Die Geschichte hinter „Global Player“, die Hannes Stöhr 2013 ins Kino brachte und nun auf die Theaterbühne des Theater Lindenhof kommt, ist frei erfunden. Es geht um ein Familienunternehmen in der Textilbranche im schwäbischen Raum, das um das Überleben kämpft.

Aus der Luft gegriffen ist das Thema indes nicht. Tatsächlich gab es auf der Schwäbischen Alb früher viel mehr Firmen in der Textilbranche als heute. Nur ein paar haben es geschafft, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Darunter der Spezialist für Strickmaschinen Merz in Hechingen und der Wäscheproduzent Comazo in Albstadt.

Im Zentrum der Geschichte von Hannes Stöhr steht das fiktive Textilunternehmen Bogenschütz & Söhne. Der Juniorchef (gespielt von Gerd Plankenhorn) gerät darin mit seinem Vater und Seniorchef (gespielt von Bernhard Hurm) aneinander, da dieser die Häuser der Familienmitglieder an die Bank geben will, anstatt mit chinesischen Interessenten zu verhandeln.

Um ein Stück überzeugend auf die Bühne zu bringen, ist es für die Theatermacher interessant, hinter die Kulissen „echter“ Firmen zu schauen. Nicht nur für die Schauspieler, um sich besser in ihre Rolle hineindenken zu können, sondern auch für die Bühnentechniker. Sie haben die Aufgabe, ein Modell einer Strickmaschine auf die Bühne zu bringen, das natürlich viel leichter und dennoch realistisch sein soll.

Der Geschäftsführer der Firma Merz, Hans-Ulrich Keck, hat nun 15 Gäste aus dem Theater im schlichten Showroom empfangen: in der Mitte ein Fuß mit Strumpf. Nach einer kurzen Einführung ging es mitten ins Geschehen, in die Produktionshalle. Dabei trafen sich alte Bekannte wieder. Einige der Mitarbeiter haben selbst im Film Global Player mitgespielt und freuten sich, den Schauspielern nun ihre Arbeit näherbringen zu können. Nach einem einstündigen Rundgang zeigten sich die Theatermacher von der modernen Technik tief beeindruckt.

Nachfrage bleibt konstant

Geschäftsführer Hans-Ulrich Keck berichtete den Gästen: Zwar seien die goldenen Jahre, in denen Kunden zweieinhalb Jahre auf eine Maschine warten mussten, vorbei, doch die Nachfrage bleibe stetig. Die Kunden kämen hauptsächlich aus dem europäischen Raum. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf Textilmaschinen für die Produktion von orthopädischen Strümpfen. Die Firma produziert fast alle Teile im Betrieb in Hechingen selbst und setzt sie auch dort zusammen. Eine Maschine besteht aus 3000 bis 5000 Teilen. Was dem schwäbischen Unternehmen das Geschäft schwierig macht, ist die Langlebigkeit der Maschinen.

Zu Gast beim Wäscheproduzenten Comazo in Albstadt wurden die Theaterleute ebenfalls auf einen Rundgang durch die Produktion mitgenommen. Es ging von der Bearbeitung des Rohstoffs über zum Druck der Schnittmuster, dem Zuschnitt, bis hin in die Abteilung, wo das Design für die neue Kollektion entsteht. Dabei erfuhren die Theatermacher unter anderem, aus wie vielen Teilen ein BH besteht und, dass es mindestens 30 Minuten braucht, diesen zu nähen.

Ein Spezialgebiet von Comazo ist die Produktion von Wäsche in Bioqualität mit Fair Trade Label. Die Zertifizierung fordere dem Unternehmen einiges ab, sagte Geschäftsführer Michael Nädele. So dürfen Produkte von normaler Qualität und Bioprodukte nicht im selben Raum verarbeitet werden.

Die Bühnenbildnerin von Global Player, Claudia Rüll Calame-Rosset, hatte sich bereits vor dem Besuch im Wäschekatalog von Comazo umgesehen: Es sieht ganz danach aus, als würde einiges davon auf die Bühne kommen.

Termine rund um das Stück


Premiere vom Theaterstück „Global Player – Wo mir sind isch vorne“ ist am 3. März im Theater Lindenhof. Am Sonntag, 4. März, findet nach der Vorstellung ein Publikumsgespräch mit Hannes Stöhr statt. Am 15. April ist Michael Nädele zu Gast in der Erzählstube zum Thema „Textilindustrie heute“ des Theater Lindenhof in Melchingen. Karten: Telefon 07126/92 93 94 oder per E-Mail an karten@theater-lindenhof.de