Balingen Über 80 Zuhörer bei Vortrag über Luchs im Landratsamt

Luchs und Fan: Der neunjährige Silas ließ es sich nicht nehmen, im Landratsamt einen Vortrag über die (noch) seltenen Waldbewohner zu hören.
Luchs und Fan: Der neunjährige Silas ließ es sich nicht nehmen, im Landratsamt einen Vortrag über die (noch) seltenen Waldbewohner zu hören. © Foto: Silke Thiercy
Balingen / SILKE THIERCY 07.06.2016
Wenige haben ihn schon live gesehen, für die anderen ist er ein Exot: der Luchs. Lange galt er in Deutschland als ausgerottet. Jetzt kommt er wieder.

Der Luchs erobert sich seinen Lebensraum zurück. Und braucht dafür vor allem eins: Verständnis und Wissen. Vor dem angeblich so bösen Wolf haben viele Menschen Angst. Dass der Luchs in arger Not auch mal ein Nutztier reißt, kostete ihn im Mittelalter fast die Existenz.

Der letzte Luchs wurde im Schwarzwald anno 1770 geschossen. Die katzenähnlichen Raubtiere wurden gezielt gejagt, erst heute erobert sich das für Michael Hertfelder faszinierende Tier seinen ursprünglichen Lebensraum auch auf der Schwäbischen Alb zurück, wie er im Landratsamt in Balingen aufzeigte. Der Mitarbeiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg aus Freiburg kämpft dafür, dass Luchse wieder einen Raum zum Leben finden. Der allerdings sollte möglichst groß sein. Luchse sind Einzelgänger. Brauchen pro Tier ein Revier, das gut und gerne 170 Quadratkilometer groß sein kann. Und reißen Wild. Ein Reh, so Hertfelder, reicht einem Luchs, um eine Woche lang satt zu werden. Klingt viel, ist aber wenig im Vergleich zu den fünf Geweihträgern, die ein einzelner Jäger in der selben Zeit schießt.

In Europa galt das Tier lange Zeit als ausgerottet. Versuche, Luchse aus den Karpaten hier anzusiedeln, scheiterten meist. Umso mehr freut sich die Luchs-Initiative Baden-Württemberg, dass immer mehr Meldungen über Sichtungen der stummelschwänzigen Luchse eingehen. Wer einem Luchs begegnet, müsse keine Angst haben: "Menschen sind ja keine Beutetiere für das Tier." Meistens mache ein Luchs bei der Begegnung mit Wanderern das, was eine Katze auch tue: So tun, als ob eben gar nichts sei. Trotzdem, so Hertfelder, solle man den vorsichtigen Tieren mit Respekt begegnen. Die Wiederansiedlung der getupften Tiere, so der Referent, sei auch Teil des europäischen Naturerbes. Das engmaschige Monitoring jedenfalls zeige, dass immer mehr Tiere hier heimisch würden.

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