Ebingen / DAGMAR STUHRMANN Einen Tag lang drehte sich alles um Textilbeton: Die Baubranche hatte Gelegenheit, sich bei einer Tagung im TEZ der Firma Groz-Beckert aus erster Hand über den innovativen Baustoff zu informieren.

Eingeladen hatte die Groz-Beckert-Tochter "Solidian", in der der Konzern sein Know-how in Sachen Textilbeton bündelt und die inzwischen dabei ist, sich einen Platz auf dem Weltmarkt zu schaffen. Rund 180 Teilnehmer aus allen Berufssparten, die mit dem Bauen zu tun haben, hatten sich angemeldet, um sich einen Überblick über die vielfältigen Anwendungen zu verschaffen. Nach der Begrüßung durch Hans-Jürgen Haug als Vertreter der Groz-Beckert-Geschäftsführung folgte ein Vortrag auf den anderen. Zwischendurch gab's Vor-Ort-Besichtigungen in Lautlingen und Ebingen, wo man sich die beiden bisher realisierten Albstädter Textilbetonbrücken anschaute.

Die Lautlinger Fußgängerbrücke, die weltweit längste textilbewehrte Betonbrücke, war 2010 das Pilotprojekt. "Solidian" lieferte die textilen epoxidharzgetränkten Glasfasergelege für das innovative Bauwerk. Vergangenes Jahr folgte die zweite Textilbetonbrücke, die Albstadt aufzuweisen hat: die 15 Meter lange Fußgängerbrücke beim Hallenbad. Zwei weitere Textilbetonbrücken sind in Planung. Baubürgermeister Udo Hollauer erläuterte am Montag im Groz-Beckert-Auditorium die Vorteile, die diese Bauweise für die Kommune hat. Unter anderem kann durch die längere Lebensdauer der Unterhaltungsaufwand reduziert werden, was die Mehrkosten zum Teil wett macht.

"So einfach wie genial" sei der Baustoff, meinte Hiltrud Betz, Vertreterin der Architektenkammer, Gruppe Zollernalb. Textilbeton werde den Baubereich revolutionieren und sei für alle Kreativen eine Aufforderung, "ausgebaute Straßen" zu verlassen und "neue Strukturen zu denken".

Experten gehen davon aus, dass bis 2030 rund 35 Prozent des verbauten Stahlbetons durch Textilbeton ersetzt werden könnte. Der Baustoff eignet sich ideal für Fertigteilkonstruktionen, aber auch für Sanierungen. Mittlerweile gibt es nicht nur Brücken aus Textilbeton, sondern auch Fertiggaragen, Möbel und Fassadenverkleidungen, wie etwa beim Restaurantgebäude im Dormettinger Schiefer-Erlebnis. Auch bei der Sanierung altersschwacher Parkhäuser setzen Betreiber auf Textilbeton. Mit Spannung erwartet: das erste reine "Sandwichhaus". Die Vorteile gegenüber herkömmlichem Stahlbeton sind bestechend: Textilbewehrte Bauteile sind schlanker und leichter und sie rosten nicht. Sie sind resistent gegenüber Tausalz, formstabil und robust, aber ebenso flexibel. Die Gestaltungsfreiheit ist groß, der Materialverbrauch ressourcenschonend und die Transportkosten reduzieren sich.

Die Redner des Tages beleuchteten das Thema von allen Seiten. Christian Kulas (Solidian) stellte die nicht-metallischen Hochleistungsbewehrungen vor. Praxisbeispiele und Anwendungspotenziale zeigte Norbert Will von der RWTH Aachen auf. Über neue Möglichkeiten mit textilbewehrtem Architekturbeton referierte Mario Bommersbach von der Firma Max Bögl. Wie bei "Eastsite VIII, Mannheim" glasfasertextil-bewehrte Sandwichlösungen im Großformat eingesetzt wurden, erklärte Christoph Suttrop (Dreßler-Bau) und "Textilbeton als innovatives Bauprodukt" rückte Wolfgang Weiß vom Regierungspräsidium Tübingen in den Mittelpunkt.