Parteien Machtprobe in der Südwest-SPD

Stuttgart / Von Roland Muschel 08.10.2018

Die 36 400 Mitglieder der baden-württembergischen SPD sollen in einem Mitgliederentscheid über den Landesvorsitz entscheiden. Bei einer Konferenz der SPD-Kreischefs in Stuttgart hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci  (44) am Wochenende überraschend seine Kandidatur angekündigt. Damit steht die Südwest-SPD zur Mitte der Legislaturperiode im Land vor einer Machtprobe. Denn Castelluccis Ankündigung ist eine Kampfansage an die amtierende SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier (58). Beide sprachen sich für einen Mitgliederentscheid aus. Der Landesvorstand prüft nun die Formalitäten.

Die Parteilinke Breymaier hatte die Führung des Landesverbands im Oktober 2016 übernommen, nachdem die SPD bei der Landtagswahl im März 2016 auf 12,7 Prozent und damit ein historisches Tief abgestürzt war. In der jüngsten Umfrage steht die SPD mit 11,0 Prozent indes noch schlechter da. „Wir haben seit 2016 weiter an Rückhalt verloren. Eine Umfrage sagt sogar, dass nur vier Prozent der Baden-Württemberger der SPD zutrauen, ihre Probleme zu lösen“, sagte Castellucci der SÜDWEST PRESSE. Deshalb trete er nun an. „Es geht um die Existenz unserer Partei.“

Breymaier sagte dieser Zeitung, sie sehe die Gegenkandidatur als „Möglichkeit, mit den Mitgliedern über den Weg der SPD Baden-Württemberg zu reden. Ich freue mich auf die Debatten.“ Sie habe Lust, weiterzumachen. „Ich bin nach zwei Jahren noch nicht fertig.“ Ihre Wiederwahl wird nicht nur von der Parteilinken unterstützt. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Reinhold Gall, sprach sich intern für Breymaier aus. Sie sei das bekannteste Gesicht der Partei, wird er von Teilnehmern der Sitzung der Kreischefs zitiert. Dagegen sagte der SPD-Landesvize Frederick Brütting dieser Zeitung, er unterstütze die Kandidatur von Lars Castellucci: „ Er hat kommunalpolitische Erfahrung und kann zusammenführen. Beides können wir gut gebrauchen.“

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