Ein Mann überfiel 2008 die damalige Balinger Norma-Filiale und im Jahr 2012 die Real-Tankstelle in Endingen. Beides Mal bedrohte er die Angestellten mit einer Schreckschusspistole, erbeutete über 2000 Euro sowie knapp 7000 Euro und beides Mal hinterließ er DNA-Spuren.

Letztere überführten nun Jahre später den Täter, als dieser im Zuge anderer Ermittlungen eine Speichelprobe abgab. Vor dem Landgericht Hechingen gestand der 41-Jährige seine Taten und entschuldigte sich bei den Kassiererinnen, die aufgrund seiner Taten traumatisiert wurden (wir berichteten).

Der Angeklagte ist ein schwer gezeichneter Mann

Am Donnerstag nun verurteilte das Gericht den Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Es blieb damit weit unter der Forderung der Staatsanwältin, die sieben Jahre Freiheitsstrafe für angemessen hielt.

Richter Hannes Breucker begründete das Urteil damit, dass die Taten schon sehr lange zurückliegen und der Täter heute ein schwer gezeichneter, kranker Mann sei. Seine Lebenserwartung ist aufgrund einer schweren Lebererkrankung stark verkürzt. Daher sei ein anderer Strafrahmen möglich, so Breucker.

Der Mann muss sich nun wöchentlich bis zu seiner Inhaftierung bei der Polizei melden. Fluchtgefahr bestehe aufgrund der schweren Krankheit nicht, so der Richter. „Wenn das Urteil rechtskräftig wird, sollten sie schnellstmöglich in Haft“, erklärte Breucker.

So hätte er die Chance, im Justizvollzugskrankenhaus zu entgiften und fit für eine Lebertransplantation zu werden. Nach einer entsprechenden Operation müsse er in Haft. Bei guter Führung habe er die Möglichkeit, wieder gesund und resozialisiert zu werden.

Der 41-Jährige sei ein Beispiel dafür, wie man aus einem guten Leben stürzen könne, sagte Verteidiger Carsten Kühn. Sein Mandant habe eine Ausbildung und sogar einen Meister gemacht.

Aufgrund einer Hepatitiserkrankung habe er eine Leberzirrhose bekommen. Dann waren die Gesundheit und auch die Familie weg, so der Verteidiger. Da liege es nahe, sich mit Alkohol zu trösten. Das wiederum schädigte sein transplantiertes Organ so sehr, dass er heute wieder dringend eine neue Leber bräuchte.

Die Staatsanwaltschaft kann noch Revision einlegen. Der Verteidiger und der Angeklagte erklärten Rechtsmittelverzicht.