5142 Besucher an 23 Ausstellungstagen, davon alleine rund 500 am letzten Öffnungstag am Sonntag: Die Macher der World-Press-Photo-Ausstellung (WPP) in der Stadthalle ziehen eine positive Bilanz. „Es war eine wertvolle, berührende Ausstellung, die zum Nachdenken anregt“, sagt Vhs-Projektleiterin Nicole Mayer.
Dass die Besucherzahlen der Premiere 2019 nicht erreicht werden können, das sei schon im Vorfeld und im Hinblick auf die Coronaauflagen und den Termin mitten in den Sommerferien klar gewesen. Dennoch: „Wir sind mit der Resonanz und dem Ergebnis sehr zufrieden“, resümieren Vhs-Leiter Leiter Ottmar Erath und Nicole Mayer.
Insgesamt sei die Ausstellung im Rahmen dessen, was das Hygienekonzept erlaubt hat, immer sehr gut frequentiert gewesen. Das Einbahnstraßensystem, das die Besucher durch die Fotoschau im Großen Saal führte, habe beispielsweise bestens funktioniert.
Schulklassen konnten ob des Termins zwar nicht begrüßt werden, dafür aber etliche Fotogruppen aus ganz Baden-Württemberg. Insgesamt hat die Balinger WPP-Ausstellung ein recht großes Einzugsgebiet gehabt, wie unter anderem Einträge im Gästebuch belegen.
Ottmar Erath und Nicole Mayer loben die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten und Mitwirkenden, die 2022 möglichst in dieser Konstellation fortgesetzt werden soll, wie der Vhs-Leiter unterstreicht.

Rahmenprogramm gibt spannende Einblicke

„Das dreiwöchige Programm hat spannende Einblicke hinter die Kulissen des Medienbetriebs geboten und hat sich somit als ideale Ergänzung zu den ausgestellten Fotos herausgestellt. Wir hatten prominente Gäste wie die Washington-Korrespondentin der ARD, Claudia Buckenmaier, oder den Kanzlerfotografen Daniel Biskup im Programm, aber auch lokale Gäste wie den Burladinger Fotografen Tobias Wuntke, der von seiner Fotoreportage auf der Tübinger Intensivstation berichtete“, blickt der Geschäftsführer des Druck- und Verlagshauses Hermann Daniel zurück.
Diese Mischung habe sich sehr bewährt und den Nerv des Publikums getroffen, „was sich in einer Vielzahl positiver Rückmeldungen zeigt, die uns erreichen“.
Das Feedback der Besucher, die die Möglichkeit hatten, auch persönlich mit hochkarätigen Gästen ins Gespräch zu kommen, hätte zudem gezeigt, wie groß das Interesse an Medien und Abläufen des Medienbetriebs ist. „Insofern war das Rahmenprogramm gewissermaßen auch ein großes Plädoyer für Qualitätsjournalismus.“

Vortrag statt Führung – trotzdem viel Hintergrundwissen

Dem Hygienekonzept und den Pandemieauflagen geschuldet war diesmal auch, dass es keine Führungen durch die Ausstellung gab. Die Besucher mussten aber trotzdem nicht auf tiefergehende Informationen, ergänzend zu den Beschreibungen bei den Fotos, verzichten.
Zweimal pro Stunde gab es Einführungsvorträge, bei denen Hintergrundwissen zum World-Press-Photo-Award sowie einigen prämierten Fotografien vermittelt wurden. Mehr als 400 dieser Vorträge, bis zu 20 an einem Tag, kamen so innerhalb der vergangenen drei Wochen zusammen. 137 Mal stand Walter Bleibel – neben Silke Thiercy, Boris Retzlaff und Werner Kliesch einer der vier WPP-Guides – am Rednerpult im Kleinen Saal.

Vier WPP-Guides im Wechsel am Rednerpult

Gemeinsam haben die vier Guides, nachdem die Siegerfotos feststanden, im Katalog die Bilder ausgewählt, die einheitlich von allen gezeigt und vorgestellt worden sind. Zudem haben die Rednerin und die Redner individuell weitere Fotografien in ihre Präsentation eingebunden, deren Hintergründe näher beleuchtet wurden.
„Die Herausforderung war, nicht immer das Gleiche zu erzählen“, blickt Walter Bleibel zurück. Er hat deshalb im Laufe der drei Wochen seinen Vortrag entsprechend angepasst. „Eine Besucherin ist sogar in Tränen ausgebrochen“, erzählt er. Denn dass es sich bei den prämierten Werken teils um schwere Kost handelt, hat er berücksichtigt – und auch hoffnungsvolle Motive gezeigt.
Seine persönlichen Favoriten? Neben dem Siegerfoto von Mads Nissen sind das „Emancipation Memorial Debate“ von Evelyn Hockstein, das zwei Personen in Washington zeige, die offensichtlich nicht einer Meinung sind, und „Tour of Poland Cycling Crash“ von Tomasz Markowski, da Bleibel selbst einen Bezug zum Radsport hat.

Mehr als 5000 Euro für „Reporter ohne Grenzen“

Die vier hatten zudem in Eigeninitiative eine Spendenkasse aufgestellt und in ihren Vorträgen auch über die Pressefreiheit hingewiesen, die in vielen Ländern eingeschränkt oder gar nicht gegeben ist. Über 5000 Euro sind für „Reporter ohne Grenzen“ zusammengekommen – ein beachtliches Ergebnis, über das sich das Guide-Team sehr freut. Vielen Besuchern sei in der Ausstellung sicherlich bewusst geworden, wie wichtig unabhängiger und freier Journalismus ist, ergänzt Ottmar Erath.
Die Ausstellungsbesucher wussten das Angebot der Einführungsvorträge übrigens zu schätzen: Die Rückmeldungen über die Einführungsvorträge sind durchweg sehr gut gewesen, sagen Nicole Mayer und Ottmar Erath. Deshalb sollen sie auch 2022 beibehalten werden – ergänzend zu den Führungen, die, so hoffen die Vhs-Verantwortlichen, im kommenden Jahr wieder möglich sein werden.

Ausstellung soll in der Stadthalle bleiben

Die Planungen laufen bereits. „Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung“, meint die Projektleiterin schmunzelnd. Derzeit laufe die Abstimmung mit Amsterdam, wann die WPP-Ausstellung im kommenden Jahr in Balingen zu sehen sein wird. „Wir versuchen, die Ausstellung auch weiterhin in der Stadthalle unterzubringen“, informiert Erath.
Dort sei eine großzügigere Präsentation der Fotografien besser möglich als in der Zehntscheuer, wo die Fotoschau 2019 erstmals in Balingen zu sehen war. Außerdem könne man vom großen Kassen- und Garderobenbereich sowie der Infrastruktur profitieren.

Derzeit läuft Abstimmung mit Amsterdam für den Termin 2022

Der Termin soll auch so gewählt werden, dass die Ausstellung zumindest teilweise nicht in den Schulferien zu sehen sein wird, damit auch Schulklassen die Fotoschau besuchen können. „Wir freuen uns jedenfalls riesig darauf“, so die beiden Verantwortlichen der Vhs.
Doch derzeit wird zunächst einmal die Ausstellung abgebaut. Nach drei aufregenden Wochen werden seit Montagvormittag die Fotografien transportbereit gemacht, nummeriert und geschützt in die Kisten gepackt. Für sie geht die Reise weiter nach Wien, wo sie einem neuen Publikum gezeigt werden.