Videoüberwachung Mannheim: Mit 76 Kameras gegen Kriminalität

Polizeipräsidium Mannheim: Ein Mann sieht Bilder der intelligenten Videoüberwachung.
Polizeipräsidium Mannheim: Ein Mann sieht Bilder der intelligenten Videoüberwachung. © Foto: Uwe Anspach/dpa
Mannheim / Wolfgang Risch 04.12.2018

Baden-Württemberg sei „einmal mehr Vorreiter in Sachen Sicherheitspolitik im digitalen Zeitalter“, sagte Thomas Strobl (CDU) am Montag in Mannheim. Am Vormittag drückte der Innenminister im Polizeipräsidium symbolisch den roten Startknopf für die auf Algorithmen gestützte Videoüberwachung in der Innenstadt mit ihren Kriminalitätsschwerpunkten. Das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Bildauswertung hat die Software entwickelt. Die von im Endausbau 76 Videokameras aufgenommenen Bilder laufen bei der Polizei ein. Die Stadt trägt die Kosten für die Kameras, rund 900 000 Euro, das Land gibt 700 000 Euro für die Technik im Polizeipräsidium.

Die Straßenkriminalität beeinträchtige das Sicherheitsempfinden der Menschen in besonderem Maße, sagte Strobl. Schon von 2001 bis 2007 waren daher in der Stadt Videobilder aufgezeichnet worden. Wie der Mannheimer Sicherheitsdezernent Christian Specht (CDU) gestern sagte, mussten die Aufnahmen eingestellt werden, „weil das System so erfolgreich war“. 2016 registrierte die Polizei allerdings dann die höchste Belastung durch Straßenkriminalität in der Innenstadt seit der Jahrtausendwende.

Der Innenminister sprach bei der Überwachungstechnik von einem europaweiten Novum. Die intelligente Videoüberwachung lernt mittels Algorithmen Bewegungsmuster zu unterscheiden. Etwa, ob jemand nach einem Handtaschenraub wegrennt oder ob jemand lediglich die Straßenbahn noch kriegen möchte. Schlägt das System Alarm, trifft ein Polizeibeamter die Entscheidung, wie zu reagieren ist.

Mehrfach wies Strobl darauf hin, dass der Datenschutzbeauftragte des Landes im Vorfeld einbezogen wurde. Man werde die Aufnahmen bei zuverlässiger Funktion des Systems verpixeln und nur im Notfall freischalten.

Gespeichert werden die Aufnahmen statt der zulässigen vier Wochen nur 72 Stunden, erklärte die Polizei. Polizeipräsident Thomas Köber erwähnte auch die Schilder, die an den Aufnahmeorten auf die Kameras hinweisen und die anonymisierende Technik. Eine Gesichtserkennung wird es nicht geben.

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