Europawahl Luisa Boos verzichtet für Evelyne Gebhardt

Luisa Boos: Für ihren Verzicht wurde ihr gestern Respekt gezollt.
Luisa Boos: Für ihren Verzicht wurde ihr gestern Respekt gezollt. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Jens Schmitz 08.12.2018

Kurz vor der entscheidenden Delegiertenkonferenz in Berlin hat die Landes-SPD ihren Kampf um mehr Gewicht auf der Europawahlliste intensiviert. Baden-Württembergs frühere Generalsekretärin Luisa Boos verzichtete am Freitag auf den ihr zugedachten Platz 15: Sie wolle nicht gegen die amtierende Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Evelyne Gebhardt, kandidieren. Auch für den zweiten aktuellen Abgeordneten aus Baden-Württemberg, Peter Simon, hat Landes-Chef Andreas Stoch wieder Hoffnung: „Mit je mehr Leuten ich rede, desto mehr stimmen mir zu“, sagte er dieser Zeitung.

Die SPD will ihre Kandidatenliste am Sonntag in Berlin beschließen. Bei der Landes-SPD gärt es: Der Bundesvorstand hat ihnen in seinem Vorschlag unter den ersten zwanzig Plätzen nur einen zugewiesen, den mäßig chancenreichen  Platz 15. Zusätzlich sieht der Landesverband sein demokratisches Votum missachtet: Die Landes-SPD hatte ihre damalige Generalsekretärin Luisa Boos im September hinter den beiden Europa-Abgeordneten Gebhardt und Simon nominiert. Der Bundesvorstand veränderte diese Reihenfolge aber, vorgeblich mit dem Ziel, die Liste „jünger und weiblicher“ zu gestalten. Er schlug die 34-jährige Boos auf Platz 15 vor,  Evelyne Gebhardt (64) und Peter Simon (51) auf den aussichtslosen Plätzen 25 und 28.

Seither herrscht helle Auf­regung im Südwesten, zumal vor Gebhardt mehrere Männer platziert sind, die sie an Lebens­jahren übertreffen. Diese Woche bestätigte sie unserer Zeitung in ­Brüssel, sie werde „auf jeden Fall“ auf Platz 15 kandidieren. Auf eine Kampfkandidatur lässt Luisa Boos es aber nicht ankommen: Am ­Freitag bat sie den Bundesvorstand, sie auf Platz 25 vorzuschlagen.

„Ich möchte unter diesen Umständen nicht auf Platz 15 der Bundesliste kandidieren“, schrieb Boos in einer Erklärung, die sie auch online veröffentlichte. Sie wolle ihren Listenplatz nicht gegen die „von mir politisch und menschlich sehr geschätzte“ Landes-Genossin verteidigen.

Stoch sagte, Boos‘ Schritt verdiene großen Respekt. „Ich gehe sehr stark davon aus, dass der Parteivorstand sich dieser Erklärung von Boos und auch Gebhardt nicht entziehen kann.“ Aufgrund eines Rückzugs in Thüringen müsse die Liste vor der Delegiertenkonferenz ohnehin noch einmal verändert werden. Den Konflikt um Gebhardt und Boos könne man also im Vorfeld abräumen.

Wo Simon angreifen wird, mochte Stoch am Freitag nicht verraten. 

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