Sie bewohnen kleine Zelte und leben unter einfachsten Bedingungen in einzelnen, unterschiedlichen Camps in der Türkei, nahe der Stadt Adana: zahlreiche Geflüchtete aus Syrien. Der Zollernalbkreis hat gemeinsam mit dem Online-Magazin #imländle und der türkischen Nichtregierungsorganisation Al Sham Global vor Ort eine Zeltschule gebaut, in der seit August knapp 60 Schüler aller Altersklassen unterrichtet werden.

Initiative von Bloggerin Petra Nann

Im Januar 2020 hat die Bloggerin Petra Nann über den Verein Drei Muskeltiere aus Reutlingen Flüchtlingscamps an der türkisch-syrischen Grenze besucht. „Die Menschen dort sind nicht auf der Durchreise. Sie werden für lange Zeit dort leben und hoffentlich irgendwann in ihr Heimatland zurückkehren. Umso wichtiger ist es, besonders den Kindern einen Alltag zu bieten, der es ihnen möglich macht, sich zu bilden“, so Nann.
Zurück im Zollernalbkreis berichtete sie Landrat Günther-Martin Pauli über ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Gemeinsam entstand die Idee, in dem Camp eine Zeltschule zu errichten. „Kinder in Flüchtlingslagern brauchen Perspektiven. In der angespannten Situation, ist es wichtig, ihnen Zeitfenster zu ermöglichen, in denen sie Kind sein dürfen“, so Pauli.

Kreistag sagt 20.000 Euro zu

Nach Rücksprache mit den sechs Fraktionsvorsitzenden des Kreistags wurde zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr per Eilentscheidung beschlossen, das Projekt mit 20.000 Euro zu unterstützen. Hierzu zählen der Bau der Zeltschule sowie sämtliche Kosten, die im ersten Jahr anfallen: Die Betreuung des Projekts vor Ort, das Lehrergehalt, die Schulutensilien, Instandhaltungskosten sowie Verpflegung der Kinder. Gleichzeitig wurde eine Schulfreundschaft zwischen der Grundschule Endingen/Erzingen und der neuen Campschule ins Leben gerufen: Die Kinder aus dem Zollernalbkreis nehmen Kontakt mit den Kindern in der Flüchtlingsunterkunft auf, kommunizieren mit ihnen und bekommen hautnah Informationen.

Vergangene Woche reiste Pauli ins Risikogebiet

Wie berichtet, reisten Landrat Günther-Martin Pauli, Petra Nann und Sevgi Turan-Rosteck, Grünen-Fraktionssprecherin im Balinger Gemeinderat, deren Eltern aus der Türkei stammen, vergangene Woche zusammen in das Flüchtlingscamp. Pauli habe lange abgewogen – Reise in ein von der Bundesregierung eingestuftes Corona-Risikogebiet und weitere Risiken – ob er diesen Besuch abstatten soll.

Seit Mittwoch ist der Landrat wieder im Dienst

„Bei der Abwägung aller Risiken kam ich für mich zu dem Entschluss, diese wichtige Reise doch anzutreten“, so Pauli. Ziel, Zweck und Zeitaufwand dieser Aktion hatten zwar einen dienstlichen Hintergrund, wurden jedoch privat finanziert. „Alle Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen wurden von uns strengstens beachtet. Insgesamt haben wir vor, während und nach der Reise Corona-Tests gemacht und ich habe mich nach meiner Rückkehr für fünf Tage freiwillig in Quarantäne begeben. Nachdem das letzte Testergebnis ebenfalls negativ ausfiel, bin ich seit gestern (16.9.) wieder im Dienst“, so Pauli. Inzwischen hat Landrat Pauli viele Reaktionen erhalten. Natürlich waren einige kritische Stimmen mit dabei. „Die Hilfsbereitschaft im Zollernalbkreis ist grenzenlos - viele haben ihre Unterstützung bereits zugesagt“, freuen sich Nann, Turan-Rosteck und Pauli.

Die Delegation von der Zollernalb zeigt sich tief bewegt

Die Tage in dem Flüchtlingscamp hat die dreiköpfige Delegation nachhaltig bewegt. Die Zustände in dem Camp sind für deutsche Verhältnisse erschütternd: Die Menschen bewohnen einfachste Unterkünfte, Erdlöcher dienen als Toiletten und Lebensmittel sind knapp. „Die Zeltschule ist nur ein kleines Mosaikstück – aber ermöglicht den Kindern überhaupt erst die Chance auf Bildung und Kind sein“, so Sevgi Turan-Rosteck. Derzeit sammeln sie Ideen für weitere Möglichkeiten, um den Menschen dort den Aufenthalt menschenwürdiger zu gestalten. „Dringend notwendig gebraucht werden einfachste Dinge wie Babynahrung, Hygieneartikel, Feuerholz und warme Kleidung für den Winter. Wir prüfen jetzt, was wir unverzüglich davon umsetzen können“, so die abschließenden Worte der kleinen Reisegruppe.

Wer helfen will: So kann man spenden

Wer das Projekt finanziell unterschützen möchte, kann dies unter den unten aufgeführten Bankdaten tun:
Überweisungszweck: Syrische Grenze
Sparkasse Zollernalb Wir im Ländle e.V. i. Gr. IBAN DE64 6535 1260 0134 0541 59 SWIFT-BIC SOLADES1BAL
Volksbank Hohenzollern-Balingen Wir im Ländle e.V. i.Gr. IBAN DE12 6416 3225 0431 4580 06 BIC GENODES1VHZ
Videos und weitere Informationen zur #imländle Schulfreundschaft sind unter: www.imlaendle.de, Stichwortsuche: Schulfreundschaft zu finden.

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