Ende Februar hatten der renommierte Chorleiter Anton Roggenstein und vier inspirierte Gospelchöre aus der Region ein Projekt gestartet, um neue Mitglieder zu gewinnen. „Share Your Joy“ lautete das Motto des Projektes – und des Tailfinger Konzertes. Rund 120 Sänger im Alter von zwölf bis 80 Jahren boten einen Abend voller Gesang, Rhythmus und Emotionen. Einziger Wermutstropfen: Die Sitzreihen im Tailfinger Theaterhaus wiesen einige Lücken auf. Kein Wunder, denn zeitgleich mit dem Zwei-Stunden-Konzert flimmerte die deutsche Nationalelf über die Mattscheiben.

„Seien Sie froh, dass Sie hier sind. Bei uns können Sie von Anfang an jubeln, nicht erst wenn das erste Tor fällt“, witzelte Moderator Reinhard Will vom Gospelchor „In Spirit“ aus Burladingen. Er versprach nicht zu viel. Vier Gospelchöre – neben „In Spirit“ waren die „Friends“ aus Ofterdingen, die „Glory Fires“ aus Stetten a. k. M. und die Pioniere des Gospels in der Region, die „Living Voices“ aus Veringenstadt, mit von der Partie. Vereint in einem Projektchor, konnten sie von vorne herein Stimmgewalt pur auf der Habenseite verbuchen.

Diesen Bonus haben die Sänger genutzt, sie versprühten schon beim Einmarsch gute Laune und eroberten die Bühne mit Titeln wie dem Simon-and-Garfunkel-Hit „Scarborough Fair“ und dem Beatles-Dauerbrenner „All you need is Love“ im Nu. Anton Roggenstein saß am Piano. Der Vollblutmusiker aus Veringenstadt übernahm gelegentlich die Lead-Stimme – vor allem aber hielt er die Zügel des musikalischen Geschehens fest im Griff. Mit jedem Lied gewann das Konzert an Fahrt.

Der stilistische Mix aus Pop und Gospel stimmte, wobei ein Reißer wie „Poison“, unverwüstlicher Hit aus dem Album „Trash“ mit dem der amerikanische Rockmusiker Alice Cooper 1989 seine Wiederauferstehung feierte, einmalig blieb. Spätestens bei diesem Song hielt es einige im Publikum nicht mehr auf den Sitzen, zumal Philipp Burkhart von der vierköpfigen Band seine E-Gitarre aufwühlend kreischen ließ.

Doch es gab noch mehr Darbietungen mit Pfiff und Pfeffer in diesem Konzert: Maximiliane Wagner von den „Friends“ veredelte Michael Jacksons „Earth Song“ mit einem kernigen Gesangssolo und bei „Shackles“ tanzten und klatschten alle mit. „You raise me up“ eröffnete den zweiten, von Balladen geprägten Programmteil.

Auch die interpretierte der Projektchor stilsicher, hielt einen intensiven Ton und teilte seine ansteckende Freude am Singen in Stücken wie „Von jetzt an“ von der Deutschrock-Band Luxuslärm und „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller mit.

Ob die Neuzugänge, die durch „Share Your Joy“ gewonnen wurden, bei der Stange bleiben, das wird sich zeigen. Eins aber ist gewiss: Anton Roggenstein und seine Gospelchöre haben im Thalia restlos begeistert.