Winterlingen Windpark Winterlingen: Energiegenossenschaft noch dabei

Nicht alle Dokumente werden öffentlich gemacht.
Nicht alle Dokumente werden öffentlich gemacht. © Foto: Gudrun Stoll
Winterlingen / Von Gudrun Stoll 06.02.2019
Die Unterlagen zum geplanten Windpark in Winterlingen liegen offen. Überraschend taucht die Energiegenossenschaft wieder auf.

Wie angekündigt, liegen die Unterlagen zum Genehmigungsantrag für den geplanten Windpark in Winterlingen seit Montag (bis zum 4. März) im Landratsamt in Balingen sowie in den Rathäusern in Winterlingen, Bitz, Neufra, Straßberg und im technischen Rathaus in Tailfingen aus. Wie berichtet, hat die Windpark Winterlingen-Alb GmbH & Co. KG als Tochterunternehmen der Vortex Energy mit Schreiben vom 19. November 2018 die immissionsschutzrechtlichen Genehmigung für den Bau der Anlage beim Landratsamt als der Genehmigungsbehörde eingereicht. Sofern die Behörde in Balingen grünes Licht gibt und alle rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt sind, möchte das Unternehmen mit Sitz in Kassel noch in diesem Jahr loslegen. „Die vorgesehene Umsetzung ist für das IV. Quartal 2019 geplant“, heißt es in der amtlichen Bekanntmachung.

Vortex plant den Bau und den Betrieb von sieben Windenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von 164 Metern und einer maximalen Gesamthöhe von 238,5 Metern. Die Nennleistung pro Anlage wird mit 4,5 MW (Megawatt) angegeben, die Leistung des gesamten Windparks mit 31,5 MW, laut Vortex würde die Ausbeute ausreichen, um jährlich etwa 26 500 Haushalte mit Strom zu versorgen. Zu jeder Windenergieanlage gehören Fundament, Zuwegung und Kranstellflächen.

Die Unterlagen und Pläne zum Genehmigungsantrag füllen drei Leitz-Ordner, die allerdings nicht alle Informationen preisgeben, die Gegner des Projektes gerne abfragen würden. So bleiben die Daten zur Windhöffigkeit als Betriebsgeheimnis unter Verschluss. Die Windhöffigkeit beschreibt das durchschnittliche Windaufkommen an einem bestimmten Standort als Maßstab für die Gewinnung von Windenergie. Als politischer Leitfaden gilt, dass Windräder nur an Standorten errichtet werden dürfen, deren Windhöffigkeit einen wirtschaftlichen Betrieb rechtfertigt.

Gegen das Projekt machen Bürger in Winterlingen, Bitz und Neufra-Freudenweiler Front. Sie wollen nicht täglich auf 240 Meter hohe Anlagen blicken, befürchten Gesundheitsrisiken und Verstöße gegen den Arten- und Naturschutz. Die Gemeinde Bitz hat zwar keine Entscheidungsbefugnisse, darf als Anrainer aber Stellung zum Projekt beziehen.

Der Winterlinger Gemeinderat hat bereits vorige Woche dem Baugesuch für das privilegierte Vorhaben im Außenbereich zugestimmt. Alles andere hätte verwundert, schließlich existiert ein Schreiben vom 27. April 2018, in welchem Bürgermeister Michael Maier der Windpark Winterlingen-Alb GmbH & Co. KG die Gestattung für den Bau der Anlagen bestätigt hat. Im Genehmigungsantrag schließt sich überraschenderweise auch der Kreis zur Winterlinger Energiegenossenschaft. Diese hat ursprünglich den Windpark als regionales Vorzeigeprojekt für grüne Stromgewinnung aus der Taufe gehoben und beworben. Die Projektrechte wurden dann aber aus finanziellen Gründen weiterveräußert und sind mittlerweile unter dem Dach des Energiekonzerns E.ON gelandet, der über eine Tochterfirma den Windpark finanzieren möchte.

Bedeckt verhält sich die Energiegenossenschaft Winterlingen. Sie hat ihren Internetauftritt zum Windpark vom Netz genommen, Willy Braun als Sprecher der Genossenschaft will sich nicht äußern: Auskünfte „können nach unserem Wissensstand ausschließlich durch die Projektverantwortlichen erteilt werden“, teilte er auf unsere Anfrage mit. In Kassel gibt man sich auskunftsfreudiger, zumal im Genehmigungsantrag ausdrücklich auf die regionale Komponente verwiesen wird.

Mit der Energiegenossenschaft Winterlingen seien bereits vertragliche Regelungen getroffen, informierte am Montag Vortex-Sprecherin Britta Wagemann. Bedeutet dies konkret, dass die Mitglieder der Genossenschaft Anteile am Park oder einem Windrad erwerben können? „Genau“, sagt die Marketingleiterin und ergänzt: „Der Energiegenossenschaft wurde das Recht auf den Erwerb eines Anteils vertraglich zugesichert“.

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