Geislingen bei Balingen Von unschätzbarem historischem Wert

Die Restaurierung des Geislinger Stifterbildes geht ihrem Ende zu. Das Gemälde wird bald nach Geislingen zurückkehren.
Die Restaurierung des Geislinger Stifterbildes geht ihrem Ende zu. Das Gemälde wird bald nach Geislingen zurückkehren.
Geislingen bei Balingen / CLAUDIA RENZ 17.10.2014
Das historische Geislinger Stifterbild kehrt nach anderthalbjähriger Restaurierung vom Stuttgarter Weißenhof in seine Heimatstadt zurück. Für Geislingen ist es von unschätzbarem Wert.

Seit knapp anderthalb Jahren befindet sich das historische Geislinger Stifterbild aus dem Jahr 1665 in der Werkstatt der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste auf dem Stuttgarter Weißenhof. Bis Ende des Jahres werden Diplomrestaurator und Leiter der Werkstatt für Konservierung und Restaurierung von Gemälden und gefassten Skulpturen, Peter Vogel, und die Studentinnen Pia Rösch und Sabrina Kunz ihre umfangreichen und aufwendigen Arbeiten abschließen. Das Gemälde kann nach Geislingen zurückkehren. Es zeigt die Krönung Marias und die Familie des Ortsadeligen Georg Schütz von Pürschütz.

Mit großer Sorgfalt und invasiven Techniken hat das Restauratorenteam das stark beschädigte Gemälde "wiederbelebt" und hervorragende Arbeit geleistet. Ein 4,80 Meter breiter und 1,90 Meter hoher Rahmen wurde von Schreinermeister Volker Schneider angefertigt und wird in den nächsten Tagen, mit einem Lastwagen, den die Firma Kleider Müller zur Verfügung stellt, nach Stuttgart an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste gebracht.

Auch die historischen Recherchen von Stadtarchivar Alfons Koch tragen Früchte. In der Sitzung des Kirchengemeinderates berichtete Koch über das Gemälde und seinen Stifter Georg Schütz von Pürschütz. Der kaiserliche Kommandant und Generalwachtmeister erfüllte sein Gelübde und ließ nach einer gewonnen Schlacht die im 30-jährigen Krieg zerstörte Heilig-Kreuz-Kapelle wieder aufbauen und gab das Stifterbild bei einem bis heute unbekannten Maler in Auftrag. Der Ortsadlige war ein extremer Marienverehrer und die Vornamen all seiner Töchter begannen mit dem Namen der Gottesmutter.

Die Darstellung Marias auf dem Stifterbild, stehend auf einer Halbsichel, weißt auf den Sieg über das Osmanische Reich hin. Schütz von Pürschütz kaufte die herrschaftliche Wiese, auf dem heute der katholische Kindergarten steht, und schenkte sie der Geislinger Pfarrstelle. Seine Stiftung unterstützte fünf Priester für die damals ungefähr 400 Einwohner in Geislingen. Die zweite Hälfte von Geislingen kaufte er den verschuldeten Stotzingern ab, damit die Gemeinde nicht in "unkatholische Hände" fallen konnte. Der Mesner und der Schullehrer wurden ebenfalls von der einflussreichen Adelsfamilie unterstützt. Wöchentlich ließ Schütz von Pürschütz in der Heilig-Kreuz-Kapelle eine Messe lesen und stiftete Jahrtage für die Stotzinger und Hohenberger. "Das Stifterbild und seine Geschichte hat mich infiziert", schwärmt Alfons Koch und macht neugierig auf seine weiteren Recherchen.

Der Kirchengemeinderat und der Arbeitskreis "Stifterbild", dem neben Alfons Koch, Kirchenpflegerin Mechthild Heicks, Erwin Alber und Hubert Gulde angehören, freuen sich über die Rückkehr des Stifterbildes. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde fanden bereits vor Monaten gemeinsam mit den Stuttgarter Akademikern bei ihrem Besuch in der Friedhofskapelle den künftigen Platz für das Stifterbild. Im Frühjahr 2015 sind die Feierlichkeiten und die offizielle Enthüllung des historischen Vermächtnisses geplant, das dann von der Allgemeinheit bewundert werden kann.

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