, dass dort nur Tempo 80 erlaubt ist“, sagte der Richter zu dem Angeklagten und sprach von einem „unglaublichen Maß an Gleichgültigkeit“.

Der Verteidiger des Angeklagten, Martin Centmayer, hatte eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung gefordert. Er zeigte sich nach dem Urteil überrascht angesichts der hohen Freiheitsstrafe und kündigte an, Revision einzulegen. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

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