Meßstetten Wie der Bürgermeister Opfer einer Radiopanne wurde

Opfer einer Radiopanne: Frank Schroft.
Opfer einer Radiopanne: Frank Schroft. © Foto: privat
Meßstetten / Michael Würz 21.08.2018
Frank Schroft wähnte sich am Dienstagmorgen in einer Radioaufzeichnung. Doch die ganze Region hörte live mit.

40 Jahre Meßstetten, das will mit Saus und Braus gefeiert werden. Wenn dann noch der SWR Tübingen um ein Radio-Interview anfragt, lässt sich der stolze Bürgermeister nicht zweimal bitten. Munter plaudert Frank Schroft drauf los, wirbt für das umfangreiche Programm, das die Vereine auf die Beine gestellt haben und für die Kunstausstellungen, die Besucher anlocken sollen.

Verwundert blickten die Radiohörer am Dienstagmorgen allerdings auf die Uhr: der Bürgermeister um Punkt 10 Uhr im Radio? Da müssten doch ... genau: die Nachrichten kommen. Was weder Schroft noch die Radiokollegin in diesem Moment ahnen: Das komplette Interview, das eigentlich als Aufzeichnung für spätere Beiträge gedacht war, ging live über den Sender. Und so bekamen am Dienstagmorgen Tausende einen gleichermaßen charmanten wie überraschenden Einblick hinter die Kulissen der Radioproduktion. Der Bürgermeister müsse doch bitte in ganzen (!) Hauptsätzen sprechen, mahnt die Redakteurin streng, in der Annahme, dass niemand zuhört, natürlich.

Und auch Schroft wähnt sich in einem vertraulichen Gespräch, als noch schnell der Vollblut-Politiker in ihm das Wort ergreifen will: Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Landesregierung, den würde Schroft doch ganz gerne im Radio untergebracht wissen. Stichwort: Stadtentwicklung. Für die Veranstaltungstipps braucht die Radiofrau so viel Politik freilich nicht. „Ich kann das aber den News anbieten.“ Die Landesregierung, erklärt Schroft, müsse den Stellenwert der Städte im ländlichen Raum in praktische Politik umsetzen. „Wovon wir bislang aber ehrlich gesagt nicht viel gemerkt haben.“

Sorge, dass sein Rüffel dem Schnitt zum Opfer fällt, muss Schroft nun nicht mehr haben. Live ist live, das gilt auch dann, wenn die Leitung im Radiostudio nur aus Versehen scharf gestellt worden ist. Und so werden die Radiohörer dann zum guten Schluss auch noch Zeuge, wie die Redakteurin dem Bürgermeister erläutert, wann mit der Ausstrahlung seiner O-Töne im Radio zu rechnen sein wird. „Donnerstagnachmittag“, erklärt die Kollegin, „zwischen 16 und 17 Uhr, SWR 4 Radio Tübingen.“ So viel steht fest.

Eigentlich aber auch egal, denn die vielen Hörer, die am Dienstagmorgen unfreiwillig Zeuge dieser charmanten Radiopanne wurden, sind längt bestens und ausführlich informiert. Und man darf vermuten: In Meßstetten werden sie stolz sein auf ihren Bürgermeister, der keine Gelegenheit auslässt, sich fürs Städtle einzusetzen. Und damit zurück zu den Nachrichten.

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