Giftgrün und gewollt auffällig ist der Drache auf der Fassade der Schwelhalle in der Frommerner Ohnrastraße. Es ist das wohl größte Graffito in der Region. Zudem als Teil der Revolte-Ausstellung eigentlich legal entstanden. Doch wenn es nach dem Landesdenkmalamt geht, muss es weg. Denn die Schwelhalle gilt als Kulturdenkmal.

Das Landesdenkmalamt spricht daher in einem Schreiben, dessen Inhalt die Behörde auf Anfrage auch bestätigt, von einer Verschandelung und einer erheblichen Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Denkmals. Angesichts des historischen Aussagewertes des Gebäudes sei das Graffito ein geradezu pietätloser Akt.

Graffito soll geduldet werden

Bei Revolte-Veranstalter Frank Türke ist derweil noch keine Nachricht der Stadt eingegangen, die Anfang Juni vom Landesdenkmalamt informiert wurde, dass die Schwelhalle ein Kulturdenkmal sei und das Graffito „wieder abgenommen und der Vorzustand wiederhergestellt“ werden soll. „Stand jetzt bleibt das Graffito, mit mir hat noch niemand gesprochen“, sagt Türke.

Wie die Balinger Stadtverwaltung bestätigt, muss das Graffito noch nicht beseitigt werden, auch wenn es das Landesdenkmalamt ablehnt. Im weiteren Verfahren ist die Stadt als untere Denkmalschutzbehörde Herrin des Verfahrens, setzt Fristen, achtet auf die Umsetzung, reagiert darauf, wenn sich Eigentümer weigern.

Es ist ja auch nicht mehr die Originalziegelfassade

Doch der Stadt schwebt etwas anderes vor: „Wir versuchen im Konsens mit dem Landesdenkmalamt eine vorübergehende Duldung des Graffito zu erreichen, zumal es sich bei der Schwelhalle auch nicht mehr um die Originalziegelfassade handelt“, sagt Rathaussprecher Jürgen Luppold.

Klappt das nicht, müsste die nächsthöhere Denkmalschutzbehörde, also das Regierungspräsidium Tübingen in einem sogenannten Dissensverfahren entscheiden.

Eine formelle Anordnung zur Beseitigung gebe es bislang nicht, so Luppold. Nach aktueller Rechtslage wäre jedoch eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung erforderlich gewesen.

Ein Prüffall nach dem Denkmalschutzgesetz

„Der Bescheid, dass die Schwelhalle ein Kulturdenkmal ist, kam erst im Juli bei uns an, nachdem der Drache schon an der Wand war“, sagt Revolte-Veranstalter Frank Türke, der das Graffito als Schwelhallen-Pächter mit deren Eigentümer im Vorfeld besprochen hatte. Das bestätigt auch die Stadt, wenngleich der Eigentümer laut Stadt bereits im Frühjahr dieses Jahres informiert worden sei, dass die Schwelhalle seit Sommer 2018 als Prüffall nach dem Denkmalschutzgesetz benannt wurde.

In dem Bescheid gehe es aber lediglich um bauliche Änderungen, die es nicht geben dürfe, sagen die Verantwortlichen. Die Funktion des Gebäudes sei noch dieselbe, es sei nichts beeinträchtigt. Darauf habe man geachtet.

Der Drache als Beschützer der Halle

Am 8. Juni dieses Jahres startete Graffiti-Künstler WON ABC alias Markus Müller mit seinem Kunstwerk. 15 Tage lang pinselte und sprühte der prominente Münchner, der eine zentrale Rolle in der Revolte-Ausstellung gespielt hat, das monumentale bunte Graffito auf die Fassade der Schwelhalle.

Der Drache im freundlichen Grün soll Beschützer der Halle und nicht böse sein.

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Warum die Schwelhalle ein Kulturdenkmal ist


Während der NS-Herrschaft wollten die Nazis in der Schwelhalle Öl aus Schiefer gewinnen, KZ-Häftlinge sollten als Arbeitskräfte herhalten. Die Franzosen führten die Schieferölgewinnung zunächst weiter, beendeten sie dann aber auch. 1955 kaufte die Firma Elektra aus Tailfingen das Werksgelände der Schwelhalle.