Zollernalbkreis Selbsthilfegruppe Fibromyalgie neu in Balingen

Zollernalbkreis / Silke Thiercy 01.10.2018
Die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe startet am 4. Oktober in Balingen. Mit Rheuma hat die chronische Krankheit nichts zu tun.

Schmerzen. Überall. Manchmal so stark, dass nur noch Opiate helfen. Dazu kommen Ängste und Depressionen: Fibromyalgie ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Und vielen Betroffenen. Zwei von ihnen, Barbara Nerz und Carolina von Ginsheim, haben sich zusammengetan und eine Selbsthilfegruppe gegründet. Das erste Treffen ist am 4. Oktober.

Wer Barbara Nerz trifft, sieht eine lebensfrohe Frau. Was niemand sieht: sie hat Schmerzen. Ständig und seit vielen Jahren. Und sie hat einen langen, sehr langen Weg hinter sich bis zur Diagnose.

Die heute 62-jährige stand mitten im Beruf. Irgendwann bekam sie Rückenschmerzen. Diese wanderten in Schultern, Arme und Beine. Sie pilgerte von Arzt zu Arzt. Niemand fand die Ursache. Bis ihr neuer Hausarzt sie statt zum Orthopäden zu einem Rheumatologen überwies. „Auf dem Röntgenbild sieht man nämlich nichts“, erklärt die ehemalige kaufmännische Angestellte, die mit den Jahren Spezialistin in eigener Sache geworden ist. Fibromyalgie ist eine Erkrankung an den Muskeln, früher im Volksmund „Weichteilrheuma“ genannt. Diagnostiziert werden kann diese nur, wenn ein erfahrener Arzt die so genannten Triggerpunkte kennt und auslösen kann.

Mit Rheuma hat die chronische Erkrankung nichts zu tun. Das allerdings musste auch Barbara Nerz erst lernen. Sie war in Reha. In verschiedenen Kliniken. Bekam einen Burnout, Ängste. Auch das Teil der Krankheit, die neben Schmerzen oft mit Erschöpfung, ständiger Müdigkeit oder psychischen Problemen einhergeht. Bei der die Betroffenen manchmal nicht einmal sagen können, wo genau es ihnen wehtut. „Manche“, wie Barbara Nerz zu berichten, „halten nicht mal die Bettdecke auf dem Körper aus.“

Sie weiß, dass viele Erkrankte sich zu Hause verschanzen und in die Einsamkeit abdriften. Sie wollte und will das nicht. Ihr Credo: aktiv bleiben. Sie möchte fibromyalgiekranken Menschen helfen, sie unterstützen. Barbara Nerz lernt den Fibromyalgie-Selbsthilfeverband kennen, nimmt Kontakt auf.

Über ein Vorstandsmitglied lernt sie die aus Dormettingen stammende Carolina von Ginsheim kennen. Den beiden Frauen war klar, dass sie in der Kreisstadt eine Selbsthilfegruppe gründen wollen. Als Anlaufstelle für Betroffene, als Informations-Tankstelle, als Ort, an dem man raus kommt aus dem täglichen Trott und Gleichgesinnte trifft.

Mit der KIGS – der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen bei der AOK – und Isabella Manos hatten sie die richtigen Partner gefunden. Manos und ihr Team unterstützen Selbsthilfegruppen im Kreis mit Pauschal- und Projektfördermitteln. Die Stadt Balingen stellt der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe einen Raum zur Verfügung.

„Man sieht einem die Krankheit, die Schmerzen nicht an“, erklärt Barbara Nerz eines der Dilemmas, die sie wie so viele andere Betroffene erleben mussten. Ihr ehemaliger Chef riet ihr, sich doch einfach mal zusammen zu reißen. Nicht einfach bis unmöglich, wenn man Tag für Tag und Stunde für Stunde mit Rückenschmerzen oder Migräne zu kämpfen hat. „Manche können sich gar nicht mehr bewegen, andere setzen auf Sport“, weiß Barbara Nerz. Oft werden starke Schmerzmittel bis hin zu Opiaten eingesetzt, Antidepressiva sollen das Schmerzgedächtnis ausknocken. „Ich will raus aus dem Tief.“

Und dabei will sie so viele Menschen mitnehmen, wie sie kann. In ihrem Mann Günter Nerz hat sie einen Mitstreiter gefunden, der sich als Klangpraktiker mit den speziellen Bedürfnissen der Fibromyalgiepatienten auseinander gesetzt hat. Barbara Nerz und Carolina von Ginsheim haben ein gemeinsames Ziel - beide wollen sich die Lebensfreude nicht nehmen lassen. Und haben Pläne für die neue Gruppe. Ärzte sollen eingeladen werden, es soll Vorträge geben und „wir gehen auch mal gemeinsam mit den anderen Mitgliedern Spazieren oder ein Eis essen.“ Denn beiden ist es besonders wichtig: nicht den Anschluss an das Leben zu verlieren.

Monatliche Treffen im alten Landratsamt

Die Selbsthilfegruppe trifft sich zum ersten Mal am 4. Oktober, 17.30 Uhr, im ehemaligen Landratsamt, Friedrichstraße 67 (beim Zollernschloss). Die Treffen finden monatlich statt und dauern bis 19 Uhr. Weitere Auskünfte geben Barbara Nerz aus Geislingen (01575/8472442) oder Carolina von Ginsheim (0172/7186200) oder auch Mail: fibromyalgie_balingen@web.de

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