Das Jahr 2019 werde, so prognostizierte Geschäftsführer Benjamin Mayer bereits in einem Pressegespräch Anfang 2019, ein „sehr herausforderndes Jahr“ für das Albstädter Traditionsunternehmen Mayer & Cie., das 2020 übrigens in sein 115. Jahr geht. Er sollte Recht behalten.

Produktion wurde bereits gedrosselt

Seinerzeit hoffte man noch, die Situation nur mit einer Drosselung der Produktion, dem Abbau von Arbeitszeitkonten oder damit, befristete Arbeitsverträge nicht zu verlängern, in den Griff zu bekommen. Doch der Einbruch war stärker.

Wie auch in der Betriebsversammlung am Dienstag dieser Woche thematisiert, wurden daher sukzessive über das vergangene Jahr hinweg 91 Arbeitsplätze abgebaut. Dieser Abbau, lobt Michael Föst, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall Albstadt, sei jedoch sehr sozialverträglich abgelaufen.

Hohe Umsatzeinbußen

Die Mitarbeiterzahl sank, berichtet Geschäftsführer Marcus Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung, von rund 391 (Anfang 2019) auf rund 300 (Anfang 2020). Der Großteil der Arbeitsplätze wurde durch Ruhestandsregelungen oder das Nichtverlängern befristeter Arbeitsplätze reduziert.

30 Arbeitnehmer nahmen das Angebot des Unternehmens an, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Dort haben die Mitarbeiter maximal zwölf Monate Zeit, sich weiterzubilden und zu bewerben. Es gab nur eine echte Kündigung.

25 Prozent Umsatzrückgang

Laut Informationen von Mayer und Cie. beträgt der Umsatzrückgang 2018 auf 2019 rund 25 Prozent in der Sparte Rundstrick. Auf die gesamte Gruppe übertragen sind es minus 15 Prozent.

Hier, betont Marcus Mayer, hat sich die Verlagerung der Flechtmaschinensparte von den USA nach Albstadt positiv ausgewirkt. Für 2020 wird ein weiterer Umsatzrückgang von etwa 10 Prozent prognostiziert.

Marktschwankungen betreffen gesamte Branche

Marcus Mayer betont, dass solche Marktschwankungen leider nichts außergewöhnliches seien. Im Gegenteil sei der Textilmaschinenmarkt traditionell starken Schwankungen unterworfen, die in mehrjährigen Zyklen auftreten.

So leide der gesamte Marktbereich aktuell darunter, der Umsatzrückgang 2019 bei internationalen Wettbewerbern erreiche bis 50 Prozent Umsatzrückgang, bei nationalen Wettbewerber erreiche er bis zu 45 Prozent. Damit muss ein Unternehmen erst einmal klar kommen

Es sei, so Föst, aus Sicht der Gesellschaft natürlich nicht toll, dass so viele Arbeitsplätze hätten abgebaut werden müssen, doch mit Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent und mehr müsse ein Unternehmen erst einmal klar kommen.

Internationale Situation sorgt für schwierige Verhältnisse

Stichworte wie Trump, Brexit oder Handelskrieg sorgen für schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und für extreme Verunsicherung bei Investoren. Die treten dann lieber auf die Bremse, statt zu investieren. Mayer & Cie. reagierte darauf bereits im vergangenen Jahr, indem die Firma die Produktionskapazität um ganze 25 Prozent herunterfuhr.

Bisher keine Kurzarbeit bei Mayer & Cie.

2020 bleibe, so Marcus Mayer, schwierig, auch wenn es positive politische Signale zu geben scheine. Doch wenn die Situation bleibe wie jetzt, sei man wieder gut aufgestellt. Weiterer Personalabbau sei nicht geplant, das Mittel der Kurzarbeit behalte man sich als letzte Maßnahme vor, falls noch ein weiterer Einbruch käme.

Die dringende Aufgabe der Geschäftsführung, so Mayer, sei nun, Wege zu finden, um in solchen Situationen künftig noch deutlich flexibler agieren zu können, wie das positive Beispiel mit den Flechtmaschinen zeige.

Flechtmaschinen werden künftig in Albstadt hergestellt

Seit Anfang 2019 wurde der Geschäftsbereich der Flechtmaschinen komplett aus den USA nach Albstadt verlagert. Das heißt, neben den verschiedenen Rundstrickmaschinen für Single- und Double-Jersey-Gestricke werden am Stammsitz des Traditionsunternehmens künftig auch diese Doppeldeckmaschinen hergestellt.

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Hechingen/Burladingen