Hintergrund Missbrauchsprozess Freiburg: Die Urteile im Überblick

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Freiburg / dpa 07.08.2018

Es ist ein anonymer Tipp, der die Ermittler im September 2017 auf die Spur des beispiellosen Missbrauchsfalls von Staufen bringt. Wenige Tage später klicken die Handschellen, insgesamt acht Verdächtige werden festgenommen. Im Januar 2018 wird der Fall öffentlich bekannt, im März erhebt die Staatsanwaltschaft die erste Anklage gegen die Mutter des Opfers, Berrin T., und ihren Lebensgefährten Christian L.

Nach dem Urteil gegen die beiden Haupttäter sind nun, im August, bereits alle acht Angeklagten abgeurteilt – die Justiz hat damit ein ungewöhnliches Tempo an den Tag gelegt.

19. April

In Freiburg endet der erste Prozess gegen einen 41-jährigen deutschen Gelegenheitsarbeiter. Er gesteht, das Kind zweimal vergewaltigt und dabei auch gefilmt zu haben. Der einschlägig vorbestrafte Mann wird verurteilt:

Zehn Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung, 12 500 Euro Schmerzensgeld.

16. Mai

Wieder ergeht in Freiburg ein Urteil, diesmal gegen einen Bundeswehrsoldaten. Er soll den Jungen aus Staufen zweimal vergewaltigt und die Taten gefilmt haben. Er wird wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung verurteilt. Da er kein Wiederholungstäter ist, bekommt er keine Sicherungsverwahrung.

Acht Jahre Haft und 12 500 Euro Schmerzensgeld.

5. Juni

Vor dem Landgericht Kiel steht ein 32-jähriger Mann aus Neumünster. Angeklagt ist der Arbeitslose wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Tochter. Die Polizei hatte Filmaufnahmen bei den Staufen-Ermittlungen sichergestellt. Am Missbrauch des Jungen aus Staufen war er nicht beteiligt. Er erhält:

Sieben Jahre und drei Monate Haft.

29. Juni

Ein 44-jähriger Elektriker aus Schleswig-Holstein wird vor dem Landgericht Karlsruhe verurteilt. Der einschlägig Vorbestrafte wollte den Jungen aus Staufen missbrauchen, tappte aber in eine Falle der Ermittler.

Acht Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung.

2. Juli

Zurück nach Freiburg: Vor Gericht steht ein 37-jähriger Maurer aus der Schweiz, er soll den Jungen dreimal vergewaltigt haben. Er bekommt:

Neun Jahre Gefängnis plus Sicherungsverwahrung, 14.000 Euro Schmerzensgeld.

6. August

Ein 33-jähriger Spanier wird vom Landgericht Freiburg verurteilt. Der aus der Nähe von Barcelona stammende Mann hatte zugegeben, den Jungen mehrfach vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Er ist nicht vorbestraft.

Zehn Jahre Haft, 18 000 Euro Schmerzensgeld.

7. August

Die Mutter wird vom Landgericht Freiburg zu zwölf Jahren Haft und sechs Monate Haft verurteilt, ihr Lebensgefährte wurde zu zwölf Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrt verurteilt.

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