Balingen Sohn soll demente Mutter geschlagen haben

Eine Altenpflegerin will den Faustschlag gegen die Patientin beobachtet haben und sagte als Zeugin aus.
Eine Altenpflegerin will den Faustschlag gegen die Patientin beobachtet haben und sagte als Zeugin aus. © Foto: Archiv
Balingen / Daniel Seeburger 17.04.2018
Einem 52-Jährigen Mann wurde zur Last gelegt, seine 80-jährige Mutter mit der Faust im Gesicht getroffen zu haben.

Die Vorwürfe gegen einen 52-jährigen Mann aus einer Kreisgemeinde wogen schwer. Ihm wurde zur Last gelegt, seine 80-jährige demente Mutter in einem Seniorenheim mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Bei der Verhandlung vor dem Balinger Amtsgericht wurde gegen ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung verhandelt.

Die Anschuldigungen gegen ihn konnte auch Rechtsanwalt Michael Sting nicht ausräumen, Richterin Birgit Goßger blieb beim Strafmaß aber deutlich unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen à 40 Euro und verurteilte den Mann zu 30 Tagessätzen à 50 Euro. Selbst von der Staatsanwaltschaft wurde nicht in Abrede gestellt, dass sich der 52-Jährige aufopferungsvoll um seine Mutter gekümmert hat. Fast täglich besuchte er die nach einem Schlaganfall stark in ihren Bewegungen eingeschränkte Frau in der Seniorenresidenz. Da sie unter starken Schluckbeschwerden litt, musste sie gefüttert werden. Mittels der sogenannten basalen Stimulation habe er seine Mutter immer wieder im Gesicht gestreichelt, gekniffen oder geknufft, damit der Schluckreflex aktiviert worden sei.

Mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe er sie definitiv nicht, erklärte der Angeklagte. Aber genau das warf ihm eine 26-jährige Altenpflegerin vor, die damals im dritten Lehrjahr war. Sie will ihn bei der Körperverletzung im Juni 2017 beobachtet haben. Eigentlich habe sie ein gutes Verhältnis mit dem Angeklagten gehabt, erklärte sie. „Er war immer freundlich zu mir“, sagte sie. An fraglichem Tag allerdings sei der 52-Jährige etwas wütend gewesen. Er habe seine Mutter gekniffen und dann auch geschlagen. Die 80-Jährige habe daraufhin geweint. Die Pflegerin  habe den Vorfall sofort ihrer Vorgesetzten gemeldet.

Ob es nun ein Klaps oder ein Schlag war, konnte die Zeugin nicht mehr genau sagen. „Für meine Vorstellung war es zu grob“, erklärte sie. Letztlich ging das Gericht nicht mehr davon aus, dass der Mann tatsächlich mit der Faust zugeschlagen hatte, wie es die Altenpflegerin noch bei der Polizei zu Protokoll gab.

In der Bewertung der Hauptzeugin lagen die Ansichten von Staatsanwalt und Verteidiger weit auseinander. Die Zeugin sei „so etwas von unglaubwürdig“, resümierte Verteidiger Michael Sting und forderte einen Freispruch. Die Richterin sah das anders. Die Zeugin habe durchaus die Wahrheit gesagt und das Vorgefallene eindrücklich geschildert. „Es war ein Schlag und kein Tätscheln“, so Birgit Goßger, kein Faustschlag – aber auch keine bloße Stimulation.

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