Albstadt Verkettung unglücklicher Umstände sorgt für Gestank

Hier wird in der Ebinger Kläranlage der ausgefaulte Klärschlamm in ein Sammelbecken neben der Trocknungsanlage gekippt. In diesem Zustand, wenn er aus dem Faulturm kommt, riecht der Schlamm so gut wie gar nicht.
Hier wird in der Ebinger Kläranlage der ausgefaulte Klärschlamm in ein Sammelbecken neben der Trocknungsanlage gekippt. In diesem Zustand, wenn er aus dem Faulturm kommt, riecht der Schlamm so gut wie gar nicht. © Foto: Holger Much
Albstadt / Holger Much 04.05.2018
Mehrere Bürger beschwerten sich über unangenehme Düfte in Ebingen. Bernd-Michael Abt erklärt, warum es in der Kläranlage übel roch.

Eine Verkettung außergewöhnlicher Umstände, erklärt uns Bernd-Michael Abt auf unsere Nachfrage, habe in den vergangenen Tagen in der Ebinger Kläranlage für üblen Geruch gesorgt. Es seien insgesamt drei Aspekte gewesen, die zu der, so betont Abt, außergewöhnlichen Geruchsbelästigung geführt habe.

Bereits vergangene Woche hatten Bürger kritisiert, dass es im Bereich des Ebinger Bahnhofes stinke. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung erbrachte jedoch nichts. Beschwerden über Gestank im genannten Bereich seien nicht eingegangen, informierten Pressestelle sowie das Amt für öffentliche Ordnung. Nun jedoch wurde bekannt, dass die Kläranlage Auslöser des Ärgernisses war.

Erstens, zählt Abt auf, der sowohl Geschäftsführer der Klärschlammverwertung Albstadt sowie der Geschäftsführer des Zweckverbandes Abwasserverband Oberes Eyachtal ist, habe die Anlage im Ebinger Osten in der vergangenen Woche gewartet werden müssen. Daher habe die Lieferung des Klärschlammes aus der Anlage in Veringendorf nicht sofort verarbeitet werden können.

Dieser Klärschlamm, erläutert Abt, würde deutlich mehr stinken als andere Klärschlämme, die im Rahmen der Klärschlammverwertung Albstadt verarbeitet werden, zu der mehrere Umlandgemeinden gehören. Denn in der Kläranlage Veringendorf gibt es keinen Faulturm. Der Schlamm in Ebingen fault aus, was dazu führt, dass er danach so gut wie nicht mehr stinkt. In Veringendorf findet das nicht statt. Stattdessen wird er in einer Zentrifuge auf 25 Prozent Trockenanteil gebracht und dann nach Albstadt transportiert.

Der zweite unglückliche Umstand, erläutert Bernd-Michael Abt, sei ein technischer Defekt in der Kläranlage Veringendorf zur gleichen Zeit gewesen. Der Bitzer Bürgermeister Hubert Schiele, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Scheer-Lauchert, bestätigt dies. Durch ein fehlerhaftes Ventil habe der Klärschlamm deutlich mehr Wasser enthalten als sonst.

„Normalerweise decken wir den Klärschlamm aus Veringendorf sofort mit unserem eigenen, geruchsarmen Klärschlamm zu“, erläutert Bernd-Michael Abt. Und genau dies habe man vergangene Woche nicht machen können, weil der Schlamm aus Veringendorf zu flüssig war und die geruchsdämmende Deckschicht einfach darin versunken wäre. Die Folge war, dass der unabgedeckte Schlamm ungehindert stinken konnte.

Der dritte ungünstige Aspekt war das Wetter. Zu allem Übel, formuliert Bernd-Michael Abt, sei es in diesem Zeitraum nämlich auch noch sehr warm gewesen, was die Geruchsentwicklung begünstigt hätte. Und es habe Ostwind geherrscht. Der habe den Geruch dann Richtung Ebinger Oststadt getragen.

Eine mögliche Lösung für das Problem wäre laut Abt eventuell, den unverfaulten Klärschlamm in flüssiger Form nach Albstadt zu bringen. Dort könnte er in dieser Form mit in die Faultürme gebracht werden. Hubert Schiele, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Scheer-Lauchert, weist jedoch darauf hin, dass dann durch den deutlich höheren Wassergehalt eine Klärschlammenge von Veringendorf nach Ebingen transportiert werden müsse, die um ein Vielfaches größer sei und so enorme Transportkosten verursachen würde.

Zudem wäre die relativ neue Klärschlammzentrifuge dann nutzlos. Der beste Weg, so Schiele, Geruchsbelästigung zu vermeiden, sei, den Klärschlamm aus Veringendorf sofort, wenn er geliefert werde, zu verarbeiten. Dies sei vergangene Woche durch diese Verkettung sehr unglücklicher Umstände leider nicht möglich gewesen.

Klärschlammverwertung Albstadt

Die Städte Albstadt, Burladingen, Gammertingen, Meßstetten, die Gemeinden Nusplingen, Schwenningen, Stetten a. k.M. und die Abwasserzweckverbände Oberes Eyachtal, Schmeiental, Scheer-Lauchert sowie die Kläranlage Kohltal GbR haben sich als Gesellschafter der Klärschlammverwertung Albstadt zusammengeschlossen.