Tailfingen Tiervermittlung: Wer hat ein Herz für Joe?

Joe sucht ein Herrchen oder Frauchen.
Joe sucht ein Herrchen oder Frauchen. © Foto: privat
Tailfingen / SWP 11.05.2018
Der sechsjährige American Staffordshire Terrier aus dem Tierheim teilt das Schicksal vieler sogenannter Kampfhunde.

Hund Joe aus dem Tailfinger Tierheim des Tierschutzvereins Zollernalbkreis stammt ursprünglich aus Ungarn. Dort ist es auch noch üblich, Welpen ohne Narkose die Ohren zu kupieren. Es ist deutlich zu sehen, dass auch bei Joe kurzer Prozess mit der Schere gemacht wurde. In Deutschland angekommen, verbrachte er die ersten Lebensmonate hauptsächlich eingesperrt in einem Raum. Durch einen Hinweis an das zuständige Veterinäramt wurde er im Alter von zehn Monaten beschlagnahmt und in das Tierheim gebracht.

Völlig überfordert von all den fremden Eindrücken und Menschen, ließ er zunächst niemanden an sich heran. Die Auflage des Amtes war für ihn jedoch, nach sechs Wochen Vorbereitungszeit einen Wesenstest abzulegen. „Völlig unrealistisch“, sagt Dr. Günter Wiebusch, der Vorsitzende des Tierschutzvereins. „In dieser Zeit hätte man nicht mal geschafft, den Hund vorzubereiten, wenn man ihn bei sich zu Hause und rund um die Uhr Zeit gehabt hätte.“ So kam es wie es kommen musste: Joe hat den Wesenstest nicht bestanden. Dies hat weitreichende Folgen für ihn. Bei Spaziergängen hat er Leinen- und Maulkorbpflicht. Möchte man ihn adoptieren, ist ein Sachkundenachweis und eine Begründung, warum man einen „gefährlichen“ Hund aufnehmen möchte, Voraussetzung. Auch die zuständige Gemeinde muss unter Umständen der Haltung zustimmen.

Alle im Tierheim-Team sind sich freilich einig: Mit realistischer Vorbereitungszeit hätte Joe den Wesenstest mit Bravour bestanden. Er hat sich zu einem verschmusten, verspielten und fröhlichen Hund entwickelt. Andere Hunde sind kein Problem für ihn, oft teilt er seinen Zwinger mit einem anderen. Nur an der Leine pöbelt er noch gerne seine Artgenossen an, daran kann man aber arbeiten. Wenn seine Patin mehrmals pro Woche kommt, ist für ihn die schönste Zeit angebrochen. Voller Freude bringt er von selbst Halsband und Leine.

Das Tierheimteam gibt die Hoffnung nicht auf, dass es für Joe doch noch das ultimative Herrchen oder Frauchen gibt, hundeerfahren, mit genug Zeit, um mit ihm zu arbeiten und ihn geistig und körperlich auszulasten. Er wird es vielfach zurückgeben.

Wer Interesse hat, kann sich Joe zu den Öffnungszeiten des Tierheims anschauen und sich mit dem Personal besprechen.

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