Abschiebung LEA Ellwangen: Wieder zurück im Alltag

Viele Afrikaner in der LEA dürfen wahrscheinlich nicht in Deutschland bleiben.
Viele Afrikaner in der LEA dürfen wahrscheinlich nicht in Deutschland bleiben. © Foto: Thomas Niedermueller
Ellwangen / Melissa Seitz 04.05.2018
Nach den Tumulten in der LEA Ellwangen scheint nach außen hin alles seinen geregelten Gang zu gehen.

Es ist ruhig vor der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen. Doch immer wieder fahren Autos vorbei, bremsen ab und schauen neugierig aus dem Fenster. Das ist er, der Ort des Geschehens, der in den letzten Tagen für Schlagzeilen sorgte. Hier haben am Montag Flüchtlinge die Abschiebung eines 23-jährigen Asylbewerbers aus Togo verhindert. Am Donnerstag wurde dann der Mann und weitere Flüchtlinge bei einer Polizeirazzia festgenommen. Hunderte Polizisten und bewaffnete Spezialkräfte hatten die Unterkunft gestürmt. Von den Tumulten ist nichts mehr zu spüren. Es wirkt idyllisch, fast schon wie ausgestorben.

Eine Gruppe afrikanischer Asylbewerber meldet sich gerade an der Pforte ab. Unter ihnen sind Männer, die am Montag die Polizei an ihrer Arbeit hinderten. „Wir sagen gar nichts mehr“, erklärt ein junger Afrikaner. Es werde sowieso nie die Wahrheit erzählt. Was man in der Presse liest, sei falsch: „Wir haben die Polizisten nicht geschlagen.“ Der afrikanische Flüchtling ist genervt, und er hat ein ungutes Gefühl. „Ich will nicht mehr in der LEA bleiben. Ich fühle mich hier nicht mehr sicher.“, sagt er.

„Flüchtlinge handeln aus Angst“

Nicht viele Autos halten an dem Eingangstor der Flüchtlingsunterbringung, die meisten fahren nur vorbei. Nicht so Reinhold Baumann. Er engagiert sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge in der Ellwangener Unterkunft, fährt sie von der LEA in die Innenstadt und gibt ihnen zweimal die Woche Deutschunterricht. Er ist von den Tumulten nicht überrascht und weiß ganz genau, wie es dazu kommen konnte: „Die afrikanischen Flüchtlinge haben Angst, abgeschoben zu werden. Sie haben so viel Geld ausgegeben, um nach Deutschland zu kommen. Und jetzt stehen sie plötzlich vor dem Nichts und müssen zurück.“ Der Frust sei groß.

Klar ist für Baumann, dass der Aufstand  geplant war. Es gebe sogar einige Flüchtlinge, die die Organisation in die Hand genommen haben. „Die Polizisten haben aber richtig reagiert und sind gegangen“, sagt er. „Wären sie dort geblieben, wäre die Situation eskaliert.“ Baumann meint das ernst. Er wisse inzwischen, wie die Afrikaner ticken. Er bezeichnet sie als lebendig. „Da ist halt Leben drin“, sagt er.

In der LEA läuft alles ganz normal ab, erzählt der ehrenamtlich Engagierte. Er selbst hat seit dem Vorfall am Montag noch keinen Fuß hinter die Absperrung gesetzt, dafür aber eine Bekannte von ihm. Was sie ihm erzählte, klang für ihn wie ein unspektakulärer Tag: „Die Kinder haben auf der Straße gespielt, Sicherheitsbeamte sind herumgelaufen und jeder ist seiner Arbeit nachgegangen.“ Wie es dort wirklich aussieht, bleibt der Presse verborgen.

Ganz so entspannt wie Reinhold Baumann sieht Ellwangens Oberbürgermeister Karl Hilsenbek die Situation nicht. „Die Ereignisse haben mich schockiert“, sagt er. Dass so etwas in Ellwangen passieren könnte, war für ihn bisher unvorstellbar. Er weiß, dass die LEA immer wieder für Diskussionen sorgt: „Wir haben Pro- und Kontra-Lager.“ Doch der Oberbürgermeister ist sich sicher, dass die Ereignisse am Montag und Donnerstag die Meinung der Anwohner beeinflussen werden. Gut sei es, dass die Unterbringung circa eineinhalb Kilometer vom Ellwangener Zentrum entfernt ist. „So liegt das Problem nicht direkt in der Innenstadt.“

Solche Ereignisse gehen doch nicht spurlos an einer Stadt vorüber. Könnte das dem Image schaden? Nein, sagt Karl Hilsenbek. „Die Altstadt, das Schloss und die Fußgängerzone – wer einmal Ellwangen besucht hat, war nicht zum letzten Mal hier.“

Klage gegen Abschiebung nach Italien

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat bereits im November einen Antrag gegen die Rückführung des Togoers nach Italien zurückgewiesen, der jetzt in Pforzheim in Abschiebehaft sitzt. Der Eilantrag gegen den Entscheid des Bundesamts für Migration sei abgelehnt worden, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Der Anwalt des Mannes hatte gegen den Bescheid zwei Verfahren angestrengt – eine Klage, über die nach Gerichtsangaben noch nicht entschieden ist, und den Eilantrag. Die Entscheidung über den Eilantrag sei rausgeschickt worden, so die Sprecherin. Anwalt Engin Sanli sagte, er habe die Entscheidung nicht bekommen. Verhaftung und geplante Abschiebung seien rechtswidrig, weil der 23-Jährige vorläufigen Rechtsschutz genieße. dpa