Tailfingen Wenn der Aufzug wochenlang defekt ist

Vor verschlossener Tür (von links): Angelika Neumann, Karoline Hofmann und Helga Thomas-Danis. Der Aufzug in dem achtstöckigen Hochhaus ist seit fünf Wochen stillgelegt.
Vor verschlossener Tür (von links): Angelika Neumann, Karoline Hofmann und Helga Thomas-Danis. Der Aufzug in dem achtstöckigen Hochhaus ist seit fünf Wochen stillgelegt. © Foto: Dagmar Stuhrmann
Tailfingen / Dagmar Stuhrmann 18.01.2019
Seit Mitte Dezember müssen die Bewohner das Gebäude Untere Bachstraße 133 in Tailfingen Treppen steigen.

Treppensteigen ist gesund, sagt man. Wenn allerdings der Aufzug in einem achtstöckigen Hochhaus, in dem auch Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen wohnen, gleich für mehrere Wochen ausfällt, vergeht doch manch einem irgendwann der Humor.

Dem sportlichen Mann, der das Treppenlaufen in sein Fitnessprogramm eingebaut hat, macht das Ganze nichts aus. Für Karoline Hofmann allerdings ist die aufzugslose Zeit ein Ärgernis. Sie wohnt im sechsten Stock und leidet an einer Muskelschwäche. Kurze Strecken kann sie gehen. Um ihren Alltag bewältigen zu können, braucht sie aber einen Elektrorollstuhl. „Ohne Aufzug bin ich aufgeschmissen“, sagt sie.

Helga Thomas-Danis hat erst vor kurzem eine Operation hinter sich gebracht. „Ich verstehe nicht, dass es so lange dauert, den Aufzug zu reparieren“, sagt sie.

Auch für Angelika Neumann, die an Krücken geht und für längere Wege einen Rollator braucht, und ihren Mann Klaus, der im Rollstuhl sitzt, ist die Situation schwierig. Sie sind erst im November im Hochhaus eingezogen – der Hauptgrund war, dass das Gebäude über einen Aufzug verfügt – und warten immer noch auf die neuen Möbel, die sie bestellt haben. „In den achten Stock liefert das Möbelhaus die Sachen nicht, solange der Aufzug nicht funktioniert.“

Seit Mitte Dezember ist der Aufzug stillgelegt. Er kann wegen eines Defekts an der Sicherheitsschiene nicht mehr genutzt werden. Der Aufzugshersteller, die Firma Otis, hat das sicherheitsrelevante Ersatzteil zwar bestellt, es ist allerdings noch nicht geliefert worden. Offenbar muss die Schiene von einer Spezialfirma in Italien maßgefertigt werden. Bislang wurde der Hausverwaltung seitens der Firma Otis zuerst in Aussicht gestellt, dass die Reparatur in der Woche nach Dreikönig erfolgen werde. Aktuell ist von „frühestens Ende dieser Woche“ die Rede. Ob das klappt, ist unklar.

„Dass der Aufzug solange ausfällt, ist wirklich ärgerlich“, sagt Friedrich Lenger von der mit der Hausverwaltung beauftragen HBG. Er habe vollstes Verständnis für die verärgerten Bewohner. „Wir ärgern uns selbst am meisten.“ Otis müsse nun endlich liefern.

Realistische Alternativen zum Warten auf die Schiene, wie etwa den Einbau eines Treppenlifts, gebe es nicht. Die Kommunikation seitens des Aufzugherstellers sei nicht zufriedenstellend, kritisiert Friedrich Lenger. „Wir sind weiterhin dran und werden den Druck hoch halten, dass die Reparatur schnellstmöglich erfolgt“, sagt er.

Der positive Nebeneffekt des Debakels

Das Aufzugsproblem schweißt die Bewohner zusammen: Die missliche Lage hat dazu geführt, dass die Nachbarn in dem achtstöckigen Hochhaus in der Unteren Bachstraße 133 in Tailfingen sich gegenseitig helfen, wo es nur geht. Diejenigen, die gut zu Fuß sind, erledigen teilweise die Einkäufe und Besorgungen für die älteren und weniger mobilen Mitbewohner mit. „Die Leute sind sehr anteilnehmend“, freut sich Angelika Neumann, die mit ihrem Mann erst im November eingezogen ist. „Sie kümmern sich umeinander.“

Bei dem Ersatzteil, auf das alle warten, handelt es sich um die Sicherheitsschiene, die für die jeweilige Aufzugsanlage maßgefertigt werden muss. Es ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil.

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