Balingen Widmanns Erfindung ist beste Innovation

Digitale Werbung in Echtzeit auf der Hecktür eines Lastwagens – was als Schnapsidee begann, macht den Balinger Andreas Widmann heute zum Besten Baden-Württembergs.
Digitale Werbung in Echtzeit auf der Hecktür eines Lastwagens – was als Schnapsidee begann, macht den Balinger Andreas Widmann heute zum Besten Baden-Württembergs. © Foto: Tröster
Balingen / Nicole Leukhardt 14.02.2018
Die digitale Fahrzeugwerbung des Balingers Andreas Widmann wurde in Stuttgart zur besten Innovation Baden-Württembergs gewählt.

Es begann vor vielen Jahren als Schnapsidee am Abendbrottisch“, erinnert sich Andreas Widmann. Diese vermeintliche Schnapsidee gärte in dem Balinger Tüftler, entwickelte sich weiter und reifte. Heute macht sie ihn zu einem Sieger: Der findige Balinger entwickelte digitale Fahrzeugwerbung und wurde dafür beim 7. Venture Capital-Pitch in Stuttgart vor wenigen Tagen von einer Jury aus Investoren zum „Best of Baden-Württemberg“ gekürt. Andreas Widmann ist mit seinem Start-up „Roadad“ der erste und einzige Unternehmer weltweit, der mobile Werbung auf die Rückseite von Lastern bringt. „Die e-paper-Technik kennen viele von ihrem kindle, dem papierlosen Buch“, erklärt Widmann. Diese Fläche hat der 26-Jährige groß skaliert und zeigt so auf 64 Zoll Größe Werbung mitten im Straßenverkehr.

Was damit alles machbar ist? Noch steht der junge Unternehmer ganz am Anfang. Als die Idee Form anzunehmen begann, bekam Andreas Widmann von vielen Seiten Rückenwind. „Wir haben einige Preise damit abgeräumt“, erzählt der junge Mann, der eigentlich einen Master in Biologie in der Tasche hat, sich aber auch mit angewandter Informatik beschäftigt.

Die ersten Laster rollen

Seine kleine Firma mit Sitz in Balingen besteht aus ihm, seinem Vater und einem weiteren Gesellschafter. Außerdem arbeiten eine Grafikerin, ein Werksstudent und verschiedene Praktikanten mit. „Wir sind noch ganz lean aufgestellt, wie es im Start-up-Jargon heißt“, erzählt Widmann und lacht. Doch die Pilotphase ist angelaufen, vier Laster mit der Widmannschen Werbung sind bereits quer durch Deutschland, Österreich und sogar in Ungarn unterwegs. „Das sind unsere Testfahrzeuge, damit wir sehen, wie die Werbung in der Realität funktioniert“, erzählt er. Denn dank des GPS in den Lastwagen weiß auch die Werbung auf deren Rückseite immer genau, was gerade für nachfolgende Fahrzeuge interessant sein könnte. „Wenn es zum Beispiel bei der nächsten Autobahnabfahrt ein Angebot für besonders günstige Burger gibt, dann können Sie das auf unserem Lastwagen lesen“, beschreibt Widmann.

Und auch in Sachen Fremdsprache ist die Werbung flexibel. „Schon heute gibt es großflächige Werbung auf Fahrzeugen, aber wenn der Laster mit einer deutschsprachigen Werbung zwei Wochen durch Frankreich fährt, ist das relativ uneffektiv“, weiß er. Seine e-paper-Werbung erkennt, welche Landessprache gerade sinnvoll ist und schaltet um.

Informationen zum Verkehr

Und nicht nur rein werblichen Nutzen könnte die digitale Kehrseite haben. „Wenn es einen Stau gibt, kann die Tafel in Echtzeit über Länge und Unfallort informieren“, erzählt Andreas Widmann. „Die Tafel kann auch anzeigen, dass eine Rettungsgasse gebildet werden soll und wie sie aussehen muss“, beschreibt er.

Regen und Waschwasser kann der modernen Technik im Übrigen nichts anhaben. „Wir wollen mit der digitalen Werbefläche ja nicht die Nutzbarkeit der Fahrzeuge einschränken, das wäre ja Quatsch“, erklärt Andreas Widmann. „Die Werbung ist so konstruiert, dass ihr nicht mal der große Kärcher mit 80 Grad und einem Druck von 100 bar etwas anhaben kann“, erzählt der Entwickler.

Nun hofft er, dass sich nicht nur Juroren, sondern auch Investoren für die Idee begeistern können. „Natürlich ist so ein Preis ein enormer Motivationsschub, jetzt wäre es natürlich auch schön, wenn die Firma sich selbst tragen würde“, erklärt er. Der junge Mann möchte zunächst vier weitere Lastwagen mit seiner Technik ausstatten. „Außerdem ist bereits ein Transporter mit einer etwas kleineren Werbefläche in Mannheim unterwegs“, erzählt er.

Und die Ideen gehen ihm nicht aus. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass Stadtbusse mit unserer Werbemöglichkeit durch die Städte fahren“, wirft er einen Blick in die Zukunft. Dass Fahrzeuge in ganz Europa mit seiner Idee auf dem Heck unterwegs sind – noch ist es eine Vision von Andreas Widmann. Aber die heute preisgekrönte Innovation begann ja auch einmal mit einer Schnapsidee am Abendbrottisch.