Albstadt/Hechingen Zu Unrecht in der Psychiatrie: Albstädter ist frei

Albstadt/Hechingen / OLGA SCHWAB 10.03.2015
Ein Albstädter war wegen Körperverletzung angeklagt und wegen einer "wahnhaften Störung" in der Psychiatrie. Nun wird er dafür entschädigt.

Das Verfahren gegen einen 45-jährigen Albstädter, der wegen Körperverletzung vor dem Hechinger Landgericht stand, wird eingestellt. Er soll einem Lokalbesucher in Albstadt 2011 einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und einen Mitpatienten in der Psychiatrie geohrfeigt haben.

Der Mann musste sich schon vergangenes Jahr vor Gericht wegen Erpressung in fünf Fällen verantworten. Er wurde zu 210 Tagessätzen zu je fünf Euro verurteilt. Schon damals war klar, dass der Albstädter unter einer "wahnhaften Störung" leidet. Der Mann sei seinen Aussagen zufolge der Überzeugung, vom deutschen und mazedonischen Geheimdienst verfolgt zu werden. Die Staatsanwaltschaft veranlasste bezüglich des neuen Verfahrens eine vorläufige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Grund: Der Albstädter wurde als gefährlich eingeschätzt. Eine "Fehleinschätzung", wie es Richter Herbert Anderer formulierte.

Zu dem Schluss kam das Gericht aufgrund des Gutachtens des psychologischen Sachverständigen Dr. Peter Winckler. Dieser diagnostizierte zwar eine eindeutige wahnhafte Störung, eine Persönlichkeitsstörung oder gar Schizophrenie konnte er, wie er sagte, jedoch nicht feststellen.

Die Anhaltspunkte seien zu gering, um den Albstädter in einer Psychiatrie unterzubringen. Zwar, erklärte Winckler, können die geschädigten Personen Teil des Wahnkonstruktes des Angeklagten gewesen sein, die Tat selbst müsste aber nicht zwingend im Wahn geschehen sein. Der Gutachter beschrieb den Albstädter als eine "schillernde" Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen. Er sei in der Lage, Menschen zu seinen Gunsten zu manipulieren. Diese Persönlichkeitsphänomene liegen laut Winckler aber unterhalb einer schweren Persönlichkeitsstörung. So habe es dem Angeklagten weder an Schuldfähigkeit noch an Einsichtigkeit gefehlt.

"Es bleibt ein Unbehagen", sagte Gutachter Winckler, aber eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus könne nicht empfohlen werden. Das Gericht stellte deshalb das Verfahren ein. Für die sechsmonatige Unterbringung in der Psychiatrie soll der Albstädter entschädigt werden.

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