Mädchen aus Freiburg Seit 2013 vermisst: Maria H. ist wieder daheim

Freiburg / Petra Walheim 01.09.2018
Im Mai 2013 hatten die Eltern die 13-jährige Maria H. aus Freiburg als vermisst gemeldet. Jetzt ist sie zurück. Viele Fragen sind noch offen.

Es gibt heute keine glücklichere Familie als unsere!!!!“ Mit diesem Satz drücken die Eltern von Maria H. auf Facebook ihre Freude darüber aus, dass ihre Tochter nach 1944 Tagen wieder daheim ist. Die damals 13-Jährige ist Anfang Mai 2013 verschwunden. Es bestand der Verdacht, dass sie mit einem 40 Jahre älteren Mann, den sie im Internet kennengelernt hatte, durchgebrannt ist. Warum sie das getan hat und was in diesen fünf Jahren geschehen ist, liegt noch im Dunkeln. Der Mann wird nach wie vor mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Maria, jetzt 18 Jahre alt, habe über das soziale Netzwerk Kontakt zu ihrer Familie gesucht, heißt es auf der Facebook-Seite der Eltern, über die sie die ganzen Jahre über nach ihrer Tochter gesucht, ihre Gedanken und Hoffnungen zum Ausdruck gebracht haben. Freunde hätten die Tochter in der Nacht zum Freitag aus Mailand nach Freiburg geholt.  Die Mutter bittet um Verständnis, „dass wir und vor allem Maria etwas Zeit brauchen, bevor wir uns weiter dazu äußern“.

Körperlich wohlauf

Die Polizei hat bestätigt, dass Maria H. wieder daheim ist. Die Beamten seien „überraschend“ von der Familie „über die Rückkehr der Vermissten informiert“ worden. Sie sei körperlich  wohlauf, sagte Polizeisprecher Jerry Clark. Über ihr psychisches Befinden könne er keine Aussage machen. Die Polizei werde versuchen, sie nächste Woche zu vernehmen, um Details über ihr Verschwinden und vor allem zu dem gesuchten Mann zu erhalten.

Maria hatte Bernhard Haase aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen als 12-Jährige 2012 in einem Internet-Chatroom kennengelernt. Er hatte sich ihr gegenüber zunächst als Teenager ausgegeben, später aber zugegeben, dass er 53 Jahre alt sei. Offenbar haben sich die beiden mehrfach heimlich in Freiburger Hotels getroffen, schreibt die „Badische Zeitung“, die von der Rückkehr als erstes berichtete.

Als die Eltern Maria in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 2013 bei der Polizei als vermisst melden, geht die Polizei nach ihren ersten Ermittlungen von einer Liebesbeziehung aus und davon, dass Maria freiwillig mit dem Mann untergetaucht ist. Die Beamten blieben dem Paar trotzdem auf der Spur, weil Maria noch minderjährig war und der Verdacht bestand, dass der Mann sie missbrauchen wolle.

Europaweit wurde nach ihnen gefahndet. Immer wieder wurden Hinweise gefunden auf  Bernhard Haases silberfarbenen Skoda Octavia und seinen weißen Schäferhund, der sie begleitete. Einen Monat nach Marias Verschwinden wurde der Fall in die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ behandelt. In dieser wandte sich Marias Mutter in einer Videobotschaft an Bernhard Haase, bat ihn, Maria gehen zu lassen. Ohne Erfolg.

Zwei Monate nach Marias Verschwinden fand die Polizei in Polen den Wagen von Bernhard Haase mit in Sachsen gestohlenen Kennzeichen sowie seinen Hund, den er angebunden zurückgelassen hatte. Anwohner berichteten, sie hätten gesehen, wie die beiden im Auto übernachteten und in Geschäften Lebensmittel einkauften. Doch die Polizei konnte das Paar nicht finden.

Ermittlungen laufen weiter

Die Ermittlungen seien nie eingestellt worden, sagt Polizeisprecher Jerry Clark. Auch nach Marias 18. Geburtstag sei international nach ihr und  Bernhard Haase gesucht worden. Nachdem Maria wieder daheim ist, konzentriert sich die Polizei auf Bernhard Haase. Ihm wird Kindesentziehung in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Außerdem besteht der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Auf ihrer Facebook-Seite bedankt sich Marias Mutter unter der Überschrift „Es ist zu ende“ bei den in- und ausländischen Polizeibehörden sowie bei allen Unterstützern. „Es ist einfach unglaublich, wie viel Hilfe, Mitgefühl, Mutmachen, menschliche Wärme und Freundschaft wir erfahren durften“, steht da zu lesen. Knapp 1,5 Millionen Menschen haben die Seite besucht.

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Nach den Zahlen der „Initiative Vermisste Kinder“ werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 100 000 Kinder als vermisst gemeldet. Die Hälfte von ihnen taucht nach den Erfahrungen des Bundeskriminalamtes innerhalb einer Woche wieder auf. 80 Prozent sind nach einem Monat wieder da. Kinder, die auch nach einem Jahr noch verschwunden sind, machen drei Prozent der Fälle aus. dpa

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