Albstadt Talgangbahn-Reaktivierung noch unentschieden

Die Brückenbauwerke in der Ebinger Unteren Vorstadt (siehe Foto) als auch in der Neuweilerstraße müssten im Falle einer Talgangbahn-Reaktivierung von Grund auf ertüchtigt werden, verdeutlicht Oberbürgermeister Klaus Konzelmann.
Die Brückenbauwerke in der Ebinger Unteren Vorstadt (siehe Foto) als auch in der Neuweilerstraße müssten im Falle einer Talgangbahn-Reaktivierung von Grund auf ertüchtigt werden, verdeutlicht Oberbürgermeister Klaus Konzelmann. © Foto: Holger Much
Albstadt / Holger Much 02.05.2018
Seit 2001 hat sich in Sachen Talgangbahn vieles geändert. Erst 2019 soll es aktuelle Daten geben.

Eine klare Standortbestimmung der Stadt Albstadt zum Projekt Talgangbahn forderte Landrat Günther-Martin Pauli im Mai vergangenen Jahres. Der Albstädter Gemeinderat hat sich daher in seiner jüngsten Sitzung nichtöffentlich mit der Thematik befasst. Auch der Ältestenrat wurde zu der Sache gehört.

Es wurde beschlossen, die aktuellen Ergebnisse einer neuen standardisierten Bewertung für die Zollernbahn und die Talgangbahn abzuwarten. Mit diesen Daten, informierte die Stadtverwaltung am Montag in einem Pressegespräch, sei erst im Laufe des Jahres 2019 zu rechnen. Das Karlsruher Büro PTV-Group ist, beauftragt vom Kreis, bereits dabei, die Daten zu erheben.

Auch die so genannten Zuwendungsgeber, also Bund und Land, fordern diese neue Untersuchung über den Wirtschaftlichkeitsfaktor von Modul 2 der Regionalstadtbahn (Zollernbahn zwischen Tübingen und Ebingen, sowie Talgangbahn), bevor konkretere Aussagen darüber gemacht werden, ob Zuschüsse zu erwarten sind und, falls ja, in welcher Höhe. Die Stadt Albstadt möchte einerseits eine Bewertung der gesamten Strecke als auch eine gesonderte Betrachtung der Talgangbahn. Erst dann möchte der Gemeinderat sich konkret positionieren. Parallel wurde die Verwaltung jedoch ebenfalls beauftragt, in dieser Zeit mögliche alternative Konzepte zur Nutzung der Talgangbahntrasse erarbeiten zu lassen. Denn, so verdeutlich Oberbürgermeister Klaus Konzelmann, wenn die Bewertung kleiner als der Faktor eins ausfallen sollte, dann bekommt die Talgangbahnstecke keine Förderung mehr. Genau das, verdeutlicht Michaela Maier vom Ordnungsamt, sei die zentrale Frage: „Ist die Talgangbahn auch heute noch förderfähig?“ Michaela Maier und ihre Kollegin Birgit Wittner arbeiteten sich durch einige Meter an Ordnern zum Thema Talgangbahn, von der Stilllegung 1998 über den Kauf der Strecke durch den Landkreis für 13.000 Euro im Jahr 2014 bis heute. Schnell klar wurde: Die veranschlagten Kosten sind seit der ersten, sogenannten standardisierten Bewertung im Jahre 2001 extrem gestiegen.

Damals war noch die Reaktivierung für Dieselbetrieb vorgesehen und es wurden Investitionskosten in der Größenordnung von 25 Millionen Mark errechnet. Das ergab damals, vor 17 Jahren, einen Nutzen-Kosten-Index von 2,42. Das heißt, die Talgangbahn war damals förderfähig und wurde gesamtwirtschaftlich als sinnvoll betrachtet. Seither stiegen die Kosten enorm. Im Rahmen der 2012 erstellten standardisierten Bewertung für die Regionalstadtbahn ist für den Teilbereich Talgangbahn die durchgängige Elektrifizierung von Ebingen bis Onstmettingen vorgesehen. Es wurde von Investitionskosten in Höhe von 32,2 Millionen ausgegangen. (Stand Kostenschätzung 2011). Im Jahr 2014 schätzte man die Investitionskosten auf mittlerweile 50 Millionen Euro, also viermal so viel wie 2001, verdeutlicht Michaela Maier.

In einer überschlagenen Betrachtung der aktuellen Sachlage kommt das Büro bisher zu dem Schluss, dass eine funktionierende Realisierung des Großprojektes Regionalstadtbahn das Teilstück Talgangbahn heutzutage nicht mehr braucht. Gemeinderat und Verwaltung möchten sich ganz bewusst jedoch nicht festlegen. Die neue Bewertung soll abgewartet und dann in Ruhe entschieden werden, stellt der Oberbürgermeister klar. Wenn dann, hoffentlich in Jahresfrist, die endgültigen Investitionskosten für die Talgangbahn feststehen sowie die Frage, ob die Strecke auch unter den neuen Parametern gesamtwirtschaftlich als sinnvoll und bezahlbar erachtet wird, dann soll eine klare Positionierung getroffen werden.

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