„Wir sind auch noch da. Wir pflegen die Kulturlandschaft, oft mit den Naturschützern von Nabu und BUND gemeinsam“, sagt Martin Wolf vom Schäfereibezirk Schwarzwaldkreis, „sobald es um den Wolf geht, zählen Schäfer und Schafe aber nichts.“  Mahnfeuer  sollen kommenden Freitag bundesweit darauf aufmerksam machen, dass die Tierhalter ihre Existenz vom Wolf bedroht sehen.

Die Schwarzwaldschäfer entzünden ihr Feuer zwischen Gechingen und Dachtel an den Rösserhütten im Keis Calw. Auch bei Ravensburg ist eines geplant. „Das sind leise Hilfeschreie von uns Schäfern“, sagt Wolf. Geplant sind auch Diskussionen, bei denen die Tierhalter ausdrücklich mit Wolfsbefürwortern ins Gespräch kommen wollen.

Wolf taucht immer wieder im Land auf

Seit 2015 werden in Baden-Württemberg immer wieder einzelne Wölfe nachgewiesen – 150 Jahre nach dem Aussterben. Experten gehen davon aus, dass sich im Nordschwarzwald ein Exemplar niedergelassen hat. Weitere wurden bei ihrer Wanderung durchs Land erfasst, drei davon sind tot.

„Der Wolf ist streng geschützt“, sagt Martin Wolf, „aber vom Aussterben ist er nicht bedroht.“ Das seien eher die Schäfer mit ihren Herden. Gerade im Nordschwarzwald. „Wir haben ja vermutlich sogar zwei Wölfe hier.“ Einer hat vor gut einem Jahr bei einem Angriff 44 Schafe getötet. Zwar gebe es im Wolfsgebiet Geld vom Land für Zäune und Schutzhunde, außerdem Entschädigung für gerissene Tiere. In der Theorie sei der Herdenschutz vielleicht sinnvoll. In der Praxis sei er schwierig und wenig erfolgversprechend, sagt Wolf.

Also Wölfe schießen? „Einfach losballern, das will ich nicht fordern“, sagt Martin Wolf, er wünsche sich, dass „die Wolfsbefürworter mal über ihren Tellerrand schauen und unsere Probleme sehen“.

Zwischen Angst und Resignation Leben mit dem Wolf im Osten

Görlitz

Der Wolf „vermehrt sich rasant“

Im Mahnfeuer-Aufruf fordert Wendlin Schmücker vom „Förderverein der deutschen Schafhaltung“ das „Regulieren der Bestände“ und ein Raumplanungskonzept, „das  Wolfsrudel in urbanen Gebieten oder in Gebieten mit Weidetierhaltung grundsätzlich nicht mehr duldet“. Wegen zunehmender Wolfsschäden „infolge des ungehemmten, unkontrollierten Populationswachstums“ stünden immer mehr Betriebe vor immer größeren Problemen. Wölfe würden durch „ihre rasante Vermehrung und Ausbreitung“ zur Bedrohung für die artgerechte Weidetierhaltung, so der Schäfer aus Niedersachsen. Schmücker hat auch schon mit einem erfolglos gebliebenen Waffenschein-Antrag zum Schutz der Herden Aufsehen erregt.

Verein „Wolfsschutz Deutschland“ widerspricht

Der Verein „Wolfsschutz Deutschland“ schickte damals eine Seifenblasenpistole – und widerspricht auch heute: Von einer „rasanten Vermehrung der Wölfe“ könne keine Rede sein. Die EU habe erst im Herbst 2018 „keinen sicheren Erhaltungszustand“ für Deutschland gemeldet.

„Für Mahnfeuer gegen Wölfe gibt es keinen Grund“, sagt die Vereinsvorsitzende Brigitte Sommer: „Weidetierhalter in den meisten Wolfsgebieten erhalten jetzt sogar 100 Prozent Förderung und 100 Prozent Erstattung von Schäden“, Unterstützung für Zäune bis zum Kauf von Schutzhunden. Der Herdenschutz wirke nachweisbar. Statt nach Abschüssen zu rufen und den Wolf zum Sündenbock zu machen, sollten sich Schäfer bei Politik und Bauernverbänden für eine Agrarwende einsetzen, sagt Sommer. Kleine Betriebe könnten zum Beispiel von einer Weidetierprämie profitieren.

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Wolle und Felle bringen fast nichts mehr


39 Prozent der Markteinnahmen in der Schafhaltung stammen nach Angaben des Schafzuchtverbands vom Lammfleisch, nur zwei Prozent aus dem Verkauf von Wolle und Fellen.

59 Prozent der Einnahmen kommen aus der Landschaftspflege.

69 Prozent der insgesamt 220.000 Schafe, die 2018 im Südwesten laut Statistischem Landesamt gehalten wurden. waren Mutterschafe.