Meßstetten Kreisseniorentag: zu wenig altersgerechte Wohnungen

Weil’s bei der 40-Jahr-Feier der Stadt Meßstetten so schön war, musste Bürgermeister Frank Schroft (links) nochmals das Lied auf die „Vogelwiese“ singen. Die „Hartheimer Oldies“ spielten dazu – unter prominenter Stabführung: Staatssekretär a.D. Hubert Wicker (rechts) dirigierte.
Weil’s bei der 40-Jahr-Feier der Stadt Meßstetten so schön war, musste Bürgermeister Frank Schroft (links) nochmals das Lied auf die „Vogelwiese“ singen. Die „Hartheimer Oldies“ spielten dazu – unter prominenter Stabführung: Staatssekretär a.D. Hubert Wicker (rechts) dirigierte. © Foto: Werner Lissy
Meßstetten / Volker Schweizer 06.09.2018
Meßstetten hat rund 150 Gäste zum Kreisseniorentag empfangen.

Um den altersgerechten Wohnungsbau ging es im Vortrag von Hubert Wicker, dem aus Albstadt stammenden Staatssekretär a.D. und Präsidenten der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg, beim Kreisseniorentag in Meßstetten. Er berichtete, dass laut einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie derzeit rund 220 000 Wohnungen für Senioren fehlen. Ein größeres Angebot hält Wicker aus zwei Gründen für notwendig. Es solle Senioren zum einen ermöglicht werden, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu können. Zum anderen würden durch einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung größere Wohnungen, die man auf dem Immobilienmarkt benötige, frei.

Laut Wicker sind Bauflächen allgemein nicht nur knapp, sondern deutlich teurer als vor zehn Jahren. Preissprünge von über 50 Prozent seien keine Ausnahme. Auch das Bauen könnten sich viele nicht mehr leisten, obwohl das Land die Vorschriften entschlackt habe. Wicker hält die Lage im Zollernalbkreis für nicht so prekär, trotzdem sollte auch hier der Wohnraum attraktiv und zugleich bezahlbar sein, damit die Region im Wettbewerb nicht abgehängt werde.

Der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen steigt in der Zukunft weiter. Derzeit beträgt der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg 20 Prozent, 2040 werden es über 28 Prozent sein. Das Land habe auf diese Entwicklung schon reagiert und die Bauordnung entschlackt. Außerdem verwies Wicker auf das Programm „Altersgerechter Umbau“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau, für das der Bund wohl die Fördermittel aufstocken werde. Trotzdem brauche es auch weiter massive Anstrengungen auf dem Wohnungsmarkt. Dazu zählte er die Schließung von Baulücken, die Mobilisierung zusätzlicher Flächen, passgenaue Förderinstrumente und den Abbau von bürokratischen Hürden.

Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft baut auf den Rat, die Erfahrung und das Wissen der Senioren. Viele würden zwar sagen, dass neue Besen besonders gut kehren, „aber nur die älteren wissen, wo der Dreck liegt“. Für ihn ist das Miteinander von Alt und Jung, die Spontanität der Jugend und die Weisheit des Alters der richtige Mix in einer Bürgergesellschaft, die sich im Wandel befinde. Er wies auf die Anstrengungen hin, in der Stadt ein Ärztehaus und eine zusätzliche Pflegeeinrichtung anzusiedeln. Den Kreisseniorenrat forderte Schroft auf, auch weiterhin auf Missstände hinzuweisen und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Landrat Günther-Martin Pauli verhehlte nicht, dass er schon als Geislinger Bürgermeister neidvoll nach Meßstetten geblickt habe. Die Seniorenarbeit, die der Altenhilfeförderverein leiste, sei hervorragend. Um die Mobilität der älteren Mitbürger zu erhöhen, plane der Landkreis Veränderungen im öffentlichen Personennahverkehr.

Eingebettet ins Rahmenprogramm gab es eine Reihe von Informationen. Der Altenhilfeförderverein Meßstetten stellte sich vor und der Kreisseniorenrat warb für die Rettungsdose, die Senioren im Kühlschrank aufbewahren sollen.

Im Inneren der Dose befindet sich ein Datenblatt mit allen wichtigen Informationen, die Rettungsdienste benötigen: Medikation, chronische Erkrankungen, Blutgruppe und Kontaktpersonen. Und warum Kühlschrank? Weil jeder einen Kühlschrank hat und er in jedem Haus leicht zu finden ist.

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