Albstadt Weil er zu engagiert ist: CDU erteilt Melle eine Abfuhr

Fühlt sich vor den Kopf gestoßen: Heiko Peter Melle.
Fühlt sich vor den Kopf gestoßen: Heiko Peter Melle. © Foto: Privat
Lautlingen / Dagmar Stuhrmann 13.02.2019
Der Vorstand der Albstädter Christdemokraten beruft sich auf das Bemühen um Neutralität und verwehrt dem umtriebigen Lautlinger einen Listenplatz.

Am kommenden Freitag wird die Mitgliederversammlung der Albstädter CDU offiziell entscheiden, wen sie bei der Kommunalwahl am 26. Mai für die Sitze im Stadtparlament ins Rennen schicken will. Einer, der bereit gewesen wäre, seinen Hut in den Ring zu werfen, wird nicht auf der CDU-Bewerberliste stehen: Heiko Peter Melle, 50 Jahre alt, von Jugend an engagiert in seinem Heimatort Lautlingen, aktiv im Vereinsleben und ein Quell des Wissens, wenn es um die lokale Geschichte geht. Seit 2013 ist Melle Vorsitzender des Kreisblasmusikverbands.

Drei Angebote

„Ich habe im Vorfeld von Grünen, FDP und CDU (in Person Roland Tralmer) das Angebot bekommen, auf deren Listen zu kandidieren“, schreibt Heiko Peter Melle in einer E-Mail an die „Engagierten Lautlinger Bürger“ (ELB). Seit geraumer Zeit unterstützt Melle deren Kampf für eine Tunnellösung in Sachen Ortsumfahrung. Da er CDU-Mitglied sei, habe er es für loyal gehalten, den erstgenannten Fraktionen abzusagen.

„Nachdem sich im Stadtverband einige Personen wohl mit mir persönlich als auch mit meiner Überzeugung zur Ortsumfahrung B 463 nicht anfreunden konnten“, schreibt Melle weiter, habe ihm der Albstädter CDU-Chef Roland Tralmer mitgeteilt, dass sich der CDU-Stadtverband dazu entschieden habe, „weder Vertreter der Lautlinger ‚Pro-Amtstrassen-Bewegung‘, noch im Gegensatz dazu solche der Bürgerinitiativen gegen die Amtstrasse“ auf die Kandidatenliste zu nehmen. Die Mehrheit im Stadtverbandsvorstand sei der  Überzeugung, dass die eine „Festlegung“ darstelle und der Verband dadurch seinen „Status als Ansprechpartner für beide Strömungen verlieren“ würde.

Über diese Begründung für die Ablehnung ist Heiko Peter Melle empört. Das Vorgehen sei „absolut undemokratisch“ und „unmöglich“, kritisiert er den CDU-Vorstand. Die Gründe für die Absage hält Melle teilweise für vorgeschoben. „Eher ist es wohl so, dass man Ja-Sager und Parteisoldaten sucht, beides eher nicht mein Ding“.

„Wir hatten mehr Interessenten als Listenplätze“, erläutert Roland Tralmer auf Nachfrage die Entscheidung gegen Melle. „Im Hinblick auf die schwierige Situation in Lautlingen mit mehreren Initiativen und mit nur einem Kandidaten von einer BI auf dem Vorschlag des Vorstands hätte man das als Zeichen sehen können, dass wir potenziell einer der dortigen Richtungen zuneigen würden – das wollten wir nicht.“

Melle kündigte an, das Thema aktive Kommunalpolitik „auch aus privaten und gesundheitlichen Gründen an den Nagel zu hängen“ und seine CDU-Mitgliedschaft zu kündigen.

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