Im Streit über die Zukunft des Zollernalb-Klinikums hat die Stadt Albstadt selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben, gedacht als Gegengewicht und Korrektiv des Klinikgutachtens, das die Kreisverwaltung beim Tübinger Beratungs- und Planungsunternehmen Teamplan bestellt hat und jüngst vorstellte. Die Stadtverwaltung Albstadt vertraut dabei auf die Stuttgarter Niederlassung des international agierenden Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens „Ernst & Young“.

Beide Gutachten kommen, ungeachtet gewisser Unterschiede in einzelnen Punkten, letztlich zum selben Ergebnis: Nur mit dem Bau einer neuen, zwischen Albstadt und Balingen gelegenen Zentralklinik wäre der Zollernalbkreis medizinisch für die Zukunft gerüstet. Auch wirtschaftlich, so sind sich die beiden Gutachten einig, wäre die Lösung einer kreisweiten Zentralklinik die mit Abstand Vorteilhafteste.

Wie gliedert das Gutachten von „Ernst & Young“ nun im Endergebnis seine Argumentation?

Grundsätzlich wurden zunächst zwei Grundannahmen beleuchtet, immer mit dem Zeithorizont des Jahres 2025.

Annahme eins: Wie sähe die Situation aus, wenn nichts unternommen würde, wenn der Status Quo inclusive der Zentrierung der Chirurgischen Abteilungen am Standort Balingen erhalten bliebe? Der Abmangel beider Häuser zusammen würde, die Immobilien immer mit eingerechnet, in einer Größenordnung zwischen 11, 3 und 12, 2 Millionen Euro pro Jahr pendeln. Zudem müssten noch mal rund 38 Millionen Euro insgesamt investiert werden.

Dann wurde, wieder mit dem Jahr 2025 als gewähltem Fixpunkt, angenommen, der Status Quo würde verändert. Hier kommen verschiedene Möglichkeiten ins Spiel, die von der medizinischen Machbarkeit und der Rentabilität her durchgespielt wurden.

Erstes Szenario dieser zweiten Möglichkeit wäre die Zentrierung der Chirurgischen Abteilung in Balingen, verbunden mit einer Kooperation mit der Acura-Klinik Albstadt. In diesem Fall müssten zusätzlich 16, 5 Millionen Euro investiert werden, der jährliche Abmangel würde sich auf etwa 11 bis 12 Millionen Euro belaufen – nicht viel weniger als bei der allerersten Annahme, bei der der Status Quo beider Häuser beibehalten wird.

Zweites Szenario der zweiten Möglichkeit ist der Bau einer Zentralklinik. Hier hat „Ernst & Young“ wieder zwei unterschiedliche Vorgehensweisen unterschieden.

Vorgehensweise eins beim Bau einer Zentralklinik wäre das Zusammenführen der beiden Häuser Albstadt und Balingen in einem Rutsch. Beide ursprünglichen Standorte in Albstadt und Balingen würden danach aufgegeben. Bei beiden könnten – je nach noch zu erarbeitendem Konzept – Abbruchkosten entstehen. Oder für beide Standorte könnte versucht werden, Folgenutzungen zu schaffen. Das hätte den Vorteil, dass zuvor erhaltene Fördergelder vermutlich nicht wieder zurückgezahlt werden müssten. Die Jahresbilanz dieser neuen, zentralen Klinik hört sich nach dem Gutachten von „Ernst & Young“ wesentlich besser an als die aller vorangegangenen Modelle: Hier betrüge der jährliche Abmangel nur etwa 2 Millionen bis 3, 1 Millionen Euro. Die Investitionskosten betrügen in diesem Fall rund 143 Millionen Euro. Realisiert werden könnte der Neubau laut Gutachten etwa bis zum Jahre 2023. Zum Vergleich: Teamplan nennt im Gutachten der Kreisverwaltung das Jahr 2040 als Bauziel.

Die zweite Vorgehensweise beim Bau eines Zentralklinikums würde eine nur schrittweise Zusammenführung der beiden Kliniken in Albstadt und Balingen vorsehen. Auch der Bau selbst würde in mehreren Modulen stattfinden. Hier wird der Zeitraum der Realisation mit 2023 bis 2025 angegeben, also zwei Jahre länger. Der jährliche Abmangel läge hier ebenfalls zwischen 2 Millionen und 3, 1 Millionen Euro. Die Investitionskosten betrügen allerdings mehr als 160 Millionen Euro. Der Umzug der beiden bisherigen Kliniken würde sich bei diesem letzten und teuersten Konzept auch am komplexesten gestalten: Während manche Balinger Abteilungen in den ersten Bauabschnitt ziehen, zieht Albstadt zunächst einmal nach Balingen, um dann erneut in das Zentralklinikum umzuziehen. Auch hier würden beide bisherigen Standorte aufgegeben.

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